Mittwoch, 2. August 2017

Was tun mit einem Micromanager-Chef und seinem Aktivismus?

Es gibt den Typ Chef, der ist Micromanager. Meistens sind Micromanager Perfektionisten und tendieren zum Aktivismus. Immer aber sind sie unsichere Persönlichkeiten, die Angst vor dem Unkontrollierbaren haben. Wie man mit Micromanagern am besten umgeht, beschreibe ich im heutigen Post. Eine Tasse Tee passt übrigens gut jetzt. ;-)



Definition Micromanager

Ein Mikromanager ist eine Führungskraft, die sich sehr viel mit Einzelheiten eines von seinen Mitarbeitern oder Kollegen zu lösenden Problems beschäftigt. (Wikipedia)

Besonders stark betroffen vom Micromanager sind natürlich seine Direktunterstellten. Die können sich schlechter abgrenzen, als etwa ein gleichrangiger Kollege. Trotzdem sind Micromanager in alle Richtungen schwierig: Der Chef des Micromanagers schlägt sich mit übermässig vielen Rückfragen und "Save-my-Ass" E-Mails herum. Die gleichrangigen Kollegen ecken beim andersartigen Arbeitsrhythmus und Kommunikationsstil an. Die Stabsfunktionen schliesslich, wie z.B. Human Resources, leiden mit dem Micromanager unter komplizierteren Abläufen und oft markant höherer Fluktuation. Denn auf Dauer halten es nicht viele mit Micromanagern aus, vor allem nicht als Chef. Micromanager verursachen Mehrarbeit, Zeitverlust, "Ehrenrunden" und Frustration. Und dies, obwohl sie es in aller Regel einfach nur "richtig" machen wollen.

Definition Aktivismus

 
Damit ist nicht politischer Aktivismus gemeint, sondern die Tendenz, sinnlose Tätigkeiten auszuführen oder von seinen Mitarbeitenden ausführen zu lassen. Häufig treiben Micromanager ihre Leute zu Aktivismus. Ein Klassiker: Sie erinnern dich vor Ablauf einer Frist daran, dass die Frist bald abläuft. Damit macht sich niemand beliebt, aber dem Micromanager ist das egal. Hauptsache, man eliminiert das Risiko, die heilige Deadline zu verpassen.

Fast jeder Micromanager betreibt Aktivismus.

Was hat der Micromanager eigentlich für ein Problem? 

Werden sich viele fragen, die mit der Spezies zum ersten Mal in Kontakt kommen. Leider hat er nicht nur eins, seine Probleme sind vielfältig:

  • Fehlendes Vertrauen in die Fähigkeit anderer Leute. So grundsätzlich.
  • Kontrollsucht / Machthunger: Micromanager fühlen sich gerne unentbehrlich und wichtig. Wenn sie andere befähigen würden, könnten sie selbst überflüssig werden. So ihre Angst.
  • Narzissmus / Fehlerlosigkeit: Sie denken, sie können es besser. Sie denken, sie seien grundsätzlich überlegen und wollen am liebsten alles selbst erledigen.


Recherchiert man so im Netz, was man gegen Micromanager unternehmen kann, wird einem geraten, man soll behutsam auf sie eingehen. Zum Beispiel "overachieven". Heisst, ihnen keinen Grund geben, an einem zu zweifeln oder einen übermässig zu kontrollieren. Man soll dem Micromanager proaktiv alle Infos zuspielen, die er braucht, um sein Micromanagement-Bedürfnis zu befriedigen. Und man soll sich unbedingt penibel an die Regeln halten (auch wenn das NIEMAND anderes tut). Erst wenn es gaaaaaaaaaaaaaar nicht anders geht, soll man das Gespräch - oder vielleicht gleich einen neuen Job - suchen. Aauf gaaaar keinen Fall soll man den Micromanager Micromanager nennen. 

Ich denke, die meisten dieser Artikel wurden von einem Micromanagern verfasst. :-) Darum taucht auch häufig die Frage an den Leser auf: Kann es sein, dass du selber schuld bist, dass du gemicromanaged wirst? Machst du zu viele Fehler? Arbeitest du unselbständig?

Könnte natürlich sein. Meiner Erfahrung nach micromanagen Micromanager aber auch hoch performante, erfahrene, selbständige Leute, rauben ihnen dadurch den letzten Nerv und mobben sie schlimmstenfalls aus der Firma.

Was kann man also tun?

 

Die erwähnten Artikel zielen alle auf eine Verhaltensänderung der Betroffenen, nicht des Micromanagers. Ich finde das falsch. Das ist, wie wenn alle mit schusssicheren Westen herumlaufen würden, weil einem erlaubt ist, wahllos in der Gegend herum zu ballern. Wenn man es nicht schafft, sich anderweitig vom Micromanager abzugrenzen - sich befördern lassen wäre eine Möglichkeit, das Team wechseln eine andere - dann hätte ich hier ein paar Tipps:

1. Habe ein ehrliches Gespräch mit dem Micromanager


In einem ehrlichen Gespräch unter vier Augen musst du klar festhalten, dass du erkannt hast, dass dein Chef / deine Chefin ein Micromanager ist. Bringe drei Beispiele und halte weitere zehn bereit, falls er / sie die nicht gelten lässt. (Ja, zehn, drei wird er auf die leichte Schulter nehmen, zehn nicht.) Hoffe, dass er nicht alle hören will. Falls doch, erzähle sie ruhig und sachlich. Reg dich nicht auf.

Diese Aufzählung soll dazu führen, dass der Micromanager zugibt, dass er micromanaged. Mach ihm klar, dass du so nicht dein volles Potenzial ausschöpfen kannst und unter fortschreitender Demotivation leidest.


Versichere ihm aber, dass du hinter den Zielen der Abteilung und vor allem der Firma stehst. Betone wann immer es geht die Unternehmensziele, nicht die seiner Abteilung, denn ihm soll klar werden, dass du für die Firma arbeitest, nicht für seine Person. Betone, dass du dein Bestes gibst, die Ziele der Firma zu erreichen, er es dir aber mit seinem Micromanagement schwer macht.

Falls du bereits Jahresziele hast und einige Meilensteine erreicht hast, lege dies jetzt dar und frage konkret, ob dein Chef / deine Chefin in deiner bisherigen Leistungen irgendeinen Grund sieht, dich zu micromanagen.

Falls ja, behandle den Einwand. Halte dich dabei unbedingt an die Fakten! Jeder macht Fehler, steh z deinen. Zeige aber die Verhältnismässigkeit - respektive den Mangel daran - zu den positiven Ergebnissen auf.

Es kann sein, dass der Micromanager einsieht, dass er (tendenziell) falsch gehandelt hat, jeodoch jetzt behauptet, er könne gar nicht anders. In dem Falle sag ihm, dass ihr das gemeinsam versuchen werdet. Und bleib hart. Es zu versuchen oder nicht, ist jetzt nicht mehr allein seine Entscheidung. Dass er es bisher nicht versucht hat, ist Tatsache. Jetzt muss sich etwas ändern.

Fordere den Micromanager auf, dich in Zukunft nicht mehr zu micromanagen und operationalisiere diese Forderung. Etwa so: Ihr hattet bis jetzt jeden Montag ein einstündiges bilaterales Meeting und jeden Freitag musstest du eine halbe Seite Statusreport zu allen Tasks schicken. Neu wird es nur noch alle zwei Wochen eine halbe Stunde bilaterales Meeting geben, welches den Statusreport ersetzt. WENN NÖTIG. Sonst nicht. Und nötig heisst, es gibt etwas zu besprechen / entscheiden.

Wenn der Micromanager den Status eines bestimmten Tasks zwischenzeitlich dringend wissen muss, soll er / sie nachfragen. Es soll möglichst ein Holen seinerseits statt ein institutionalisiertes Bringen deinerseits werden. Denn so ist er immer in der Erklärungsnot, wenn er ab jetzt micromanaged / alles nachkontrolliert.

Behalte dir ausdrücklich das Recht vor, ihn in Zukunft sofort darauf hin zu weisen, wenn er wieder micromanaged. Ihr könnt dafür auch ein Handzeichen vereinbaren, falls ihm das lieber ist. Ziel bei all dem ist, dass bei ihm ein Bewusstsein für sein Fehlverhalten entsteht. Bislang war sein Verhalten für ihn der Goldstandard.

2. Setze deine Forderungen konsequent durch, hake notfalls beim HR nach

Weil, es ist so - langfristig willst du nicht für einen Micromanager arbeiten. Also entweder, er / sie ändert sich, oder du wechselst. Bevor du aber das Handtuch wirfst, gib der Person Zeit, sich zu ändern. Es kommt tatsächlich vor, dass Micromanager nicht merken, dass sie Micromanagen (hier im Artikel zu unterst ein Beispiel). Oft kriegen sie bei Mitarbeiterumfragen brutal schlechte Bewertungen und sind dann total überrascht.


