Mittwoch, 21. Juni 2017

Teilzeitstrategien - für berufstätige, angestellte Mütter

Vor einer Weile habe ich einen Post zum Thema Teilzeitarbeit finden veröffentlicht. Heute geht es darum, wie man die ganz spezifischen Herausforderungen von Teilzeit-Jobs (als Angestellte) am besten angeht. Ich spreche aus Erfahrung.

Seit einigen Jahren arbeite ich 60-70% Teilzeit und ziehe daneben ein Kind (Jahrgang 2014) gross. Ich begegnete in dieser Zeit Müttern, die seit dem ersten Kind nicht mehr berufstätig waren, Müttern, die Teilzeit arbeiteten (und zwar in Varianten von 20 bis 80%) und ich lernte sogar eine Mutter kennen, die trotz zwei Kindern immer Vollzeit gearbeitet hat. Letztere blieb aber ein Einzelfall und war von allen die beruflich erfolgreichste. Eigentlich logisch.



Nun unter den Müttern, die trotz (Klein-)Kind noch berufstätig sind, habe ich bald deutliche Unterschiede erkannt, aber eins hatten alle gemein: Sie wirkten oft ausgelaugt, gestresst und unzufrieden. Die einzigen entspannten Mütter, die ich kenne, sind die Hausfrauen. (Und eine, die 80% als Lehrerin arbeitet und ihr Kind jede Woche von Sonntag bis Montag ihrer Mutter abgibt).

Es gibt Mütter, die arbeiten müssen, weil sie sonst nicht über die Runden kämen (allen voran die Unverheirateten, die erst ab 2017 Unterhaltszahlungen gelten machen können) oder diejenigen, die arbeiten wollten oder diejenigen, die müssen und wollen. :) Die Höhe des Pensums hat einen riesengrossen Einfluss auf die Belastung der Mutter. Auch, ob sie eins oder mehrere Kinder hat, ob sie alleinerziehend ist oder der (Ex-)Partner mithilft, ob genug Geld da ist, etwa für Babysitter, Putzfrau, Spielgruppe oder andere externe Betreuungsmöglichkeiten.

Aber egal, wie die private Situation einer Arbeitnehmerin aussieht, folgende Gleichung spielt immer im Berufsleben:

Je tiefer das Pensum, desto kleiner die übertragene Verantwortung, desto kleiner die Erwartungen an die Arbeitnehmerin, desto tiefer das Gehalt. Je höher das Pensum, desto verantwortungsvoller der Posten, desto grösser die Erwartungen, desto höher das Gehalt.


Mütter im 20-40% Pensum

Ich habe festgetellt, dass Mütter im 20-40% Pensum in operativer Arbeit, für die sie praktisch immer überqualifiziert sind, versaufen. Man lädt sie grundsätzlich selten zu Meetings ein, weil man sie nicht vom "arbeiten" abhalten will. Weiterbildungen bezahlt man ihnen schon gar nicht und an Teamevents tauchen sie in der Regel auch nicht auf. Sie sind zu bedauern, wie ich finde. Sehr sogar. Die Arbeit bleibt während der Tage, die sie nicht arbeiten, für sie liegen. Meistens haben sie keine Stellvertretung, weil ihre Tasks a) niemand will und b) ja warten können. Typischerweise kümmern sie sich z.B. um die Werbeartikel (in der Marketingabteilung) oder das verbuchen von Kreditorenrechnungen (in der Buchhaltung).

Strategie:  Die gute Nachricht: Es werden keine Glanzleistungen erwartet. Man ist die Bürokraft, die den Scheiss erledigt. Für diese Mutter sind viele dankbar, denn sonst kümmert sich niemand (so zuverlässig und gut) um den Scheiss. Höchstes Gebot: Nicht hetzen! Nicht hetzen! Nicht hetzen!
Wenn Du mehr leistest, als normal oder üblich wäre - nimm als Massstab die Kollegen, die Vollzeit arbeiten - löst Du einen Teufelskreis aus. Man wird immer mehr auf Deinen Tisch knallen. Mach Pausen, wie die Kollegen, ja keine Überstunden und for f§¬°s sake nimm Dich nicht ernster als die andern es tun. Noch ein Tipp: Überleg dir, was Du Dir von diesem Job genau versprichst und wie lange Du ihn noch machen möchtest. Prüfe auch, ob Du als Freelancer nicht mehr Geld mit weniger Mühe und mehr Flexibilität verdienen könntest.

Mütter im 60-70% Pensum

Diese Arbeitnehmerinnen haben es auch nicht leicht. Sie haben mit Glück einen Job ergattert, der ihrer Qualifikation von vor fünf oder acht Jahren entspricht und vielleicht, vielleicht, noch anständig bezahlt wird. Der Arbeitgeber profitiert noch so gern von ihrem überdurchschnittlichen Erfahrungsschatz, zahlt ihr dafür aber verhältnismässig wenig, fördert sie in der Regel aber (aus Prinzip) nicht, da Teilzeitkraft. Sie könnte ja wieder schwanger werden und aufhören - die Investition wäre für die Katz.

Von diesen Müttern wird erwartet, dass sie wichtige Meetings (oft wiederkehrende an einem bestimmten Tag des Monats / Quartals) auch ausserhalb ihrer üblichen Arbeitszeit wahrnehmen. Theoretisch könnten sie die Zeit dann kompensieren, tun es aber faktisch nicht, weil sie a) ebenfalls in Arbeit versaufen und b) ein schlechtes Gewissen haben. Auch ihre Arbeit bleibt während der regelmässigen Abwesenheit liegen (als ob das ok wäre), kann aber häufig nicht wirklich warten. Dies führt dazu, dass diese Mutter a) auch an ihren freien Tagen E-Mails checkt und beantwortet und b) trotzdem immer wieder an den überstellten Erwartungen ihrer Chefs aufläuft.

