Dienstag, 23. Mai 2017

Kapital vermehren für Anfängerinnen

Sehr viele Menschen tendieren dazu, alles auszugeben, was sie haben. Andere lernen, zu sparen (siehe auch mein Post dazu). Lassen sie es dann aber auf dem Konto liegen, wo heute keine Zinsen mehr gezahlt werden, vermindert sich das reale Vermögen - nämlich wegen der Teuerung. Deshalb solltest Du unbedingt etwas mit Deinem Geld machen: Lass es arbeiten!



Die durchschnittliche Jahresteuerung (eben die Inflation) beträgt 1.4%. So viel sollte mit dem Vermögen also jährlich erwirtschaftet werden, damit es nur schon seinen WERT ERHÄLT. (Auch sollte man jährlich 1.4% Lohnerhöhung kriegen, aber das ist heute nicht das Thema.)


Viele Menschen möchten in Wohneigentum investieren. Vorteil: Man kann in der Investition wohnen, während sie an Wert zulegt. Die Hypothek ist zurzeit extrem günstig. So günstig, dass man sogar Geld verdienen könnte, wenn man eine Hypothek aufnähme (1.5% Zins) und anderen Leuten Privatkredite vergäbe (min. 5% Zins). Nachteil: Wir haben wahrscheinlich eine Immobilienblase.







Es spricht aber noch anderes gegen Immobilien...


Zunächst einmal mangelnde Flexibilität. Das Kapital wird für eine verdammt lange Zeit parkiert, man kann es nicht kurzfristig herauslösen und oft belasten sich Hauseigentümer bis zur Schmerzgrenze. Ihnen bleibt nach Begleichung aller (Steuer-)Rechnungen nicht mehr viel Spielraum für andere Investitionen. Dem Staat passt das so übrigens, denn für ihn stellt Wohneigentum eine Art der Altersvorsorge dar. Hauseigentümer werden weniger häufig Sozialfälle.

Will man mit Immobilien handeln, fallen immer wieder Steuern und Gebühren an. Entscheidet man sich, die Häuser zu bewirtschaften sprich vermieten, sieht man sich im Moment einem schwieriger werdenden Mietermarkt gegenüber.

Auch problematisch wird es, wenn ein Haus von mehreren Personen geerbt wird. Meistens haben die Einzelpersonen nicht die Mittel, die anderen auszuzahlen, ausserdem hängen gewisse Leute an Gebäuden. Bei Wertschriften ist die Aufteilung hingegen überhaupt kein Problem.

Darum stelle ich heute den Aktienhandel als Möglichkeiten zur Kapitalvermehrung vor - für Anfängerinnen und Neugierige und solche, die nicht davon träumen, ein Eigenheim zu besitzen (= Klotz am Bein).

Depot & Kapitalsumme

Besser, als unter der Matratze, macht sich
Geld auf dem Swissquote Depot!
Kleinanleger in der Schweiz sollten sich ein Depot bei Swissquote einrichten. Die Faustregel lautet, pro Transaktion mindestens 10'000.- in die Hand zu nehmen, da die Gebühren sonst verhältnismässig hoch sind. Beispiel: Ob man 2'500.- oder 10'000.- investiert, es kostet 35.- (einmal beim Kauf, einmal beim Verkauf plus Stempelabgabe und ggf. Courtage...).

Bei 2'500.- entspricht das 1.4% der Summe, bei 10'000.- nur 0.35%. Ich möchte das aber gleich relativieren: Nehmen wir mal an, ich hab "nur" 4'000.- zur Verfügung. Kauf und Verkauf sind je eine Transaktion, sprich 70.-was bei Anfangswert 1.75% entsprechen. Steigt die Aktie in der Folge um 3% (auf 4'120.-) habe ich trotzdem 50.- gewonnen. Es können sich also auch kleine, kurzfristige Investments lohnen.

Zu erwartende Rendite

Rendite stellt einerseits der Kursgewinn, andererseits Dividenden dar. Dividenden fallen sehr unterschiedlich aus und hängen mit dem Geschäftsgang zusammen. Aufschluss gibt hier der Dividendenkalender. Man kann sagen, je teurer die einzelne Aktie, desto höher die Dividende. Ich hab einmal gerechnet und kam im Schnitt auf ca. 3-4%, die die Dividende auf den Aktienpreis ausmacht (manche zahlen aber viel mehr, etwa Swisscom, andere sehr wenig, etwa Swatch Group). Mit Aktienhandel erreiche ich persönlich mehr.