Wenn sich drei, vier Monaten nach eurem Gespräch keine signifikante Besserung eingestellt hat, solltest du dich vertrauensvoll ans HR wenden. HR Abteilungen sind in aller Regel nutzlos, wenn es um persönliche Konflikte wie diesen geht. Sie hassen es, zu schlichten oder Lösungen zu finden. Deshalb erwarte keine Unterstützung von HR, sondern fahre die "Save my Ass" Taktik deinerseits. Beschränke dich darauf, HR korrekt über das Problem zu informieren. Auch darüber, was du bereits unternommen hast und was du und dein Chef eigentlich vereinbart habt. Sag ihnen dann freundlich aber klar, dass sich leider nichts verändert hat in den drei Monaten und dass du der Sache noch zwei weitere Monate gibst, bevor du deinerseits "weitere Optionen" prüfen musst. Die Rede ist von einem Wechsel deinerseits.

HR mag keine Wechsel, denn sie bedeuten Arbeit. HR muss wieder rekrutieren. Wenn es beim Micromanager schon viele Wechsel (aus bekanntem Grund) gegeben hat, schickt HR ihn eventuell in ein Management-Training.

Oft bringen solche Kurse übrigens tatsächlich was, denn dem Micromanager wird dort endlich klar, dass sein Fehlverhalten kein Kavaliersdelikt ist. Er trifft auch auf andere, die aufgrund dieser Probleme in die "Besserungsanstalt" geschickt wurden. 


3. Letzte Möglichkeit: Gehe zum Chef des Micromanagers

Auch möglich ist es, theoretisch, den Chef des Micromanagers in die Pflicht zu nehmen. Er hat diese Person schliesslich in eine Führungsrolle befördert und ist mit schuld daran, dass es jetzt nicht funktioniert. Diese Taktik ist allerdings heikel: Wenn der Chef des Micromanager Bosses dich weniger schätzt oder braucht, als den Micromanager, bist du deinen Job bald los. 

Es kann auch sein, dass der Boss deines Bosses gar nicht weiss, was du alles leistest, weil der Micromanager deine Erfolge als seine eigenen verkauft hat. Das tun sie oft, denn aufgrund ihrer Kontrollsucht schaffen sie es nicht, eigene Leistungen zu generieren, und müssen sich mit anderer Leute Federn schmücken. Sprich die ihres Teams.

Wichtig ist daher, dass du dafür sorgst, dass deine Leistung sichtbar ist, lange bevor du dich beschwerst. Wie man seine Leistung sichtbar macht, beschreibe ich in einem anderen Post. Das ist eine Wissenschaft für sich, und gerade für Frauen elementar, um im Beruf forwärts zu kommen.

Wenn du Konfronation grundsätzlich nicht magst, dann würde ich dir empfehlen, intern oder extern zu wechseln. Es ist nicht deine Pflicht, andere Menschen zu ändern und ich persönlich verstehe jeden sehr gut, der sich den Stress nicht antun will.

Keep calm and move on. Viel Glück!

Sonntag, 30. Juli 2017

Wie du dich am schnellsten unbeliebt machst

Doctor House hat sehr viele Vorlagen geliefert. Ebenso der Film "How to lose a guy in 10 days". Für Leute, die sich aus irgendwelchen Gründen schnell unbeliebt machen wollen, etwa, weil sie zuviele Freunde haben, hier ein paar Ideen.

Nimm Einladungen zu andern nachhause immer an, verzichte aber sowohl darauf, ein Geschenk mit zu bringen, als auch auf eine Gegeneinladung. Je öfter du das machst, desto unbeliebter wirst du.

Sprich als Erwachsener noch von deiner besten Freundin / deinem besten Freund. Damit implizierst du allen andern Freunden, dass sie höchstens zweitrangig sind.

Bau in deine Sätze möglichst oft "wie gesagt", "eben" oder "offensichtlich" ein. Damit unterstellst du deinem Gesprächspartner permanent, dass er entweder nicht zuhört oder schwer von Begriff ist.

Gratuliere keinem zum Geburtstag, achte aber darauf, deinen frühzeitig und oft zu erwähnen, damit ihn ja niemand vergessen kann.

Wenn du mit einem Freund auswärts essen gehst, und er anbietet, die Rechnung zu übernehmen, widersprich nie. Lade ihn aber auch nie selbst ein. Wenn er einmal nicht zahlt, bestehe auf getrennte Rechnung.

Sage es dem Gegenüber immer, wenn dir etwas an seiner / ihrer Erscheinung nicht gefällt (z.B. "Mit der Brille siehst du aus wie ein Lehrer." "Hast du in den Ferien zugenommen?" "Wann warst du zum letzten mal im Sport?" "Gab es das Hemd auch in deiner Grösse?" "Die Farbe steht dir nicht.")

Ganz effizient: Mach niiiiiemals Komplimente.

Kritisiere die Leute indirekt: "Früher hab ich auch noch Milch in den Kaffee getan, bevor ich es besser wusste" oder "Meine Nichte hält auch keine Diät durch" oder "Bei Michael Jackson wusste man auch nie sicher, ob er pädophil ist, zum Glück hatte er aber Geld".

Mach den Leuten ein schlechtes Gewissen. Das geht ganz subtil, etwa: "Bist du sicher, dass du eine normale Cola bestellen willst? Wäre Coke zero nicht besser für dich?" oder "Wow, ich könnte mir das diesen Monat nicht mehr leisten" oder "Ich lade mir nie kostenpflichtige Apps herunter, ich spare lieber auf ein Eigenheim."

Weise die Leute auf Fehler hin, die sie nicht mehr korrigieren können: "Das gab es zum halben Preis bei Ottos" oder "Ahja, wollte ich dir noch sagen, da ist Parkverbot" nachdem er eine Busse erhalten hat. Oder "Zum Glück hab ich die Aktie bei XY noch verkauft!"

Gib falsche Ratschläge: "Rotweinflecken bekommt man am besten mit Salzsäure raus" oder "Ein SBB Tageskarte von der Gemeinde kriegt man auch noch problemlos am Tag vor der Reise" oder "Wenn das Licht für die Entkalkung leuchtet, kannst du noch locker 300 Kaffees rauslassen."

Flirte mit ihrem Lebenspartner / seiner Lebenspartnerin.

Telefoniere regelmässig mit deinen Ex-Freunden, um ihre neuen Partnerinnen zu ärgern. Oder like alle ihre Facebook Posts oder poste alte Fotos von euch zwei auf seiner Timeline mit den Worten: "Weisst du noch? Was für ein geiler Tag!"

Wenn du zu Gast bist, füttere das Haustier vom Tisch.

Leihe dir immer wieder Geld aus. Zahle es erst zurück, wenn man dich daran erinnert. Wenn überhaupt.

Wenn du und dein Partner/ deine Partnerin ein gemeinsames Konto für gemeinsame Auslagen habt, begleiche ab und zu eine deiner persönlichen Rechnungen darüber. Etwa eine teure Arztrechnung. Darauf angesprochen, fragst du entrüstet, ob deine Gesundheit etwa nicht für beide wichtig sei.

Sag, dass du dich um etwas kümmerst (den Abwasch, die Schmutzwäsche, das Auto staubsaugen), tue es dann aber nicht. Wenn man dich daran erinnert, sag, dass du es gleich tust, vergiss es aber wieder.

Wenn deine Freundin / dein Freund einmal etwas neues ausprobieren will, und die Möbel umstellt, stelle sie sofort wieder so hin, wie sie vorher waren. Ohne Gerede.

Im Büro...

Wenn der Kollege nicht da ist, hänge sein Bild von der Wand und ersetze es durch eines, das dir gefällt.

Wenn der Kollege in den Ferien ist, beschwere dich beim Chef über etwas, das er versäumt hat / falsches gesagt hat / nicht informiert hat. Er kann sich nicht wehren und wenn er wieder da ist, ist die Meinung über ihn längst gemacht.

Unterstelle jemandem Mobbing oder sexuelle Belästigung. (Das macht einen extrem schnell unbeliebt, auch wenn es stimmt.)

Wenn jemand einen offensichtlichen Fehler gemacht hat, kritisiere ihn / sie hart und wiederkehrend und öffentlich dafür. Warne in Zukunft alle, ihm / ihr je wieder eine verantwortungsvolle Aufgabe an zu vertrauen.

Flirte mit der Praktikantin / dem Lehrling.

Flirte mit dem Chef des Chefs. Oder dem CEO. Sei hartnäckig.

Nimm dir regelmässig die Stifte des Kollegen und kaue darauf herum.

Lass die Post-It Blöcke der Kollegen verschwinden, damit sie im nötigen Moment sicher nie was zum notieren haben.

Stelle eine Schüssel voller Süssigkeiten an Orte, wo jede/r daran vorbeiläuft. Damit ruinierst du ihre schlanke Linie. Sehr beliebt bei Kollegen / Kolleginnen auf Diät.