Strategie:

1.) Besorge Dir Unterstützung. Schön wäre auch eine Stellvertretung.
Die meisten Teilzeitstellen hätten gar nie als Teilzeit ausgeschrieben werden dürfen. Man wollte
einfach Kosten sparen. Dein Arbeitgeber kalkulierte von Anfang an, dass Du 100% Leistung für den Teilzeitlohn erbringst. Deine oberste Priorität muss daher sein, Unterstützung zu erhalten. Gerade Tasks, die Deiner Qualifikation nicht entsprechen, solltest Du dringendst delegieren. Arbeite so oft es geht mit externen Dienstleistern (Grafikern, Textern, Konzeptern, Übersetzern...), spanne Unterbeschäftigte ein (z.B. ledige Sekretärinnen) oder Praktikanten, Lehrlingen oder ältere Mitarbeiter, die eine ruhige Kugel schieben. Nur so kannst Du Dich dann auf die Arbeiten konzentrieren, an denen man Dich wirklich messen wird (siehe 3.).

2.) Akzeptiere keinen Kadervertrag, bei dem Du Überstunden nicht kompensieren kannst
Warum denn das, Kader ist doch geil, fragst Du? Für Vollzeitarbeiter JA!
Teilzeitverarschten, wie ich die hochprozentig arbeitenden Mütter auch nenne, verkauft man ihre Position gerne als "Kaderstelle", obschon so gut wie nie eine Führungsfunktion besteht. Warum? Aus Prinzip. Was ist also eine Kaderstelle ohne Führungsfunktion? Eine Stabsstelle, eine Fachverantwortung - okay... vor allem aber eine Mogelpackung. Du kriegst ein paar Benefits mehr - ein Handy, eine zusätzliche Woche Ferien, Parkplatz - aber im Gegenzug kannst Du Überstunden nicht mehr kompensieren. Ich würde in so einem Fall von Anfang an auf einen normalen Arbeitsvertrag bestehen. Die Rechnung geht nämlich nicht auf.

3.) Konzentriere Dich auf Deine Jahresziele, und wie Du Deine Leistungen ins beste Licht rückst.
In den meisten Firmen werden Jahresziele eher detailliert formuliert. Wenn man Dir im Lauf des Jahres dann Projekte übertragen will (und das passiert immer), die in den Jahreszielen nicht widerspiegelt werden, versuche entweder, sie sofort zu delegieren, oder lass Deine Jahresziele ergänzen / ändern. Wenn absehbar ist, dass Du das Projekt nicht zusätzlich stemmen kannst (= ohne Überstunden), sorge dafür, dass Du ein anderes Projekt abgeben kannst.

Das klingt nun alles klar und leicht, ist es in der Tat natürlich nie. Eine Frau und insbesondere eine Teilzeitarbeitende Mutter braucht Feingefühl, Diplomatie aber vor allem Durchsetzungskraft.

Mütter im 80% Pensum

Du verbringst nur einen Tag der Arbeitswoche mit Deinem Kind. Dein Job muss Dir viel bedeuten, oder zumindest das Geld oder die Perspektive, die sich ergeben. Von allen teilzeitarbeitenden Müttern hast Du es im Büro am leichtesten. Den einen Tag, den man fehlt, kann man als durchschnittlich begabte Fachkraft in der Regel leicht kompensieren. In all den Jahren, in denen ich Vollzeit beschäftigt war, war ich praktisch nie voll ausgelastet. Heute, nach Reorgs die überall stattgefunden haben, sieht das sicher ein wenig anders aus. Je weiter weg von Zürich man aber arbeitet, desto entspannter soll es sein (hab ich gehört).

Strategie: Setze viel daran, dass man Dich gleich behandelt, wie einen Vollzeitangestellten. Du leistest wahrscheinlich gleich viel, also wäre das nur fair. Ausserdem solltest Du Zeit darauf verwenden, Deine Leistung zu präsentieren. Bei mir war das das erste, das ich vernachlässigt habe, um mehr erledigt zu bekommen, und das war ein Fehler. Priorisiere deine Arbeiten nach dringend/wichtig und nicht dringend/unwichtig. Dich regelmässig profilieren gehört zu den dringenden und wichtigen Aufgaben.

Allgemeine Tipps


Babypause: Als Mutter würde ich nie nach dem in Schweiz gültigen Mutterschaftsurlaub von 14 Wochen (mit 80% Lohnfortzahlung) wieder arbeiten. Ein halbes Jahr ist das Mindeste, was man seinem Neugeborenen an uneingeschränkter Mutterliebe schenken sollte. Natürlich ist das aber häufig eine Frage des Geldes.

Pensumshöhe in der magischen Phase: Sei Dir bewusst, dass dein Kind nur wenige Jahre klein, magisch und abhängig ist. Diese Zeit kommt nicht zurück, verpasse sie also nicht. Das richte ich auch an die Väter, die einen Papitag pro Woche schon als grosses Opfer ansehen.

Pensumsform:
Es ist logisch, braucht aber wieder Durchsetzungskraft: Verteile Deine Präsenzzeit auf so wenig Tage wie möglich. Arbeitest Du 50%, lass Dich nicht dazu bringen, an fünf Tagen den Vormittag zu arbeiten. Allein der Arbeitsweg, aber auch der Aufwand, das Kind zu holen und zu bringen, lohnt sich nicht. Ich habe viele solche Jobinserate gesehen, und mich nie beworben. Sie zeugen von wenig Familienfreundlichkeit.

Sorgerecht vs Betreuungspflicht:
Seit 2014 gilt das gemeinsame Sorgerecht, dies ist aber nicht zu verwechseln mit geteilter Betreuungspflicht. Das Sorgerecht sagt nur, dass die Eltern gemeinsam Entscheidungen über das Wohlergehen und die Entwicklung des Kindes treffen, nicht eine Partei allein. Etwa, wo das Kind zur Schule geht. Im Hinblick auf eine gute Lösung der Arbeitstätigkeit (beider Eltern), muss man klar festhalten, dass auch beide für die Sicherstellung, Organisation und Finanzierung der Betreuung des Kindes verantwortlich sind. Auch wenn sie getrennt haben.

