Sonntag, 23. Oktober 2016

Wenn LGBTI anderen Menschen schaden

Kurz-Post aus Verwirrung: Die SBB hat Anfang Oktober verlauten lassen, dass sie ein internes "LGBTI-Netzwerk" lanciert hätten. Grund: Schwule, Bisexuelle, Transmenschen und Intersexuelle (LGBTI) könnten auch in der heutigen Zeit noch nicht offen und selbstbewusst mit ihrer sexuellen Orientierung bzw. Geschlechtsidentität umgehen - am Arbeitsplatz.

Was ist das Problem? Ich verstehe es nicht. Kann mir jemand weiterhelfen? Was interessiert denn Deine Arbeitskollegen und -Kolleginnen Deine sexuelle Orientierung? Oder Deine Geschlechtsidentität? Muss es sie denn interessieren? Geht denn heute jede/r einfach mal so davon aus, dass es andere wirklich kratzt, worauf man steht oder als was man sich fühlt? Gehört das nicht möglicherweise ins Privatleben? Nicht ins Büro? Wo ziehen wir denn da heute die Grenze?

Ich bin hetero und ich wünsche mir seit Beginn meiner Karriere, man würde im Büro meiner Geschlechtsidentität weniger Beachtung schenken, als beispielsweise meiner Fachkompetenz. Dass man mich - vor allem am Arbeitsplatz - primär als Mensch behandeln und respektieren würde, anstatt als Frau. Ich gebe mir - mittlerweile automatisch - viel Mühe, im Büro meine weiblichen Reize nicht zu betonen, um möglichst wenig Anlass zu Oberflächlichkeit und Sexismus zu geben.

Ich wünsche mir ausserdem sehr, dass man sich an meiner Arbeitsstelle um Gottes Willen BITTE absolut gar nie Gedanken über mein Sexualleben macht. Noch weniger will ich mit irgendeinem Arbeitskollegen darüber sprechen. Dankeschön.

Ein Hetero-Intranet im Büro - betrieben von meinem Arbeitgeber - in dem sich Heteros über ihre sexuelle Identität austauschen könnten, empfände ich als krassen Rückschritt. Für uns alle, nicht nur die Frauen.

Also manchmal hab ich einfach schon den Eindruck, LGBTIs brauchen verdammt viel Aufmerksamkeit... und ihr Kampf darum, wahrgenommen zu werden, schade hin und wieder anderen (hart erkämpften) Entwicklungen.