Plane deine Ferientage frühzeitig so, dass sie möglichst vielen Kolleginnen / Kollegen mit Familie in die Quere kommen. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Klaue Toilettenpapier, Druckerpapier, allgemeines Büromaterial und Haushaltsartikel. Erwähne, wie viel Geld "man" damit für die Altersvorsorge sparen könnte. Darauf angesprochen, beschuldige eine Kollegin / einen Kollegen.

Downloade Filme übers Firmennetzwerk auf deinen privaten Laptop.

Höre während der Arbeit Musik. Auch wenn kaum einer reklamiert, die meisten kotzt es an.

Gestalte dir auf MOO.com gepimpte Visitenkarten und verteile stolz die statt die öden, die du bei Stellenantritt erhalten hast. Am besten so, dass es dein Chef / deine Chefin sieht. Schreibe ggf. eine bessere Funktion hin, als die, die du wirklich bekleidest.



Viel Spaaahaass! ;-)

Montag, 26. Juni 2017

Woran man eine gute Frau erkennt

Mein erfolgreichster Blogpost war der, wie man einen guten Mann erkennt. Fairerweise sollte ich wohl auch einmal beschreiben, woran man eine gute Frau erkennt.


Da ich eine Frau bin, erkenne ich eine "gute" Frau wahrscheinlich an anderen Qualitäten, als ein Mann. Darum werde ich mich auch hier, wie auch im andern Artikel über gute Männer, nicht mit Äusserlichkeiten aufhalten. Innere Werte sind langfristig mehr wert. Finde ich jedenfalls.



Eine gute Frau erkennt man heutzutage an folgenden Kriterien:

  1. Sie ist alleinstehend.
     
  2. Sie steht auf eigenen Beinen (= sie hat ihre Finanzen im Griff).
     
  3. Sie ist emotional stabil. Der Punkt ist bei einer Frau eigentlich der wichtigste, darum komme ich später im "Psycho-Test" nochmals darauf zurück.
     
  4. Sie ist ungefähr in deinem Alter, plusminus 3-5 Jahre. Wenn du Kinder möchtest, und älter als 45 bist, dann hast du dir meiner Meinung nach einfach etwas zu viel Zeit gelassen. Sorry.
     
  5. Sie könnte und würde mit dir jetzt sofort Volleyball spielen gehen. Was ist das für ein Kriterium, wirst du fragen, aber auch auf das gehe ich weiter unten im "Tussi-Test" noch genauer ein.
     
  6. Sie schafft es, ein Abendessen lang ihr Smartphone in der Handtasche zu lassen. Je länger sie ohne durchhält, desto besser. Handysüchtige Frauen sind etwa so sexy wie Raucherinnen.

  7. Sie ist viel zu selbstbewusst, um vorzugeben, anders zu sein, als sie ist. Heisst insbesondere: Sie lügt nie.

  8. Sie hat Kinderstube. Das äussert sich (wie bei Männern) nicht nur in den Tischmanieren, sondern auch in der Art, wie sie zuhört, wie sie ihre Antworten formuliert (nicht verletzend) und wie sie über andere spricht (sachlich).

  9. Sie mag Kinder. Kann man jetzt sagen, sei unwichtig, wenn man keine Kinder (zusammen) möchte, andererseits könnte Kinderliebe als grundsätzliche Qualität gewertet werden. Kinderhassende Frauen sind oft verbitterte, egoistische, wertende Wesen. Manche Frauen tun so, als wollten sie Kinder, meinen es aber nicht so. Dafür gibt es den "Mutti-Test" (siehe unten).

  10. Sie ist nicht untergewichtig. Und Untergewicht beginnt ab dem 30. Altersjahr bei Kleidergrösse 36. Untergewicht ist immer ein Zeichen eines "troubled minds". Vor allem, wenn die Dame sich ganz offensichtlich bei jeder Speise, jedem Getränk überlegt, ob sie es sich kalorientechnisch leisten kann. Oder exzessiv Sport treibt, um schlank zu bleiben. Auch hier hilft der "Psycho-Test".

Tussi-Test

Den Tussi-Test empfehle ich jedem Mann, denn mit ihr lässt es sich auf Dauer schwer aushalten. Tussis sind meistens auch "anal fixiert", muss aber nicht immer so sein. Tussis sind im echten Leben, wenn es hart auf hart kommt (und das tut es immer irgendwann), unbrauchbar. Nicht nur, weil ihre Kunstnägel zu schnell abbrechen, sondern vor allem, weil sie sich selber viel zu wichtig nehmen und Wesentliches nicht von Unwesentlichem unterscheiden können.


Wie erkennt man eine Tussi schnell und zuverlässig?

Stufe 1 - Verbring eine Nacht mit ihr
(ich muss lachen, aber so merkst du es wirklich am schnellsten... )

Tussis sind komplett rasiert. Häufig sogar komplett gewaxt. Sie haben dermassen Gräuel vor ihrer Körperbehaarung (und -funktionen), dass sie nichts dem Zufall überlassen. Beim Sex liegen sie am liebsten unten, weil sie dann einen schön flachen Bauch und ein faltenfreies Gesicht haben. Gut, es gibt auch normale Frauen, die sich (ausnahmsweise) mal komplett rasieren, wenn sie einen neuen Mann treffen, aber die machen folgendes eher nicht: Eine Tussi schminkt sich vor dem Zubettgehen ab, auch wenn es halb drei Uhr morgens ist. Sie hat IMMER ihr Necessaire mit dabei mit der high-end Feuchtigkeits- und Anti-Ageing-Pflege sowie dem kompletten Schminkset für den nächsten Morgen. 

Eine normale Frau benutzt wahrscheinlich die Zahnbürste des Mannes (hey, die Flüssigkeiten wurden ja schon ausgetauscht, who cares?) und "leiht" sich eine Boxershort aus. Sie schminkt sich nicht ab und es ist ihr egal, dass sie am nächsten Morgen suboptimal aussehen wird. Das ist eine QUALITÄT!


Stufe 2 - Frühstücke mit ihr (nachdem ihr die Nacht zusammen verbracht habt)



Ein Tussi wird höchstwahrscheinlich schon einmal aufgestanden sein, bevor du erwachst. Sie hat im Bad das "Gröbste" gerichtet. Heisst: Zähne geputzt, Gesicht gewaschen, ggf. geduscht, sich eingecremet und ein "Mini-Makeup" aufgelegt (Augenring-Concealer, Kajal, Brauen, Wimperntusche). Wahrscheinlich trägt sie auch irgendeinen betörenden Duft.

Eine normale Frau hätte sich höchstens die Zähne geputzt und freut sich jetzt auf einen Kaffee von dir ans Bett. Du denkst vielleicht, Version Tussi wäre dir lieber, aber mit ihr wird später auch wirklich alles "High Maintenance".

Mutti-Test



Du möchtest wissen, ob du mit der Angebeteten eine Familie gründen kannst? Sehr gute Frage. An diesen Indizien erkennst du Frauen mit Mutterqualitäten:

  1. Sie hat bereits ein Kind oder mehrere. Ja, das ist das sicherste Zeichen, dass sie eine potenzielle Mutti sein könnte. ;-) Die Frage ist jetzt nur noch, ob sie noch weitere Kinder (mit dir) möchte. Ich verstehe nicht, wie viele Männer Mütter gar nicht auf dem Radar haben, sogar eher als B-Ware betrachten. Dabei wissen Mütter nicht nur, wie man Kinder kriegt, sondern auch, wie man sie am Leben hält. (Beides nicht so einfach, wie ein Kind zu machen, bye the way.)
     
  2. Sie investiert mehr Geld und Mühe in ihre Wohnung(-seinrichtung) als in ihre Erscheinung. Heisst, sie ist häuslich, und das ist eine Grundvoraussetzung für eine gute Mutter.
     
  3. Sie ist jünger als 40. Klingt jetzt fies, aber wenn eine mit 40 noch kein Kind hat, dann stellt sie irgendetwas anderes definitiv über den Kinderwunsch. (Gilt auch für Männer über 40!)
     
  4. Sie hat einen Hund (oder eine Katze). Viele jüngere Frauen ohne Kind und Partner tun sich ein Haustier als Ersatzkind zu. Manchmal ist ihnen das bewusst, oft auch nicht. Darum sei es gesagt: Solche Frauen kümmern sich gern um andere.
     
  5. Sie hütet das Kind ihrer Schwester. Gewiss, dazu muss frau erst eine Schwester haben. Ich beobachte dieses Szenario einfach sehr oft und halte das für ein untrügliches Zeichen von Mutterqualität. Leider kommt es selten vor, dass ledige, kinderlose Frauen die Kinder ihrer Schwägerinnen hüten. Liegt manchmal vermutlich auch an überbehütenden Müttern, die ihr Baby nicht abgeben wollen. :)

Psycho-Test

 

Soooo oft hab ich von Männern gehört, ihre Ex sei nicht ganz dicht. Manche sagten das, um die Enttäuschung oder einen Korb zu verarbeiten. Andere führten handfeste Argumente an: Die Frau nimmt Medikamente (und gemeint sind Psychopharmaka), die Frau ist in psychologischer Behandlung, die Frau ist Missbrauchsopfer oder sonstwie traumatisiert, die Frau ist magersüchtig, eifersüchtig, kontrollsüchtig oder schlägt zu, wenn ihr etwas nicht passt. 