Fremdbetreuung:
Oft wird gejammert, wie teuer Kita-Plätze in der Schweiz seien, dabei ist die Kita immer noch günstiger, als wenn Papi oder Mami nicht arbeiten würden. Die Kosten der Kita orientieren sich (Kt. ZH) am Einkommen der Eltern. Wer wenig verdient, zahlt auch weniger.
Ich persönlich finde daneben, dass die Kita nur eine Form der vielen Betreuungslösungen darstellt. Eine Tagesmutter kostet zum Beispiel weniger (ca. 8.- pro Betreuungsstunde = 80-100.- pro Tag plus Windeln und Verpflegung), ist flexibler und über die Jahre auch stabiler als wechselndes Personal in einer Kita. Ausserdem wird Dein Kind dort seltener krank, da es weniger kranken Kindern ausgesetzt wird = Du fehlst weniger am Arbeitsplatz.
Toll ist, wenn man Grosseltern einbeziehen kann. Klar ist, dass es die Beziehung zu den eigenen Eltern stärkt, wenn sie auf Enkel aufpassen dürfen. Ob sie wollen und wie oft, muss man genau erfragen (und das immer wieder). Es sollten die Grosseltern beider Eltern in die Pflicht genommen werden, da dies sonst die Paarbeziehung belastet.
Auch nützlich sind andere Mütter. Diese sind oft froh, wenn sie ihr Kind - auch nur für Stunden - abgeben können. Du lernst sie in der Nachbarschaft, im Muki-Treff oder in der Badi kennen. :) Wenn Du schüchtern bist, denk daran, sie brauchen Dich genauso, wie Du sie!

Geld 1: Wenn es Dein erstes Kind ist, profitierst Du am meisten, wenn Du vor der Schwangerschaft / Geburt Vollzeit gearbeitet hast. Da sind u.U. freiwillige Zusatzleistungen Deines Arbeitgebers (bei mir waren das 18 Wochen Urlaub statt 14 und 100 statt 80% Lohnfortzahlung). Wenn sie Dir nach der Geburt nicht entgegenkommen können oder wollen (unbezahlte Abwesenheit, Pensumsreduktion) und Dir kündigen, kannst Du (ohne schlechtes Gewissen!!!) Arbeitslosengeld beantragen. Es fallen keine Einstelltage an. In dem Falle, bleib ein Jahr zuhause und nimm Dir Zeit, etwas zu finden, das zu Dir passt. Niemand erwartet von einer Mutter, dass früher wieder arbeiten geht. In der Schweiz wird vom Gesetzgeber sogar davon ausgegangen, dass Mütter erst ab dem 10. Altersjahr des jüngsten Kindes wieder Teilzeit arbeiten können.

Geld 2: Ledige getrennte Mütter: Mit dem neuen Betreuungsunterhalt, den ab 2017 auch unverheiratete Mütter erhalten, kann eine längere Babypause ebenfalls mitfinanziert werden. Wie die genauen Zahlungen aussehen, ist noch unklar, und hängt davon ab, wie viel % eine Mutter arbeitet. Je mehr sie betreut, desto mehr Geld erhält sie vom Vater des Kindes. Dabei ist unerheblich, ob die beiden einmal im Konkubinat lebten oder wie lange.

Geld 3: Auch Du darfst Gehaltserhöhungen verlangen. Mindestens so hoch, wie die Teuerung in diesem Jahr war. Mach es Dir zur Gewohnheit, beim Jahresendgespräch (oder einfach im November) das Thema auf die Agenda zu bringen. Wenn man Dir keine Gehaltserhöhung anbietet, frag nach der Begründung und wie Du Dich im nächsten Jahr dafür qualifizieren kannst. Teilzeitverarschte werden auch bei Lohnerhöhungen übergangen, und das obwohl sie sich häufig am meisten abrackern.


Absenzen 1: Teilzeitmütter stehen im Ruf, häufig aufgrund von Krankheiten ihrer Sprösslinge (oder sich selbst) am Arbeitsplatz zu fehlen. Das rührt meiner Meinung nach vor allem daher, dass viele Mütter nicht zulassen, dass der Vater auch Verantwortung für ein krankes Kind übernimmt. Väter können das aber. Darum schau, dass der Vater die Hälfte der krankheitsbedingten Absenzen übernimmt. Du übernimmst schliesslich immer, wenn das Kind dann krank ist, wenn Du nicht arbeitest, das ist auch ein Opfer. Sei Dir dessen bewusst.

Absenzen 2: Obwohl die Mutter / der Vater von Gesetzes wegen pro Krankheitsfall drei Tage vom Arbeitsplatz fern bleiben kann, um ein krankes Kind zu betreuen, kommt es beim Arbeitgeber natürlich schlecht an. Darum sollte man, wenn es geht, zumindest erreichbar sein (telefonisch) und seine E-Mails checken und beantworten. Selbstverständlich hat man dafür zu sorgen, dass man wichtige Tasks & Sitzungen verschiebt oder eine Stv. organisiert.

Absenzen 3: Vollzeitangestellte nehmen ihre Arzttermine während der Arbeitszeit wahr. Die meisten Arbeitgeber sind da kulant und rechnen das als Arbeitszeit, die nicht nachgeholt werden muss. Bei Teilzeitverarschten sieht es ein wenig anders aus. Von uns wird erwartet, dass wir Arzttermine in den andern Tagen wahrnehmen. Das ist nicht fair (wie so vieles anderes). Mein Rat wäre, dass man die Zeit, die andere "geschenkt" erhalten, auf das eigene Pensum umrechnet. Das ist dann die Zeit, die man fairerweise selber zu gute hätte. Nimm sie in Form von Pausen oder geh einmal früher. Betone dann aber, dass Du Arzttermine in Deine Freizeit legst (profilieren).



Firmenapéros, Firmenessen, Firmenausflüge:
Meine Meinung ist da (als Mutter) klar: So selten wie möglich, so oft wie unbedingt nötig. Apéros sind was für Leute ohne Familie, die massenweise Freizeit haben. Firmenessen sind eine Tortur. Mittelmässiges Essen, mittelmässiger Wein, öde Gespräche, schlimmstenfalls noch eine Ansprache der GL und ein langer, nüchterner Heimweg, auf dem man sich fragt, was man heute sonst alles hätte erleben können. Firmenausflüge sind dann der Gipfel der lieblosen Belegschaftsabfertigung zwecks Teambildung mit minimalem Budget. Nein danke. Sage aber nie, dass Du nicht teilnehmen möchtest. Erfinde IMMER eine Ausrede, wieso Du nicht kannst. (Zu kurzfristig, Kind krank, Mutter krank, Du krank...)

Letzter Tipp an Teilzeitarbeitende Mütter: Nimm Dir frei und schau zu Dir selber. Mit frei nehmen meine ich, ohne Dein Kind. Du brauchst das. Heute mehr denn je. :-) Viel Erholung!