Wichtig zu wissen, ist, dass attraktive Aktien kurz vor der Dividendenausschüttung im Wert steigen, weil viele extra wegen der Dividende noch kaufen. Denn wer die Aktie am Stichtag im Besitz hat, erhält auch die Dividende. Guter Artikel dazu im cash. Anders als Kursgewinne müssen Dividenden auch versteuert werden (Erläuterung), da sie als Einkommen gelten. Je höher das Jahreseinkommen, desto höher die Progression. Bei wem die Progression nicht so reinhaut, sollte für gute, verlässliche Dividenden auf Roche, Novartis, Swisscom, Swiss Re, Zurich Insurance oder Immobilienfirmen wie SPS und PSP setzen.

Inhaber- und Namenaktien

An der Börse handelt der Kleinanleger üblicherweise mit Aktien. Es gibt Inhaber- und Namenaktien. Während erstere unpersönlich sind, lauten letztere auf den Namen der Inhaberin. Wer sich nicht im Aktienregister (früher Aktienbuch) eintragen lässt, verzichtet aufs Stimmrecht, nicht aber aufs Vermögensrecht (sprich, Dividenden werden trotzdem ausbezahlt). Die Eintragung kostet etwas, weshalb ich persönlich darauf verzichten würde, es sei denn, man beabsichtigt, ein Wertpapier so lange zu halten, bis die nächste Generalversammlung ansteht, um dort seinen bescheidenen Einfluss geltend zu machen.

Aktien haben den Vorteil, dass sie schnell ge- und verkauft werden und einen relativ hohen Gewinn - natürlich auch Verlust! - abwerfen können. Dies im Gegensatz zu Anleihen.

Hintertürchen: Stop Loss und Trailing Stop Loss

Anders als bei einer Bank hat man bei Swissquote (unter vielem anderem) die Möglichkeit, so genannten "Trailing Stop Losses" zu definieren. Was ist das? Ein "Stop loss" ist der tiefste Kurs, zu dem eine Aktie automatisch abgestossen werden soll. Bei Erreichen wird die Aktie "bestens", also zum bestmöglichen Kurs, verkauft. Damit verhindert man Verluste. Den klassischen Stop Loss setzt man (oder der Broker) manuell. Hat den Nachteil, dass man immer wieder nachjustieren muss, wenn die Aktie über längere Zeit steigt. Trailing Stop loss Einträge ziehen sich hingegen automatisch nach.

Beispiel: Ich setze den Trailing Stop Loss (TSL) bei 5% unter dem aktuellen Börsenkurs. Steigt die Aktie von 1.- auf 2.-, setzt sich der TSL automatisch auf 1.90. Sinkt die Aktie nun von 2.- auf 1.80 werden die Aktien sofort bestens verkauft. Nachteil: Bei sehr volatilen Aktien verkauft man so eher zu schnell und das verursacht Gebühren beim Wiedereinstieg. Man kann den TSL auch 10 oder 20% unter dem aktuellen Kurs setzen. Damit erhöht man allerdings auch das Verlustrisiko. Anbieten tut sich das aber sicherlich, wenn die Aktie bereits so viel gewonnen hat, seit man sie gekauft hat.

Anlagestrategien

Die Frage ist nun, wie wählt frau die richtige Aktie, wann soll ge- und wann verkauft werden? 

Meine Strategie ist die eines so genannten "Contrarians" (antizyklisch Investieren) - ich spekuliere gegen die aktuelle Richtung des Marktes, um von der Gegenbewegung zu profitieren. Konkret: Halte ich eine Aktie / Firma für unterbewertet, kaufe ich. Sobald ich denke, der Kurs hat einen Peak erreicht, verkaufe ich. Dazu schaue ich mir die Entwicklung des Kurses über die letzten drei bis fünf Jahre an. Interessant sind Aktien, die eine Art Talsohle erreicht haben und früher einmal viel mehr Wert hatten (z.B. Von Roll). Die Firma an sich sollte aber solide sein und Dinge unternehmen, um sich zu verbessern (z.B. Restrukturierungen, Entlassungen, Konzentration auf Kernbereiche etc.).