Der gemeinsame Nenner? Diese Frauen ruhen nicht in sich selbst.

Ich hab keine Ahnung, wie es ist, traumatisiert zu sein, in der Vergangenheit fest zu stecken und alle gegenwärtigen und zukünftigen Erfahrungen an einem Masstab zu messen, der unheilvoll verschoben und verbogen ist. Ich habe immer das Gefühl, die Wahl zu haben, ob ich einer Situation oder Person eine Chance gebe, oder nicht. Aber wenn man ein psychisches Problem hat, dann scheint vieles einfach plötzlich sehr schwer zu werden, was andern leicht fällt.



In diesem Artikel geht es aber nicht um die armen Frauen, die psychische Probleme haben, sondern, wie man eine normale, gesunde Frau und potenzielle Mutter seiner Kinder identifiziert. 

Achte auf folgende Zeichen und sortiere gestörte Frauen aus:
 

  1. Auch hier ein untrügliches Zeichen: Magersucht. Oder ebenso schlimm: Krasses Übergewicht. Beides zeugt von psychischen Defiziten und mangelnder Selbstliebe. Wie soll sie da ein Kind lieben können?
     
  2. Unehrlichkeit. Lügen ist immer ein klares Indiz für eine unsichere Person. Wer zu sich steht, zu dem, was er / sie tut, hat niemals einen Grund, zu lügen. Die Wahrheit sagen können bedeutet, mit Konflikten und anderen Meinungen umgehen können. Standhaft bleiben können. Die eigene Identität pflegen. Im Optimalfall: Sich und andere wertschätzen.
     
  3. Eifersucht. Sie zeugt auch von Unsicherheit. Die Frau hat Angst, dich zu verlieren. Manchmal schliesst sie von vergangenen Erfahrungen auf dich, manchmal sogar von sich selbst. Oft ist es auch nur Kontrollwahn. So oder so: Eifersucht ist ein no-go und führt früher oder später zu argen Beziehungsproblemen. Immer. Übrigens, Männer, die eifersüchtige Freundinnen bevorzugen, haben auch Defizite. Sie möchten die Frau kontrollieren. Sehr manipulativ und schädlich.
     
  4. Klammern. Glaub mir, lieber ärgerst du dich über eine Freundin, die oft mit Kollegen aus ist, als dass du eine hast, die alles mit dir zusammen erleben will. Menschen müssen eigenständig funktionieren können. Du kannst ihr auch nicht garantieren, bis zu ihrem Tod für sie da zu sein, oder?
     
  5. Selbsthass. Manche Frauen lehnen sich selbst aus irgendeinem Grund ab. Das merkt man an Subtilem, z.B. unvorteilhafter Kleidung, langweiliger Frisur, immer dieselben Klamotten (v.a. privat) oder wie sie über sich selbst sprechen. Diese Frauen ertragen Aufmerksamkeit schlecht, vor allem in Gruppen. Unsichere Frauen wie diese können sich zwar noch entwickeln, aber das dauert unter Umständen lange. Sie sind oft launisch und unberechenbar. Besser suchst du dir jemanden, der mit sich selbst bereits im Reinen, etwas reifer ist und sich nicht bewusst oder unbewusst für irgendwas bestraft.
     
  6. Sie hat Humor. Das beste Zeichen für einen gesunden Geist.
Viel Glück!


Mittwoch, 21. Juni 2017

Teilzeitstrategien - für berufstätige, angestellte Mütter

Vor einer Weile habe ich einen Post zum Thema Teilzeitarbeit finden veröffentlicht. Heute geht es darum, wie man die ganz spezifischen Herausforderungen von Teilzeit-Jobs (als Angestellte) am besten angeht. Ich spreche aus Erfahrung.

Seit einigen Jahren arbeite ich 60-70% Teilzeit und ziehe daneben ein Kind (Jahrgang 2014) gross. Ich begegnete in dieser Zeit Müttern, die seit dem ersten Kind nicht mehr berufstätig waren, Müttern, die Teilzeit arbeiteten (und zwar in Varianten von 20 bis 80%) und ich lernte sogar eine Mutter kennen, die trotz zwei Kindern immer Vollzeit gearbeitet hat. Letztere blieb aber ein Einzelfall und war von allen die beruflich erfolgreichste. Eigentlich logisch.



Nun unter den Müttern, die trotz (Klein-)Kind noch berufstätig sind, habe ich bald deutliche Unterschiede erkannt, aber eins hatten alle gemein: Sie wirkten oft ausgelaugt, gestresst und unzufrieden. Die einzigen entspannten Mütter, die ich kenne, sind die Hausfrauen. (Und eine, die 80% als Lehrerin arbeitet und ihr Kind jede Woche von Sonntag bis Montag ihrer Mutter abgibt).

Es gibt Mütter, die arbeiten müssen, weil sie sonst nicht über die Runden kämen (allen voran die Unverheirateten, die erst ab 2017 Unterhaltszahlungen gelten machen können) oder diejenigen, die arbeiten wollten oder diejenigen, die müssen und wollen. :) Die Höhe des Pensums hat einen riesengrossen Einfluss auf die Belastung der Mutter. Auch, ob sie eins oder mehrere Kinder hat, ob sie alleinerziehend ist oder der (Ex-)Partner mithilft, ob genug Geld da ist, etwa für Babysitter, Putzfrau, Spielgruppe oder andere externe Betreuungsmöglichkeiten.

Aber egal, wie die private Situation einer Arbeitnehmerin aussieht, folgende Gleichung spielt immer im Berufsleben:

Je tiefer das Pensum, desto kleiner die übertragene Verantwortung, desto kleiner die Erwartungen an die Arbeitnehmerin, desto tiefer das Gehalt. Je höher das Pensum, desto verantwortungsvoller der Posten, desto grösser die Erwartungen, desto höher das Gehalt.


Mütter im 20-40% Pensum

Ich habe festgetellt, dass Mütter im 20-40% Pensum in operativer Arbeit, für die sie praktisch immer überqualifiziert sind, versaufen. Man lädt sie grundsätzlich selten zu Meetings ein, weil man sie nicht vom "arbeiten" abhalten will. Weiterbildungen bezahlt man ihnen schon gar nicht und an Teamevents tauchen sie in der Regel auch nicht auf. Sie sind zu bedauern, wie ich finde. Sehr sogar. Die Arbeit bleibt während der Tage, die sie nicht arbeiten, für sie liegen. Meistens haben sie keine Stellvertretung, weil ihre Tasks a) niemand will und b) ja warten können. Typischerweise kümmern sie sich z.B. um die Werbeartikel (in der Marketingabteilung) oder das verbuchen von Kreditorenrechnungen (in der Buchhaltung).

Strategie:  Die gute Nachricht: Es werden keine Glanzleistungen erwartet. Man ist die Bürokraft, die den Scheiss erledigt. Für diese Mutter sind viele dankbar, denn sonst kümmert sich niemand (so zuverlässig und gut) um den Scheiss. Höchstes Gebot: Nicht hetzen! Nicht hetzen! Nicht hetzen!
Wenn Du mehr leistest, als normal oder üblich wäre - nimm als Massstab die Kollegen, die Vollzeit arbeiten - löst Du einen Teufelskreis aus. Man wird immer mehr auf Deinen Tisch knallen. Mach Pausen, wie die Kollegen, ja keine Überstunden und for f§¬°s sake nimm Dich nicht ernster als die andern es tun. Noch ein Tipp: Überleg dir, was Du Dir von diesem Job genau versprichst und wie lange Du ihn noch machen möchtest. Prüfe auch, ob Du als Freelancer nicht mehr Geld mit weniger Mühe und mehr Flexibilität verdienen könntest.

Mütter im 60-70% Pensum

Diese Arbeitnehmerinnen haben es auch nicht leicht. Sie haben mit Glück einen Job ergattert, der ihrer Qualifikation von vor fünf oder acht Jahren entspricht und vielleicht, vielleicht, noch anständig bezahlt wird. Der Arbeitgeber profitiert noch so gern von ihrem überdurchschnittlichen Erfahrungsschatz, zahlt ihr dafür aber verhältnismässig wenig, fördert sie in der Regel aber (aus Prinzip) nicht, da Teilzeitkraft. Sie könnte ja wieder schwanger werden und aufhören - die Investition wäre für die Katz.

Von diesen Müttern wird erwartet, dass sie wichtige Meetings (oft wiederkehrende an einem bestimmten Tag des Monats / Quartals) auch ausserhalb ihrer üblichen Arbeitszeit wahrnehmen. Theoretisch könnten sie die Zeit dann kompensieren, tun es aber faktisch nicht, weil sie a) ebenfalls in Arbeit versaufen und b) ein schlechtes Gewissen haben. Auch ihre Arbeit bleibt während der regelmässigen Abwesenheit liegen (als ob das ok wäre), kann aber häufig nicht wirklich warten. Dies führt dazu, dass diese Mutter a) auch an ihren freien Tagen E-Mails checkt und beantwortet und b) trotzdem immer wieder an den überstellten Erwartungen ihrer Chefs aufläuft.