Mittwoch, 7. Juni 2017

Mach dich glücklich, nicht die andern

Ein Votum für die Selbstbestimmung. Für weniger Schuldgefühle. Mehr Egoismus. Mehr vom Leben. Denn Du lebst nur einmal.

Sündige beim Essen
Eine schöne Figur ist etwas unbezahlbares. Definitiv. Aber ein gutes Essen, ohne Schuldgefühle, mit einem feinen Wein und in guter Gesellschaft eben auch. Muss drin liegen.

Sündige mit Männern
Für die meisten Männer ist klar: Wenn sie in der Partnerschaft zu kurz kommen, oder es nur schon denken, dann gehen sie fremd. Frauen hingegen welken und leiden still vor sich hin. Warum?

Mach die Reisen, die du möchtest. Auch allein.

Schliesse neue Freundschaften. Fortlaufend.
Denn es wird so sein, dass du alte Bande lösen musst. Sei bei neuen Freundschaften nicht zu kritisch. Du bist auch nicht einfach, du bist auch einzigartig. Sei tolerant. Sei offen.

Probier Hobbies aus, die dich reizen.
Egal, was andere davon halten. Vielleicht findest du so auch neue Freunde.

Bleib nicht, wenn du dich nicht mehr wohl fühlst.
Sei es ein Job, eine Beziehung, eine Freundschaft oder eine Stadt - wenn du dich da nicht mehr wohl fühlst, wenn du dich dir selbst entfremdet hast, ziehe einen Strich. Zieh weiter.

Hänge nicht an Traditionen.
Weihnachten mit der Familie, die einem schlechte Laune macht? Immer dasselbe Essen, das man gar nicht mag? Muttertag, obwohl man mit der Mutter sonst nie Kontakt pflegt? Lass es bleiben. Es bringt niemandem wirklich etwas.

Sei mutig.
Wenn dir jemand oder etwas gefällt, versuche, es zu kriegen. Wenn du es nicht versuchst, hast du es schon verloren.

Lass dich von Rückschlägen nie entmutigen.
Das Leben ist zu kurz und die Möglichkeiten zu vielzählig. Wenn eine Tür zu geht, dann hat es da buchstäblich noch Millionen andere!

Zelebriere die Liebe.
Nichts ist so schön, wie die Liebe. Die Liebe zum eigenen Kind, die Liebe zu einem Partner, die Liebe für einen wunderschönen Ort, zu einem Haustier... schenk dir diese Momente der Liebe und zwar so oft, wie du nur kannst.

Dienstag, 23. Mai 2017

Kapital vermehren für Anfängerinnen

Sehr viele Menschen tendieren dazu, alles auszugeben, was sie haben. Andere lernen, zu sparen (siehe auch mein Post dazu). Lassen sie es dann aber auf dem Konto liegen, wo heute keine Zinsen mehr gezahlt werden, vermindert sich das reale Vermögen - nämlich wegen der Teuerung. Deshalb solltest Du unbedingt etwas mit Deinem Geld machen: Lass es arbeiten!



Die durchschnittliche Jahresteuerung (eben die Inflation) beträgt 1.4%. So viel sollte mit dem Vermögen also jährlich erwirtschaftet werden, damit es nur schon seinen WERT ERHÄLT. (Auch sollte man jährlich 1.4% Lohnerhöhung kriegen, aber das ist heute nicht das Thema.)


Viele Menschen möchten in Wohneigentum investieren. Vorteil: Man kann in der Investition wohnen, während sie an Wert zulegt. Die Hypothek ist zurzeit extrem günstig. So günstig, dass man sogar Geld verdienen könnte, wenn man eine Hypothek aufnähme (1.5% Zins) und anderen Leuten Privatkredite vergäbe (min. 5% Zins). Nachteil: Wir haben wahrscheinlich eine Immobilienblase.







Es spricht aber noch anderes gegen Immobilien...


Zunächst einmal mangelnde Flexibilität. Das Kapital wird für eine verdammt lange Zeit parkiert, man kann es nicht kurzfristig herauslösen und oft belasten sich Hauseigentümer bis zur Schmerzgrenze. Ihnen bleibt nach Begleichung aller (Steuer-)Rechnungen nicht mehr viel Spielraum für andere Investitionen. Dem Staat passt das so übrigens, denn für ihn stellt Wohneigentum eine Art der Altersvorsorge dar. Hauseigentümer werden weniger häufig Sozialfälle.

Will man mit Immobilien handeln, fallen immer wieder Steuern und Gebühren an. Entscheidet man sich, die Häuser zu bewirtschaften sprich vermieten, sieht man sich im Moment einem schwieriger werdenden Mietermarkt gegenüber.

Auch problematisch wird es, wenn ein Haus von mehreren Personen geerbt wird. Meistens haben die Einzelpersonen nicht die Mittel, die anderen auszuzahlen, ausserdem hängen gewisse Leute an Gebäuden. Bei Wertschriften ist die Aufteilung hingegen überhaupt kein Problem.

Darum stelle ich heute den Aktienhandel als Möglichkeiten zur Kapitalvermehrung vor - für Anfängerinnen und Neugierige und solche, die nicht davon träumen, ein Eigenheim zu besitzen (= Klotz am Bein).

Depot & Kapitalsumme

Besser, als unter der Matratze, macht sich
Geld auf dem Swissquote Depot!
Kleinanleger in der Schweiz sollten sich ein Depot bei Swissquote einrichten. Die Faustregel lautet, pro Transaktion mindestens 10'000.- in die Hand zu nehmen, da die Gebühren sonst verhältnismässig hoch sind. Beispiel: Ob man 2'500.- oder 10'000.- investiert, es kostet 35.- (einmal beim Kauf, einmal beim Verkauf plus Stempelabgabe und ggf. Courtage...).

Bei 2'500.- entspricht das 1.4% der Summe, bei 10'000.- nur 0.35%. Ich möchte das aber gleich relativieren: Nehmen wir mal an, ich hab "nur" 4'000.- zur Verfügung. Kauf und Verkauf sind je eine Transaktion, sprich 70.-was bei Anfangswert 1.75% entsprechen. Steigt die Aktie in der Folge um 3% (auf 4'120.-) habe ich trotzdem 50.- gewonnen. Es können sich also auch kleine, kurzfristige Investments lohnen.