Als Contrarian rechne ich darum auch weniger mit möglichen Dividenden: Diese Firmen gehen gerade durch eine schwierige Phase und schütten bestenfalls magere Dividenden aus. Oft habe ich die Aktie bis zum Dividendenstichtag bereits wieder abgestossen.

Ethan Hunt lässt sich von ein bisschen Sandsturm auch nicht verunsichern.

Ich persönlich kaufe am allerliebsten Aktien von Firmen, deren Kurs gerade gefallen ist, weil sie schlechte PR hatten. Wohl weil ich viel von Kommunikation verstehe (ist mein Job), betrachte ich PR Probleme etwas entspannter, als die Masse. Tiefe Aktienkurse aufgrund schlechter PR gründen meist auf Verfehlungen von Einzelpersonen oder schlechtem Krisenmanagement. Es bedeutet eher selten, dass die Firma nichts taugt. Die Abstrafung an den Märkten ist daher eigentlich immer übertrieben.

Paradebeispiel VW: Als am 20. September 2015 der Abgas-Skandal publik wurde, sank die VW Aktie innerhalb kürzester Zeit von ca. CHF 178.- auf 111.- (2. Oktober). Heute steht sie bei 155.- Meiner Meinung nach kann man bei solchen Ereignissen nur gewinnen, man muss schlimmstenfalls zwei drei Jahre Zeit haben, um auf die Erholung des Kurses zu warten. Was immer noch relativ kurz ist in Anbetracht der möglichen Gewinne und des eher kleinen Risikos. Viele PR "downs" korrigieren sich auch viel schneller:

Paradebeispiel: BP... am 20. April 2010 explodierte die Ölplattform Deepwater Horizon von Transocean / BP. Trotz eines Absackers auf 3.92 £ (Juli 2010) stand die Aktie bereits  im Januar 2011 wieder bei über 6 £ (siehe historische Daten). Innerhalb von sechs Monaten hätte sich also ein Gewinn von 2.08 £ oder 53% erzielen lassen.

Es gibt noch andere lustige Trader Typen, die hier in einem Artikel porträtiert sind (Englisch).

Aller Anfang ist schwer, drum sollst Du's einfach mal versuchen

Ich hab laaaaaaaaaaaaaaaange gewartet, bis ich das erste Mal mit Aktien gehandelt hab. Ein Depot besass ich zwar schon Jahre (leer kostet es auch nichts), aber Wertschriften nicht. Als Teenager schenkte mir mein Vater Aktien im Wert von 1000.-, deren Dividende immer gleich wieder in neue Aktien investiert wurde (dividend reinvestment plan). Ich verkaufte das viele Jahre später für 3000.- und fand die Rendite nicht eben berauschend. Leider hatte sich der USD aber auch extrem abgewertet. Wer das vermeiden will, investiert nur in CHF Papiere.


Seit ich mit Aktienhandel angefangen hab, finde ich es eigentlich noch ganz lustig. Der grösste Teil meines Kapitals liegt in sehr sicheren Aktien und das über lange Zeit, einen kleineren investiere ich immer wieder antizyklisch (siehe oben) und ein Teil liegt "bereit" für die nächste Idee bar auf dem Depot.

Bis jetzt habe ich mehr oder weniger intuitiv und uninformiert entschieden, immer relativ kleine Beträge investiert (plus minus 10K) und relativ früh wieder verkauft. Nach der Devise: Eine kleine Rendite ist besser als ein Verlust (Gebühren eingerechnet).

Mein Vater sagte immer, man solle an der Börse nur mit dem Geld spekulieren, ohne das man auch leben könnte. Ein guter Rat! Es gibt auch Leute, die raten einem, erst einmal "virtuell" zu handeln. Man schreibt Summe und Kurs an einem virtuellen Stichtag auf und analysiert den Erfolg zum virtuellen Verkaufszeitpunkt. Ich rate davon ab. Ich habs getan und mich extrem geärgert, hab ich kein echtes Geld investiert, denn ich hätte beide Male über 100% Gewinn erwirtschaftet.

Wieso also nicht einmal mit 5K einsteigen? Übrigens sagt man, Frauen erzielten an der Börse höhere Gewinne, als Männer, weil sie ein weniger impulsives Temperament hätten und bedachter vorgingen. Meiner Meinung nach sollte man auf sein Bauchgefühl hören, aber die Zahlen nicht ignorieren. :)

Viel Erfolg!