Strategie:

1.) Besorge Dir Unterstützung. Schön wäre auch eine Stellvertretung.
Die meisten Teilzeitstellen hätten gar nie als Teilzeit ausgeschrieben werden dürfen. Man wollte
einfach Kosten sparen. Dein Arbeitgeber kalkulierte von Anfang an, dass Du 100% Leistung für den Teilzeitlohn erbringst. Deine oberste Priorität muss daher sein, Unterstützung zu erhalten. Gerade Tasks, die Deiner Qualifikation nicht entsprechen, solltest Du dringendst delegieren. Arbeite so oft es geht mit externen Dienstleistern (Grafikern, Textern, Konzeptern, Übersetzern...), spanne Unterbeschäftigte ein (z.B. ledige Sekretärinnen) oder Praktikanten, Lehrlingen oder ältere Mitarbeiter, die eine ruhige Kugel schieben. Nur so kannst Du Dich dann auf die Arbeiten konzentrieren, an denen man Dich wirklich messen wird (siehe 3.).

2.) Akzeptiere keinen Kadervertrag, bei dem Du Überstunden nicht kompensieren kannst
Warum denn das, Kader ist doch geil, fragst Du? Für Vollzeitarbeiter JA!
Teilzeitverarschten, wie ich die hochprozentig arbeitenden Mütter auch nenne, verkauft man ihre Position gerne als "Kaderstelle", obschon so gut wie nie eine Führungsfunktion besteht. Warum? Aus Prinzip. Was ist also eine Kaderstelle ohne Führungsfunktion? Eine Stabsstelle, eine Fachverantwortung - okay... vor allem aber eine Mogelpackung. Du kriegst ein paar Benefits mehr - ein Handy, eine zusätzliche Woche Ferien, Parkplatz - aber im Gegenzug kannst Du Überstunden nicht mehr kompensieren. Ich würde in so einem Fall von Anfang an auf einen normalen Arbeitsvertrag bestehen. Die Rechnung geht nämlich nicht auf.

3.) Konzentriere Dich auf Deine Jahresziele, und wie Du Deine Leistungen ins beste Licht rückst.
In den meisten Firmen werden Jahresziele eher detailliert formuliert. Wenn man Dir im Lauf des Jahres dann Projekte übertragen will (und das passiert immer), die in den Jahreszielen nicht widerspiegelt werden, versuche entweder, sie sofort zu delegieren, oder lass Deine Jahresziele ergänzen / ändern. Wenn absehbar ist, dass Du das Projekt nicht zusätzlich stemmen kannst (= ohne Überstunden), sorge dafür, dass Du ein anderes Projekt abgeben kannst.

Das klingt nun alles klar und leicht, ist es in der Tat natürlich nie. Eine Frau und insbesondere eine Teilzeitarbeitende Mutter braucht Feingefühl, Diplomatie aber vor allem Durchsetzungskraft.

Mütter im 80% Pensum

Du verbringst nur einen Tag der Arbeitswoche mit Deinem Kind. Dein Job muss Dir viel bedeuten, oder zumindest das Geld oder die Perspektive, die sich ergeben. Von allen teilzeitarbeitenden Müttern hast Du es im Büro am leichtesten. Den einen Tag, den man fehlt, kann man als durchschnittlich begabte Fachkraft in der Regel leicht kompensieren. In all den Jahren, in denen ich Vollzeit beschäftigt war, war ich praktisch nie voll ausgelastet. Heute, nach Reorgs die überall stattgefunden haben, sieht das sicher ein wenig anders aus. Je weiter weg von Zürich man aber arbeitet, desto entspannter soll es sein (hab ich gehört).

Strategie: Setze viel daran, dass man Dich gleich behandelt, wie einen Vollzeitangestellten. Du leistest wahrscheinlich gleich viel, also wäre das nur fair. Ausserdem solltest Du Zeit darauf verwenden, Deine Leistung zu präsentieren. Bei mir war das das erste, das ich vernachlässigt habe, um mehr erledigt zu bekommen, und das war ein Fehler. Priorisiere deine Arbeiten nach dringend/wichtig und nicht dringend/unwichtig. Dich regelmässig profilieren gehört zu den dringenden und wichtigen Aufgaben.

Allgemeine Tipps


Babypause: Als Mutter würde ich nie nach dem in Schweiz gültigen Mutterschaftsurlaub von 14 Wochen (mit 80% Lohnfortzahlung) wieder arbeiten. Ein halbes Jahr ist das Mindeste, was man seinem Neugeborenen an uneingeschränkter Mutterliebe schenken sollte. Natürlich ist das aber häufig eine Frage des Geldes.

Pensumshöhe in der magischen Phase: Sei Dir bewusst, dass dein Kind nur wenige Jahre klein, magisch und abhängig ist. Diese Zeit kommt nicht zurück, verpasse sie also nicht. Das richte ich auch an die Väter, die einen Papitag pro Woche schon als grosses Opfer ansehen.

Pensumsform:
Es ist logisch, braucht aber wieder Durchsetzungskraft: Verteile Deine Präsenzzeit auf so wenig Tage wie möglich. Arbeitest Du 50%, lass Dich nicht dazu bringen, an fünf Tagen den Vormittag zu arbeiten. Allein der Arbeitsweg, aber auch der Aufwand, das Kind zu holen und zu bringen, lohnt sich nicht. Ich habe viele solche Jobinserate gesehen, und mich nie beworben. Sie zeugen von wenig Familienfreundlichkeit.

Sorgerecht vs Betreuungspflicht:
Seit 2014 gilt das gemeinsame Sorgerecht, dies ist aber nicht zu verwechseln mit geteilter Betreuungspflicht. Das Sorgerecht sagt nur, dass die Eltern gemeinsam Entscheidungen über das Wohlergehen und die Entwicklung des Kindes treffen, nicht eine Partei allein. Etwa, wo das Kind zur Schule geht. Im Hinblick auf eine gute Lösung der Arbeitstätigkeit (beider Eltern), muss man klar festhalten, dass auch beide für die Sicherstellung, Organisation und Finanzierung der Betreuung des Kindes verantwortlich sind. Auch wenn sie getrennt haben.

Fremdbetreuung:
Oft wird gejammert, wie teuer Kita-Plätze in der Schweiz seien, dabei ist die Kita immer noch günstiger, als wenn Papi oder Mami nicht arbeiten würden. Die Kosten der Kita orientieren sich (Kt. ZH) am Einkommen der Eltern. Wer wenig verdient, zahlt auch weniger.
Ich persönlich finde daneben, dass die Kita nur eine Form der vielen Betreuungslösungen darstellt. Eine Tagesmutter kostet zum Beispiel weniger (ca. 8.- pro Betreuungsstunde = 80-100.- pro Tag plus Windeln und Verpflegung), ist flexibler und über die Jahre auch stabiler als wechselndes Personal in einer Kita. Ausserdem wird Dein Kind dort seltener krank, da es weniger kranken Kindern ausgesetzt wird = Du fehlst weniger am Arbeitsplatz.
Toll ist, wenn man Grosseltern einbeziehen kann. Klar ist, dass es die Beziehung zu den eigenen Eltern stärkt, wenn sie auf Enkel aufpassen dürfen. Ob sie wollen und wie oft, muss man genau erfragen (und das immer wieder). Es sollten die Grosseltern beider Eltern in die Pflicht genommen werden, da dies sonst die Paarbeziehung belastet.
Auch nützlich sind andere Mütter. Diese sind oft froh, wenn sie ihr Kind - auch nur für Stunden - abgeben können. Du lernst sie in der Nachbarschaft, im Muki-Treff oder in der Badi kennen. :) Wenn Du schüchtern bist, denk daran, sie brauchen Dich genauso, wie Du sie!

Geld 1: Wenn es Dein erstes Kind ist, profitierst Du am meisten, wenn Du vor der Schwangerschaft / Geburt Vollzeit gearbeitet hast. Da sind u.U. freiwillige Zusatzleistungen Deines Arbeitgebers (bei mir waren das 18 Wochen Urlaub statt 14 und 100 statt 80% Lohnfortzahlung). Wenn sie Dir nach der Geburt nicht entgegenkommen können oder wollen (unbezahlte Abwesenheit, Pensumsreduktion) und Dir kündigen, kannst Du (ohne schlechtes Gewissen!!!) Arbeitslosengeld beantragen. Es fallen keine Einstelltage an. In dem Falle, bleib ein Jahr zuhause und nimm Dir Zeit, etwas zu finden, das zu Dir passt. Niemand erwartet von einer Mutter, dass früher wieder arbeiten geht. In der Schweiz wird vom Gesetzgeber sogar davon ausgegangen, dass Mütter erst ab dem 10. Altersjahr des jüngsten Kindes wieder Teilzeit arbeiten können.