Zu erwartende Rendite

Rendite stellt einerseits der Kursgewinn, andererseits Dividenden dar. Dividenden fallen sehr unterschiedlich aus und hängen mit dem Geschäftsgang zusammen. Aufschluss gibt hier der Dividendenkalender. Man kann sagen, je teurer die einzelne Aktie, desto höher die Dividende. Ich hab einmal gerechnet und kam im Schnitt auf ca. 3-4%, die die Dividende auf den Aktienpreis ausmacht (manche zahlen aber viel mehr, etwa Swisscom, andere sehr wenig, etwa Swatch Group). Mit Aktienhandel erreiche ich persönlich mehr.

Wichtig zu wissen, ist, dass attraktive Aktien kurz vor der Dividendenausschüttung im Wert steigen, weil viele extra wegen der Dividende noch kaufen. Denn wer die Aktie am Stichtag im Besitz hat, erhält auch die Dividende. Guter Artikel dazu im cash. Anders als Kursgewinne müssen Dividenden auch versteuert werden (Erläuterung), da sie als Einkommen gelten. Je höher das Jahreseinkommen, desto höher die Progression. Bei wem die Progression nicht so reinhaut, sollte für gute, verlässliche Dividenden auf Roche, Novartis, Swisscom, Swiss Re, Zurich Insurance oder Immobilienfirmen wie SPS und PSP setzen.

Inhaber- und Namenaktien

An der Börse handelt der Kleinanleger üblicherweise mit Aktien. Es gibt Inhaber- und Namenaktien. Während erstere unpersönlich sind, lauten letztere auf den Namen der Inhaberin. Wer sich nicht im Aktienregister (früher Aktienbuch) eintragen lässt, verzichtet aufs Stimmrecht, nicht aber aufs Vermögensrecht (sprich, Dividenden werden trotzdem ausbezahlt). Die Eintragung kostet etwas, weshalb ich persönlich darauf verzichten würde, es sei denn, man beabsichtigt, ein Wertpapier so lange zu halten, bis die nächste Generalversammlung ansteht, um dort seinen bescheidenen Einfluss geltend zu machen.

Aktien haben den Vorteil, dass sie schnell ge- und verkauft werden und einen relativ hohen Gewinn - natürlich auch Verlust! - abwerfen können. Dies im Gegensatz zu Anleihen.

Hintertürchen: Stop Loss und Trailing Stop Loss

Anders als bei einer Bank hat man bei Swissquote (unter vielem anderem) die Möglichkeit, so genannten "Trailing Stop Losses" zu definieren. Was ist das? Ein "Stop loss" ist der tiefste Kurs, zu dem eine Aktie automatisch abgestossen werden soll. Bei Erreichen wird die Aktie "bestens", also zum bestmöglichen Kurs, verkauft. Damit verhindert man Verluste. Den klassischen Stop Loss setzt man (oder der Broker) manuell. Hat den Nachteil, dass man immer wieder nachjustieren muss, wenn die Aktie über längere Zeit steigt. Trailing Stop loss Einträge ziehen sich hingegen automatisch nach.

Beispiel: Ich setze den Trailing Stop Loss (TSL) bei 5% unter dem aktuellen Börsenkurs. Steigt die Aktie von 1.- auf 2.-, setzt sich der TSL automatisch auf 1.90. Sinkt die Aktie nun von 2.- auf 1.80 werden die Aktien sofort bestens verkauft. Nachteil: Bei sehr volatilen Aktien verkauft man so eher zu schnell und das verursacht Gebühren beim Wiedereinstieg. Man kann den TSL auch 10 oder 20% unter dem aktuellen Kurs setzen. Damit erhöht man allerdings auch das Verlustrisiko. Anbieten tut sich das aber sicherlich, wenn die Aktie bereits so viel gewonnen hat, seit man sie gekauft hat.

Anlagestrategien

Die Frage ist nun, wie wählt frau die richtige Aktie, wann soll ge- und wann verkauft werden? 

Meine Strategie ist die eines so genannten "Contrarians" (antizyklisch Investieren) - ich spekuliere gegen die aktuelle Richtung des Marktes, um von der Gegenbewegung zu profitieren. Konkret: Halte ich eine Aktie / Firma für unterbewertet, kaufe ich. Sobald ich denke, der Kurs hat einen Peak erreicht, verkaufe ich. Dazu schaue ich mir die Entwicklung des Kurses über die letzten drei bis fünf Jahre an. Interessant sind Aktien, die eine Art Talsohle erreicht haben und früher einmal viel mehr Wert hatten (z.B. Von Roll). Die Firma an sich sollte aber solide sein und Dinge unternehmen, um sich zu verbessern (z.B. Restrukturierungen, Entlassungen, Konzentration auf Kernbereiche etc.).

Als Contrarian rechne ich darum auch weniger mit möglichen Dividenden: Diese Firmen gehen gerade durch eine schwierige Phase und schütten bestenfalls magere Dividenden aus. Oft habe ich die Aktie bis zum Dividendenstichtag bereits wieder abgestossen.

Ethan Hunt lässt sich von ein bisschen Sandsturm auch nicht verunsichern.

Ich persönlich kaufe am allerliebsten Aktien von Firmen, deren Kurs gerade gefallen ist, weil sie schlechte PR hatten. Wohl weil ich viel von Kommunikation verstehe (ist mein Job), betrachte ich PR Probleme etwas entspannter, als die Masse. Tiefe Aktienkurse aufgrund schlechter PR gründen meist auf Verfehlungen von Einzelpersonen oder schlechtem Krisenmanagement. Es bedeutet eher selten, dass die Firma nichts taugt. Die Abstrafung an den Märkten ist daher eigentlich immer übertrieben.

Paradebeispiel VW: Als am 20. September 2015 der Abgas-Skandal publik wurde, sank die VW Aktie innerhalb kürzester Zeit von ca. CHF 178.- auf 111.- (2. Oktober). Heute steht sie bei 155.- Meiner Meinung nach kann man bei solchen Ereignissen nur gewinnen, man muss schlimmstenfalls zwei drei Jahre Zeit haben, um auf die Erholung des Kurses zu warten. Was immer noch relativ kurz ist in Anbetracht der möglichen Gewinne und des eher kleinen Risikos. Viele PR "downs" korrigieren sich auch viel schneller:

Paradebeispiel: BP... am 20. April 2010 explodierte die Ölplattform Deepwater Horizon von Transocean / BP. Trotz eines Absackers auf 3.92 £ (Juli 2010) stand die Aktie bereits  im Januar 2011 wieder bei über 6 £ (siehe historische Daten). Innerhalb von sechs Monaten hätte sich also ein Gewinn von 2.08 £ oder 53% erzielen lassen.

Es gibt noch andere lustige Trader Typen, die hier in einem Artikel porträtiert sind (Englisch).

Aller Anfang ist schwer, drum sollst Du's einfach mal versuchen

Ich hab laaaaaaaaaaaaaaaange gewartet, bis ich das erste Mal mit Aktien gehandelt hab. Ein Depot besass ich zwar schon Jahre (leer kostet es auch nichts), aber Wertschriften nicht. Als Teenager schenkte mir mein Vater Aktien im Wert von 1000.-, deren Dividende immer gleich wieder in neue Aktien investiert wurde (dividend reinvestment plan). Ich verkaufte das viele Jahre später für 3000.- und fand die Rendite nicht eben berauschend. Leider hatte sich der USD aber auch extrem abgewertet. Wer das vermeiden will, investiert nur in CHF Papiere.


Seit ich mit Aktienhandel angefangen hab, finde ich es eigentlich noch ganz lustig. Der grösste Teil meines Kapitals liegt in sehr sicheren Aktien und das über lange Zeit, einen kleineren investiere ich immer wieder antizyklisch (siehe oben) und ein Teil liegt "bereit" für die nächste Idee bar auf dem Depot.

Bis jetzt habe ich mehr oder weniger intuitiv und uninformiert entschieden, immer relativ kleine Beträge investiert (plus minus 10K) und relativ früh wieder verkauft. Nach der Devise: Eine kleine Rendite ist besser als ein Verlust (Gebühren eingerechnet).

Mein Vater sagte immer, man solle an der Börse nur mit dem Geld spekulieren, ohne das man auch leben könnte. Ein guter Rat! Es gibt auch Leute, die raten einem, erst einmal "virtuell" zu handeln. Man schreibt Summe und Kurs an einem virtuellen Stichtag auf und analysiert den Erfolg zum virtuellen Verkaufszeitpunkt. Ich rate davon ab. Ich habs getan und mich extrem geärgert, hab ich kein echtes Geld investiert, denn ich hätte beide Male über 100% Gewinn erwirtschaftet.

Wieso also nicht einmal mit 5K einsteigen? Übrigens sagt man, Frauen erzielten an der Börse höhere Gewinne, als Männer, weil sie ein weniger impulsives Temperament hätten und bedachter vorgingen. Meiner Meinung nach sollte man auf sein Bauchgefühl hören, aber die Zahlen nicht ignorieren. :)

Viel Erfolg!





Montag, 6. März 2017

Smartes, billiges Starbucks-Marketing

Wenn man nichts besonderes zu vermarkten hat, muss man umso kreativer werden. Heute am Beispiel Starbucks Schweiz. Starbucks Schweiz scheint ein eher bescheidenes Marketingbudget zur Verfügung zu haben. Das, oder ein Entscheider ist Rabatten und Geschenken gegenüber eher zurückhaltend eingestellt. Wie funktioniert's?


Persönlich verstehe ich die Produkt- und Preisstrategie dieser Marke (in der Schweiz) leider nicht. Ich frage mich auch grundsätzlich, wer den überteuerten Kaffee und Junkfood kauft. Es ist schon fast innovativ, Junkfood so teuer anzubieten. Überall auf der Welt scheinen die Leute aber vor allem in Starbucks abzuhängen, weil sie dort gratis Internet, Strom und bequeme Sessel kriegen. Die Verpflegung ist Nebensache.



Anyway. Die Marketingstrategie von Starbucks ist dafür glasklar. Ihr Marketing basiert im Wesentlichen auf dem Loyalty-System namens "Starbucks Card". Je nach Umsatz der laufenden 12-Monate erhalten Mitglieder nichts (ausser Werbe-E-mails), kostenlose Sirups, Filterkaffee- oder Tee-Nachschlag. Ausserdem muss man sich, glaub ich, mit der Starbucks Card registrieren, um im Starbucks gratis unbegrenztes WLAN zu erhalten. Dies ist ein sehr, sehr effizienter Hebel, um an Kundendaten und damit den direkten Zugang zu kommen (ausserdem bleiben sie länger im Restaurant und konsumieren mehr - so zumindest die Hoffnung).

Ist ein Kunde einmal im System, erhält er bis zu zehn E-Mails pro Monat (kein Scherz). Die Flut verebbt auch nicht, wenn man die E-Mails monatelang nicht öffnet, nie mehr in den Starbucks geht oder sich geschweige denn in den online Account einloggt (getestet!).

Warum Cheap Starbucks Marketing?


Es wäre ja eins, wenn es für Members echte Vorteile gäbe. Bedenkt man jedoch, wie viel Geld ein "Stern" durchschnittlich kostet (mehr dazu unten), sind die folgenden Vorteile nicht eben attraktiv:

Das gratis Geburi-Getränk gab es früher übrigens bereits beim Green Level. :-(

Einen "Stern" erhält man nicht etwa pro xy Franken Umsatz, sondern - schlau, schlau - pro "Besuch" (bei dem man etwas kauft  - das Geburi-Getränk abholen zählt nicht). Der günstigste Artikel bei Starbucks ist das Gipfeli (Croissant). Ich weiss leider nicht, wie viel eins genau kostet, denn jedes Mal, wenn ich morgens nachsehen ging, waren sie schon ausverkauft.

Darum, schätze ich also, kaufen die Kunden normalerweise einen Kaffee oder Tee. Ein Tee kostet etwas über 5.-, ein Café Latte eher 7.-. Ein Stern kostet einen also einfach gesagt ab CHF 6.- (vorausgesetzt, man kauft nicht noch Junkfood, dann kommt man eher auf 14.-). Bis zum Erreichen des "Green Level" - fünf Sterne - gibt man also mindestens CHF 30.- aus. Das Gold Level erfordert 30 Sterne / CHF 180.-

Die Baristas wenden beim "Besuch" übrigens jeden erdenklichen Trick an, um einem das Geld aus der Tasche zu ziehen - vom Sirup über einen Extra-Shot Espresso bis zu geschmacklich nicht unterscheidbare Nobelkaffeesorten anstatt des üblichen. Ein Glas Wasser zum Espresso gibt es natürlich nicht (gratis), das gibt es nur als San Pellegrino und muss als PET-Flasche separat erstanden werden.