Geld 2: Ledige getrennte Mütter: Mit dem neuen Betreuungsunterhalt, den ab 2017 auch unverheiratete Mütter erhalten, kann eine längere Babypause ebenfalls mitfinanziert werden. Wie die genauen Zahlungen aussehen, ist noch unklar, und hängt davon ab, wie viel % eine Mutter arbeitet. Je mehr sie betreut, desto mehr Geld erhält sie vom Vater des Kindes. Dabei ist unerheblich, ob die beiden einmal im Konkubinat lebten oder wie lange.

Geld 3: Auch Du darfst Gehaltserhöhungen verlangen. Mindestens so hoch, wie die Teuerung in diesem Jahr war. Mach es Dir zur Gewohnheit, beim Jahresendgespräch (oder einfach im November) das Thema auf die Agenda zu bringen. Wenn man Dir keine Gehaltserhöhung anbietet, frag nach der Begründung und wie Du Dich im nächsten Jahr dafür qualifizieren kannst. Teilzeitverarschte werden auch bei Lohnerhöhungen übergangen, und das obwohl sie sich häufig am meisten abrackern.


Absenzen 1: Teilzeitmütter stehen im Ruf, häufig aufgrund von Krankheiten ihrer Sprösslinge (oder sich selbst) am Arbeitsplatz zu fehlen. Das rührt meiner Meinung nach vor allem daher, dass viele Mütter nicht zulassen, dass der Vater auch Verantwortung für ein krankes Kind übernimmt. Väter können das aber. Darum schau, dass der Vater die Hälfte der krankheitsbedingten Absenzen übernimmt. Du übernimmst schliesslich immer, wenn das Kind dann krank ist, wenn Du nicht arbeitest, das ist auch ein Opfer. Sei Dir dessen bewusst.

Absenzen 2: Obwohl die Mutter / der Vater von Gesetzes wegen pro Krankheitsfall drei Tage vom Arbeitsplatz fern bleiben kann, um ein krankes Kind zu betreuen, kommt es beim Arbeitgeber natürlich schlecht an. Darum sollte man, wenn es geht, zumindest erreichbar sein (telefonisch) und seine E-Mails checken und beantworten. Selbstverständlich hat man dafür zu sorgen, dass man wichtige Tasks & Sitzungen verschiebt oder eine Stv. organisiert.

Absenzen 3: Vollzeitangestellte nehmen ihre Arzttermine während der Arbeitszeit wahr. Die meisten Arbeitgeber sind da kulant und rechnen das als Arbeitszeit, die nicht nachgeholt werden muss. Bei Teilzeitverarschten sieht es ein wenig anders aus. Von uns wird erwartet, dass wir Arzttermine in den andern Tagen wahrnehmen. Das ist nicht fair (wie so vieles anderes). Mein Rat wäre, dass man die Zeit, die andere "geschenkt" erhalten, auf das eigene Pensum umrechnet. Das ist dann die Zeit, die man fairerweise selber zu gute hätte. Nimm sie in Form von Pausen oder geh einmal früher. Betone dann aber, dass Du Arzttermine in Deine Freizeit legst (profilieren).



Firmenapéros, Firmenessen, Firmenausflüge:
Meine Meinung ist da (als Mutter) klar: So selten wie möglich, so oft wie unbedingt nötig. Apéros sind was für Leute ohne Familie, die massenweise Freizeit haben. Firmenessen sind eine Tortur. Mittelmässiges Essen, mittelmässiger Wein, öde Gespräche, schlimmstenfalls noch eine Ansprache der GL und ein langer, nüchterner Heimweg, auf dem man sich fragt, was man heute sonst alles hätte erleben können. Firmenausflüge sind dann der Gipfel der lieblosen Belegschaftsabfertigung zwecks Teambildung mit minimalem Budget. Nein danke. Sage aber nie, dass Du nicht teilnehmen möchtest. Erfinde IMMER eine Ausrede, wieso Du nicht kannst. (Zu kurzfristig, Kind krank, Mutter krank, Du krank...)

Letzter Tipp an Teilzeitarbeitende Mütter: Nimm Dir frei und schau zu Dir selber. Mit frei nehmen meine ich, ohne Dein Kind. Du brauchst das. Heute mehr denn je. :-) Viel Erholung!


Mittwoch, 7. Juni 2017

Mach dich glücklich, nicht die andern

Ein Votum für die Selbstbestimmung. Für weniger Schuldgefühle. Mehr Egoismus. Mehr vom Leben. Denn Du lebst nur einmal.

Sündige beim Essen
Eine schöne Figur ist etwas unbezahlbares. Definitiv. Aber ein gutes Essen, ohne Schuldgefühle, mit einem feinen Wein und in guter Gesellschaft eben auch. Muss drin liegen.

Sündige mit Männern
Für die meisten Männer ist klar: Wenn sie in der Partnerschaft zu kurz kommen, oder es nur schon denken, dann gehen sie fremd. Frauen hingegen welken und leiden still vor sich hin. Warum?

Mach die Reisen, die du möchtest. Auch allein.

Schliesse neue Freundschaften. Fortlaufend.
Denn es wird so sein, dass du alte Bande lösen musst. Sei bei neuen Freundschaften nicht zu kritisch. Du bist auch nicht einfach, du bist auch einzigartig. Sei tolerant. Sei offen.

Probier Hobbies aus, die dich reizen.
Egal, was andere davon halten. Vielleicht findest du so auch neue Freunde.

Bleib nicht, wenn du dich nicht mehr wohl fühlst.
Sei es ein Job, eine Beziehung, eine Freundschaft oder eine Stadt - wenn du dich da nicht mehr wohl fühlst, wenn du dich dir selbst entfremdet hast, ziehe einen Strich. Zieh weiter.

Hänge nicht an Traditionen.
Weihnachten mit der Familie, die einem schlechte Laune macht? Immer dasselbe Essen, das man gar nicht mag? Muttertag, obwohl man mit der Mutter sonst nie Kontakt pflegt? Lass es bleiben. Es bringt niemandem wirklich etwas.

Sei mutig.
Wenn dir jemand oder etwas gefällt, versuche, es zu kriegen. Wenn du es nicht versuchst, hast du es schon verloren.

Lass dich von Rückschlägen nie entmutigen.
Das Leben ist zu kurz und die Möglichkeiten zu vielzählig. Wenn eine Tür zu geht, dann hat es da buchstäblich noch Millionen andere!

Zelebriere die Liebe.
Nichts ist so schön, wie die Liebe. Die Liebe zum eigenen Kind, die Liebe zu einem Partner, die Liebe für einen wunderschönen Ort, zu einem Haustier... schenk dir diese Momente der Liebe und zwar so oft, wie du nur kannst.

Dienstag, 23. Mai 2017

Kapital vermehren für Anfängerinnen

Sehr viele Menschen tendieren dazu, alles auszugeben, was sie haben. Andere lernen, zu sparen (siehe auch mein Post dazu). Lassen sie es dann aber auf dem Konto liegen, wo heute keine Zinsen mehr gezahlt werden, vermindert sich das reale Vermögen - nämlich wegen der Teuerung. Deshalb solltest Du unbedingt etwas mit Deinem Geld machen: Lass es arbeiten!



Die durchschnittliche Jahresteuerung (eben die Inflation) beträgt 1.4%. So viel sollte mit dem Vermögen also jährlich erwirtschaftet werden, damit es nur schon seinen WERT ERHÄLT. (Auch sollte man jährlich 1.4% Lohnerhöhung kriegen, aber das ist heute nicht das Thema.)


Viele Menschen möchten in Wohneigentum investieren. Vorteil: Man kann in der Investition wohnen, während sie an Wert zulegt. Die Hypothek ist zurzeit extrem günstig. So günstig, dass man sogar Geld verdienen könnte, wenn man eine Hypothek aufnähme (1.5% Zins) und anderen Leuten Privatkredite vergäbe (min. 5% Zins). Nachteil: Wir haben wahrscheinlich eine Immobilienblase.







Es spricht aber noch anderes gegen Immobilien...


Zunächst einmal mangelnde Flexibilität. Das Kapital wird für eine verdammt lange Zeit parkiert, man kann es nicht kurzfristig herauslösen und oft belasten sich Hauseigentümer bis zur Schmerzgrenze. Ihnen bleibt nach Begleichung aller (Steuer-)Rechnungen nicht mehr viel Spielraum für andere Investitionen. Dem Staat passt das so übrigens, denn für ihn stellt Wohneigentum eine Art der Altersvorsorge dar. Hauseigentümer werden weniger häufig Sozialfälle.

Will man mit Immobilien handeln, fallen immer wieder Steuern und Gebühren an. Entscheidet man sich, die Häuser zu bewirtschaften sprich vermieten, sieht man sich im Moment einem schwieriger werdenden Mietermarkt gegenüber.