Aber zurück zum Marketing.

Was hat man, ausser der tollen Vorzüge aus obiger Tabelle, überhaupt vom Starbucks Loyality-System? Vor allem Werbung. Alle paar Tage erhält man Ankündigung saisonaler Getränke ohne jeden Rabatt. Hin und wieder schenkt einem Starbucks aber:


  • Doppelte Sterne (regelmässig, aber nur an bestimmten Tagen zu bestimmten Zeiten)
  • Gratis Gebäck oder Getränk beim Kauf einer Packung Tee oder Bohnenkaffee (oft!)
  • 50% Rabatt auf Gebäck (selten) 
  • Neue saisonale Produkte kaufen, die noch nicht offiziell verkauft werden (sehr oft wenn nicht immer!)


Und genau deswegen ist das Cheap Marketing



Ich weiss ja nicht, ob Gold-Level-Member andere E-Mail Angebote kriegen, als Green-Level Member - ich hab noch nie 30 Sterne geschafft (vorher holte mich die Vernunft ein...), aber von diesen vier "Incentives", wie wir sie im Fachjargon nennen, geht für Starbucks kein einziges wirklich ins Geld. Schauen wir uns die einzelnen Goodies an:


  • Doppelte Sterne kosten nichts. Da sämtliche gesammelten Punkte nach genau 12 Monaten sowieso verfallen und es jenseits des Gold-Levels nichts mehr zu "gewinnen" gibt, ist das Risiko für Starbucks extrem Kalkulierbar. So who tf cares? Dass sich Doppelte-Sterne-Tage scheinbar häufen führe ich persönlich darauf zurück, dass viele Kunden säuerlich reagieren, wenn ihnen wiedermal die Punkte zusammen gestrichen wurden. Dann haben sie mit "Double Stars Days" die Möglichkeit, aufzuholen (wobei ja nur zwei Sterne pro Besuch statt einem - woooow...). Auch vermute ich, dass die Massnahme die Leute zuverlässig in die Läden zieht. Natürlich nicht die Gold Member, die haben eh nichts mehr von mehr Punkten.

  • Ein Gratis Gebäck beim Kauf (total überteuerten Tees oder Bohnenkaffees) belastet auch nicht eben das Budget. Ich schätze jetzt mal, da das Angebot fast immer gilt, dass Starbucks die Kunden nur mit diesem "Trade-off" zum Kauf ihrer Tees und Bohnenkaffees animieren kann. Wer benutzt heute eigentlich noch Bohnenkaffee?

  • Dann das billigste Instrument überhaupt - der vorgezogene Zugang zu neuen Produkten. Kostet Starbucks rein gar nichts. Die speziellen Zutaten (Pülverchen, Sirups) erreichen die Filialen wahrscheinlich 14 Tage vor effektivem Verkaufsstart, damit die Baristas üben können. Ein Kunde zahlt also fürs Übungsobjekt - perfekt für Starbucks: damit lässt sich sogar Profit aus der Trainingsphase schlagen und wenn der Drink nicht gelingt, hat man sogar eine charmante Entschuldigung dafür!


Man merkt es vielleicht - ich bin aus Konsumentensicht nicht eben ein Fan von Starbucks. Aus Marketingsicht holen sie mit ihrem augenscheinlich rein digitalen Approach aber ein Maximum aus minimalen Mitteln heraus. Dafür verdienen sie Respekt.

An dieser Stelle möchte ich übrigens meinen Artikel zum schmerzlosen Sparen empfehlen. Und zum Selbermachen von Kaffee. Have fun!



Samstag, 21. Januar 2017

Worüber unsere Kinder in 20 Jahren lachen werden

Verkehrs-Staus

Hoffentlich, hooooffentlich wird es in zwanzig Jahren keine Verkehrsstaus mehr geben. Die vielen Stunden, die wir seit Jahren in Staus verbringen, sollten der Vergangenheit angehören, wenn die Ära der selbstfahrenden Autos endlich angebrochen ist. Ich bin zuversichtlich, dass meine Kinder ihre Zeit nicht mehr dermassen sinnlos verschwenden werden müssen.

Siri, Cortana und andere dumme künstliche "Intelligenzen"

Ich persönlich denke, die grösste Veränderung von heute bis in zwanzig Jahren wird die Art sein, wie wir mit Computern interagieren. Heute passen wir uns weitestgehend an die Bedürfnisse der Geräte an. Wir lernen das 10-Fingersystem, die Gesten für Touch-Displays, merken uns Sprachbefehle. In Zukunft wird die Spracherkennung so perfekt sein wie in den Star Trek Raumschiffen. Zusätzlich werden Computer mitdenken und zuvorkommend sein.


Smartphones

Vor ziemlich genau zehn Jahren lancierte Apple das iPhone. Viele (auch ich) behaupteten zunächst, das Internet nicht auf einem so winzigen Bildschirm nutzen zu wollen. Damals sahen Websiten auf Handies aber auch beschissen aus. Heute nutzen wir Smartphones öfter als PCs. Wir könnten uns kein Leben ohne mehr vorstellen. In zwanzig Jahren werden unsere Kinder wohl lachen ab der Vorstellung, dass es Verkehrsunfälle gab, weil Leute in ihre iPhones gestarrt haben statt auf die Strasse zu achten. Stattdessen wird es leichte (=alltagstaugliche) Augmented-Reality-Brillen geben, die Umwelt und Virtuelles verschmelzen lassen.

Pass-Büchlein und Plastik-Identitätskarte

Ich wundere mich schon seit langem darüber, wieso man kein globales Identifikationssystem lanciert hat. Während einige Nationen biometrische Pässe verlangen und zusätzlich eigene biometrische Daten bei der Einreise erheben (USA), kann man bei andern mit einem "Fötzel Papier" einreisen (Lesotho). Es wird sicher noch eine Weile dauern, aber dann wird die Identifikation von Menschen anhand ihrer Biometrie (vermutlich dann DNA) Realität sein. Ähnlich wie in "Gattaca". Adieu Pass. (Hoffentlich nicht adieu Freiheit...)