Auch problematisch wird es, wenn ein Haus von mehreren Personen geerbt wird. Meistens haben die Einzelpersonen nicht die Mittel, die anderen auszuzahlen, ausserdem hängen gewisse Leute an Gebäuden. Bei Wertschriften ist die Aufteilung hingegen überhaupt kein Problem.

Darum stelle ich heute den Aktienhandel als Möglichkeiten zur Kapitalvermehrung vor - für Anfängerinnen und Neugierige und solche, die nicht davon träumen, ein Eigenheim zu besitzen (= Klotz am Bein).

Depot & Kapitalsumme

Besser, als unter der Matratze, macht sich
Geld auf dem Swissquote Depot!
Kleinanleger in der Schweiz sollten sich ein Depot bei Swissquote einrichten. Die Faustregel lautet, pro Transaktion mindestens 10'000.- in die Hand zu nehmen, da die Gebühren sonst verhältnismässig hoch sind. Beispiel: Ob man 2'500.- oder 10'000.- investiert, es kostet 35.- (einmal beim Kauf, einmal beim Verkauf plus Stempelabgabe und ggf. Courtage...).

Bei 2'500.- entspricht das 1.4% der Summe, bei 10'000.- nur 0.35%. Ich möchte das aber gleich relativieren: Nehmen wir mal an, ich hab "nur" 4'000.- zur Verfügung. Kauf und Verkauf sind je eine Transaktion, sprich 70.-was bei Anfangswert 1.75% entsprechen. Steigt die Aktie in der Folge um 3% (auf 4'120.-) habe ich trotzdem 50.- gewonnen. Es können sich also auch kleine, kurzfristige Investments lohnen.

Zu erwartende Rendite

Rendite stellt einerseits der Kursgewinn, andererseits Dividenden dar. Dividenden fallen sehr unterschiedlich aus und hängen mit dem Geschäftsgang zusammen. Aufschluss gibt hier der Dividendenkalender. Man kann sagen, je teurer die einzelne Aktie, desto höher die Dividende. Ich hab einmal gerechnet und kam im Schnitt auf ca. 3-4%, die die Dividende auf den Aktienpreis ausmacht (manche zahlen aber viel mehr, etwa Swisscom, andere sehr wenig, etwa Swatch Group). Mit Aktienhandel erreiche ich persönlich mehr.

Wichtig zu wissen, ist, dass attraktive Aktien kurz vor der Dividendenausschüttung im Wert steigen, weil viele extra wegen der Dividende noch kaufen. Denn wer die Aktie am Stichtag im Besitz hat, erhält auch die Dividende. Guter Artikel dazu im cash. Anders als Kursgewinne müssen Dividenden auch versteuert werden (Erläuterung), da sie als Einkommen gelten. Je höher das Jahreseinkommen, desto höher die Progression. Bei wem die Progression nicht so reinhaut, sollte für gute, verlässliche Dividenden auf Roche, Novartis, Swisscom, Swiss Re, Zurich Insurance oder Immobilienfirmen wie SPS und PSP setzen.

Inhaber- und Namenaktien

An der Börse handelt der Kleinanleger üblicherweise mit Aktien. Es gibt Inhaber- und Namenaktien. Während erstere unpersönlich sind, lauten letztere auf den Namen der Inhaberin. Wer sich nicht im Aktienregister (früher Aktienbuch) eintragen lässt, verzichtet aufs Stimmrecht, nicht aber aufs Vermögensrecht (sprich, Dividenden werden trotzdem ausbezahlt). Die Eintragung kostet etwas, weshalb ich persönlich darauf verzichten würde, es sei denn, man beabsichtigt, ein Wertpapier so lange zu halten, bis die nächste Generalversammlung ansteht, um dort seinen bescheidenen Einfluss geltend zu machen.

Aktien haben den Vorteil, dass sie schnell ge- und verkauft werden und einen relativ hohen Gewinn - natürlich auch Verlust! - abwerfen können. Dies im Gegensatz zu Anleihen.

Hintertürchen: Stop Loss und Trailing Stop Loss

Anders als bei einer Bank hat man bei Swissquote (unter vielem anderem) die Möglichkeit, so genannten "Trailing Stop Losses" zu definieren. Was ist das? Ein "Stop loss" ist der tiefste Kurs, zu dem eine Aktie automatisch abgestossen werden soll. Bei Erreichen wird die Aktie "bestens", also zum bestmöglichen Kurs, verkauft. Damit verhindert man Verluste. Den klassischen Stop Loss setzt man (oder der Broker) manuell. Hat den Nachteil, dass man immer wieder nachjustieren muss, wenn die Aktie über längere Zeit steigt. Trailing Stop loss Einträge ziehen sich hingegen automatisch nach.

Beispiel: Ich setze den Trailing Stop Loss (TSL) bei 5% unter dem aktuellen Börsenkurs. Steigt die Aktie von 1.- auf 2.-, setzt sich der TSL automatisch auf 1.90. Sinkt die Aktie nun von 2.- auf 1.80 werden die Aktien sofort bestens verkauft. Nachteil: Bei sehr volatilen Aktien verkauft man so eher zu schnell und das verursacht Gebühren beim Wiedereinstieg. Man kann den TSL auch 10 oder 20% unter dem aktuellen Kurs setzen. Damit erhöht man allerdings auch das Verlustrisiko. Anbieten tut sich das aber sicherlich, wenn die Aktie bereits so viel gewonnen hat, seit man sie gekauft hat.

Anlagestrategien

Die Frage ist nun, wie wählt frau die richtige Aktie, wann soll ge- und wann verkauft werden? 

Meine Strategie ist die eines so genannten "Contrarians" (antizyklisch Investieren) - ich spekuliere gegen die aktuelle Richtung des Marktes, um von der Gegenbewegung zu profitieren. Konkret: Halte ich eine Aktie / Firma für unterbewertet, kaufe ich. Sobald ich denke, der Kurs hat einen Peak erreicht, verkaufe ich. Dazu schaue ich mir die Entwicklung des Kurses über die letzten drei bis fünf Jahre an. Interessant sind Aktien, die eine Art Talsohle erreicht haben und früher einmal viel mehr Wert hatten (z.B. Von Roll). Die Firma an sich sollte aber solide sein und Dinge unternehmen, um sich zu verbessern (z.B. Restrukturierungen, Entlassungen, Konzentration auf Kernbereiche etc.).

Als Contrarian rechne ich darum auch weniger mit möglichen Dividenden: Diese Firmen gehen gerade durch eine schwierige Phase und schütten bestenfalls magere Dividenden aus. Oft habe ich die Aktie bis zum Dividendenstichtag bereits wieder abgestossen.

Ethan Hunt lässt sich von ein bisschen Sandsturm auch nicht verunsichern.

Ich persönlich kaufe am allerliebsten Aktien von Firmen, deren Kurs gerade gefallen ist, weil sie schlechte PR hatten. Wohl weil ich viel von Kommunikation verstehe (ist mein Job), betrachte ich PR Probleme etwas entspannter, als die Masse. Tiefe Aktienkurse aufgrund schlechter PR gründen meist auf Verfehlungen von Einzelpersonen oder schlechtem Krisenmanagement. Es bedeutet eher selten, dass die Firma nichts taugt. Die Abstrafung an den Märkten ist daher eigentlich immer übertrieben.

Paradebeispiel VW: Als am 20. September 2015 der Abgas-Skandal publik wurde, sank die VW Aktie innerhalb kürzester Zeit von ca. CHF 178.- auf 111.- (2. Oktober). Heute steht sie bei 155.- Meiner Meinung nach kann man bei solchen Ereignissen nur gewinnen, man muss schlimmstenfalls zwei drei Jahre Zeit haben, um auf die Erholung des Kurses zu warten. Was immer noch relativ kurz ist in Anbetracht der möglichen Gewinne und des eher kleinen Risikos. Viele PR "downs" korrigieren sich auch viel schneller:

Paradebeispiel: BP... am 20. April 2010 explodierte die Ölplattform Deepwater Horizon von Transocean / BP. Trotz eines Absackers auf 3.92 £ (Juli 2010) stand die Aktie bereits  im Januar 2011 wieder bei über 6 £ (siehe historische Daten). Innerhalb von sechs Monaten hätte sich also ein Gewinn von 2.08 £ oder 53% erzielen lassen.

Es gibt noch andere lustige Trader Typen, die hier in einem Artikel porträtiert sind (Englisch).

Aller Anfang ist schwer, drum sollst Du's einfach mal versuchen

Ich hab laaaaaaaaaaaaaaaange gewartet, bis ich das erste Mal mit Aktien gehandelt hab. Ein Depot besass ich zwar schon Jahre (leer kostet es auch nichts), aber Wertschriften nicht. Als Teenager schenkte mir mein Vater Aktien im Wert von 1000.-, deren Dividende immer gleich wieder in neue Aktien investiert wurde (dividend reinvestment plan). Ich verkaufte das viele Jahre später für 3000.- und fand die Rendite nicht eben berauschend. Leider hatte sich der USD aber auch extrem abgewertet. Wer das vermeiden will, investiert nur in CHF Papiere.


Seit ich mit Aktienhandel angefangen hab, finde ich es eigentlich noch ganz lustig. Der grösste Teil meines Kapitals liegt in sehr sicheren Aktien und das über lange Zeit, einen kleineren investiere ich immer wieder antizyklisch (siehe oben) und ein Teil liegt "bereit" für die nächste Idee bar auf dem Depot.

Bis jetzt habe ich mehr oder weniger intuitiv und uninformiert entschieden, immer relativ kleine Beträge investiert (plus minus 10K) und relativ früh wieder verkauft. Nach der Devise: Eine kleine Rendite ist besser als ein Verlust (Gebühren eingerechnet).

Mein Vater sagte immer, man solle an der Börse nur mit dem Geld spekulieren, ohne das man auch leben könnte. Ein guter Rat! Es gibt auch Leute, die raten einem, erst einmal "virtuell" zu handeln. Man schreibt Summe und Kurs an einem virtuellen Stichtag auf und analysiert den Erfolg zum virtuellen Verkaufszeitpunkt. Ich rate davon ab. Ich habs getan und mich extrem geärgert, hab ich kein echtes Geld investiert, denn ich hätte beide Male über 100% Gewinn erwirtschaftet.

Wieso also nicht einmal mit 5K einsteigen? Übrigens sagt man, Frauen erzielten an der Börse höhere Gewinne, als Männer, weil sie ein weniger impulsives Temperament hätten und bedachter vorgingen. Meiner Meinung nach sollte man auf sein Bauchgefühl hören, aber die Zahlen nicht ignorieren. :)

Viel Erfolg!





Montag, 6. März 2017

Smartes, billiges Starbucks-Marketing

Wenn man nichts besonderes zu vermarkten hat, muss man umso kreativer werden. Heute am Beispiel Starbucks Schweiz. Starbucks Schweiz scheint ein eher bescheidenes Marketingbudget zur Verfügung zu haben. Das, oder ein Entscheider ist Rabatten und Geschenken gegenüber eher zurückhaltend eingestellt. Wie funktioniert's?


Persönlich verstehe ich die Produkt- und Preisstrategie dieser Marke (in der Schweiz) leider nicht. Ich frage mich auch grundsätzlich, wer den überteuerten Kaffee und Junkfood kauft. Es ist schon fast innovativ, Junkfood so teuer anzubieten. Überall auf der Welt scheinen die Leute aber vor allem in Starbucks abzuhängen, weil sie dort gratis Internet, Strom und bequeme Sessel kriegen. Die Verpflegung ist Nebensache.



Anyway. Die Marketingstrategie von Starbucks ist dafür glasklar. Ihr Marketing basiert im Wesentlichen auf dem Loyalty-System namens "Starbucks Card". Je nach Umsatz der laufenden 12-Monate erhalten Mitglieder nichts (ausser Werbe-E-mails), kostenlose Sirups, Filterkaffee- oder Tee-Nachschlag. Ausserdem muss man sich, glaub ich, mit der Starbucks Card registrieren, um im Starbucks gratis unbegrenztes WLAN zu erhalten. Dies ist ein sehr, sehr effizienter Hebel, um an Kundendaten und damit den direkten Zugang zu kommen (ausserdem bleiben sie länger im Restaurant und konsumieren mehr - so zumindest die Hoffnung).

Ist ein Kunde einmal im System, erhält er bis zu zehn E-Mails pro Monat (kein Scherz). Die Flut verebbt auch nicht, wenn man die E-Mails monatelang nicht öffnet, nie mehr in den Starbucks geht oder sich geschweige denn in den online Account einloggt (getestet!).

Warum Cheap Starbucks Marketing?


Es wäre ja eins, wenn es für Members echte Vorteile gäbe. Bedenkt man jedoch, wie viel Geld ein "Stern" durchschnittlich kostet (mehr dazu unten), sind die folgenden Vorteile nicht eben attraktiv:

Das gratis Geburi-Getränk gab es früher übrigens bereits beim Green Level. :-(

Einen "Stern" erhält man nicht etwa pro xy Franken Umsatz, sondern - schlau, schlau - pro "Besuch" (bei dem man etwas kauft  - das Geburi-Getränk abholen zählt nicht). Der günstigste Artikel bei Starbucks ist das Gipfeli (Croissant). Ich weiss leider nicht, wie viel eins genau kostet, denn jedes Mal, wenn ich morgens nachsehen ging, waren sie schon ausverkauft.

Darum, schätze ich also, kaufen die Kunden normalerweise einen Kaffee oder Tee. Ein Tee kostet etwas über 5.-, ein Café Latte eher 7.-. Ein Stern kostet einen also einfach gesagt ab CHF 6.- (vorausgesetzt, man kauft nicht noch Junkfood, dann kommt man eher auf 14.-). Bis zum Erreichen des "Green Level" - fünf Sterne - gibt man also mindestens CHF 30.- aus. Das Gold Level erfordert 30 Sterne / CHF 180.-

Die Baristas wenden beim "Besuch" übrigens jeden erdenklichen Trick an, um einem das Geld aus der Tasche zu ziehen - vom Sirup über einen Extra-Shot Espresso bis zu geschmacklich nicht unterscheidbare Nobelkaffeesorten anstatt des üblichen. Ein Glas Wasser zum Espresso gibt es natürlich nicht (gratis), das gibt es nur als San Pellegrino und muss als PET-Flasche separat erstanden werden.

Aber zurück zum Marketing.

Was hat man, ausser der tollen Vorzüge aus obiger Tabelle, überhaupt vom Starbucks Loyality-System? Vor allem Werbung. Alle paar Tage erhält man Ankündigung saisonaler Getränke ohne jeden Rabatt. Hin und wieder schenkt einem Starbucks aber:


  • Doppelte Sterne (regelmässig, aber nur an bestimmten Tagen zu bestimmten Zeiten)
  • Gratis Gebäck oder Getränk beim Kauf einer Packung Tee oder Bohnenkaffee (oft!)
  • 50% Rabatt auf Gebäck (selten) 
  • Neue saisonale Produkte kaufen, die noch nicht offiziell verkauft werden (sehr oft wenn nicht immer!)


Und genau deswegen ist das Cheap Marketing



Ich weiss ja nicht, ob Gold-Level-Member andere E-Mail Angebote kriegen, als Green-Level Member - ich hab noch nie 30 Sterne geschafft (vorher holte mich die Vernunft ein...), aber von diesen vier "Incentives", wie wir sie im Fachjargon nennen, geht für Starbucks kein einziges wirklich ins Geld. Schauen wir uns die einzelnen Goodies an:


  • Doppelte Sterne kosten nichts. Da sämtliche gesammelten Punkte nach genau 12 Monaten sowieso verfallen und es jenseits des Gold-Levels nichts mehr zu "gewinnen" gibt, ist das Risiko für Starbucks extrem Kalkulierbar. So who tf cares? Dass sich Doppelte-Sterne-Tage scheinbar häufen führe ich persönlich darauf zurück, dass viele Kunden säuerlich reagieren, wenn ihnen wiedermal die Punkte zusammen gestrichen wurden. Dann haben sie mit "Double Stars Days" die Möglichkeit, aufzuholen (wobei ja nur zwei Sterne pro Besuch statt einem - woooow...). Auch vermute ich, dass die Massnahme die Leute zuverlässig in die Läden zieht. Natürlich nicht die Gold Member, die haben eh nichts mehr von mehr Punkten.

  • Ein Gratis Gebäck beim Kauf (total überteuerten Tees oder Bohnenkaffees) belastet auch nicht eben das Budget. Ich schätze jetzt mal, da das Angebot fast immer gilt, dass Starbucks die Kunden nur mit diesem "Trade-off" zum Kauf ihrer Tees und Bohnenkaffees animieren kann. Wer benutzt heute eigentlich noch Bohnenkaffee?

  • Dann das billigste Instrument überhaupt - der vorgezogene Zugang zu neuen Produkten. Kostet Starbucks rein gar nichts. Die speziellen Zutaten (Pülverchen, Sirups) erreichen die Filialen wahrscheinlich 14 Tage vor effektivem Verkaufsstart, damit die Baristas üben können. Ein Kunde zahlt also fürs Übungsobjekt - perfekt für Starbucks: damit lässt sich sogar Profit aus der Trainingsphase schlagen und wenn der Drink nicht gelingt, hat man sogar eine charmante Entschuldigung dafür!


Man merkt es vielleicht - ich bin aus Konsumentensicht nicht eben ein Fan von Starbucks. Aus Marketingsicht holen sie mit ihrem augenscheinlich rein digitalen Approach aber ein Maximum aus minimalen Mitteln heraus. Dafür verdienen sie Respekt.

An dieser Stelle möchte ich übrigens meinen Artikel zum schmerzlosen Sparen empfehlen. Und zum Selbermachen von Kaffee. Have fun!