Kundenkarten und (Treue-)Bons

Darüber lache ich leider heute schon, aber eine Alternative gibt es noch nicht. Hoffentlich kommt eine Einheitslösung, am liebsten nicht in Form einer neuen Karte oder iPhone App, nicht erst in zehn oder zwanzig Jahren.

Briefe und Papierrechnungen

Irgendwann werden Papierrechnungen auch für Firmen nicht mehr nötig sein. Dann wird sich die Post auf das Zustellen von Paketen fokussieren.

Flughafen Sicherheits-Checks zwischen 2001 und 2025

Dass man ins Flugzeug-Handgepäck fast keine Flüssigkeiten mitnehmen darf, hat technisch gesehen schon heute keinen echten Grund mehr. Man kann scannen, ob die Flüssigkeit Teil einer Bombe werden könnte. Der Grund für diese völlig übertriebenen Vorschriften wird wohl eher sein, dass die Passagiere Getränke und Snacks im überteuerten Bereich der Gates (nochmal) kaufen sollen. Oder an Bord. Ein riesen Pain-Point für jeden Reisenden und damit eine Chance für einen neuen Player im Transportwesen.

Die verschiedenen Währungen

Währungen gibt es, damit die einzelnen Staaten ihre Kaufkraft regulieren können. Das Problem vom Währungssystem, wie es heute existiert, ist auch eben das. Gäbe es nur eine Währung auf der ganzen Welt, würde ein Brot in Kalkutta einen zwanzigstel von einem Brot in Tokyo kosten. Und das wäre total in Ordnung. Mit neuen Währungen, die auf Blockchain basieren, werden wir (hoffentlich) in 20 Jahren zumindest unsere internationalen Transaktionen begleichen. Vielleicht auch die Alltagskäufe.

Online Dating

Kaum eine Branche verdient ihr Geld so leicht wie Dating Plattformen. Die Verzweiflung der Singles ist unerschöpflich und die Hoffnung auf "die Liebe des Lebens" stirbt nie. Ich prophezeie, dass es in zwanzig Jahren einen neuen Weg geben wird, zu daten, und der wird viel effizienter sein, als Dating-Portale (oder das offline Leben). Effizienter im Sinne von Glück aus Kompatibilität. Unsere Computer werden uns besser kennen und verstehen, als wir uns selbst, und uns damit Partner vorschlagen, die besser zu uns passen, als die, die wir uns aussuchen würden. Und wenn wir uns dann darauf einlassen, werden wir überrascht sein, wie glücklich wir sein werden. Weil unsere Computer werden auch die Eigenschaften von uns matchen, über die wir nie offen reden würden.

Und wenn wir schon bei "Dating" sind - Arbeitswelt

Es fängt beim Rekrutierungsprozess an: Seit der Industrialisierung (ab 1850!) werden Stellen vorwiegend im Vollzeit-Pensum (in 20 Jahren undenkbar!), mit festen Präsenzzeiten (!!), mit einem/einer Vorgesetzten/r, mit einem auf Jahre ausgelegten Stellenprofil und in definierten, festen, ziemlich unflexiblen Hierarchien geschaffen. 

Passt auch nur EINER der Faktoren nicht ins Lebenskonzept des Kandidaten oder Arbeitnehmers, ist er früher als später wieder raus. Das kostet die Wirtschaft extrem viel, jahraus jahrein. Je schneller man von diesen uralten Paradigmen los käme, desto schneller könnte man Kosten (u.a. bei HR-Leuten aber auch bei der Infrastruktur) einsparen, Know-How langfristig aufbauen und von Synergien profitieren. Ausserdem wären Mitarbeitende motivierter, gesünder und hätten mehr von ihrem kurzen Leben. Erste positive Zeichen der Veränderung sehen wir schon, aber es braucht jeden einzelnen von uns, um für unsere Kinder eine menschenfreundlichere Arbeitswelt zu schaffen.

Mittwoch, 14. Dezember 2016

Working Mom - der Kampf um eine angemessene Teilzeit-Arbeit

Um es vorneweg zu nehmen: Der Artikel gilt natürlich auch für Teilzeit-arbeitende Männer. Leider gibt es von ihnen nach wie vor zu wenige und meiner Meinung nach nur zum Teil aus guten Gründen. Den Artikel hier schreibe ich auch für Mamis, die keine andere Lösung sehen, als Vollzeit zu arbeiten, eigentlich aber lieber Teilzeit würden - und damit mehr Zeit für sich oder den Nachwuchs hätten.

Wie stellt man es an, Teilzeit zu arbeiten und trotzdem glücklich zu sein?

Ist es ein Widerspruch? Für mich kam mit dem Kind der bekannte Karriereknick. Genauer genommen kam er, weil ich mich entschied, Teilzeit zu arbeiten. Mein Arbeitgeber vor und während der Schwangerschaft akzeptierte nicht mal mein Angebot von 80%. Rückblickend muss ich sagen, zum Glück, denn ich hätte nach drei oder vier Monaten niemals wieder vier Tage die Woche arbeiten können. Mein Baby und ich waren viel zu abhängig voneinander. Es hätte mir das Herz aus der Brust gerissen. Also liess ich mir kündigen und bezog Arbeitslosengeld - ohne Scham!

Das ermöglichte mir schlussendlich 8.5 Monate Babypause. Ich konnte voll stillen und fand dann eine Position im 70% Pensum. Auch dann stillte ich noch ein halbes Jahr morgens und abends. Nach einem halben Jahr reduzierte ich auf 60%. Ich muss sagen - es war ein Fehler meinerseits, a) 70% gearbeitet zu haben, b) einen langen Arbeitsweg akzeptiert zu haben und c) hätte ich auch wissen sollen, dass eine Stelle, die zuerst als Vollzeit ausgeschrieben war und für mich dann "modifiziert" wurde, zu streng werden würde. Sie drücken dann nämlich einfach alle Arbeiten der Vollzeitstelle in eine Teilzeitstelle. Ohne Rücksicht. Aber dazu unten mehr.

Wenn man Teilzeit arbeiten will - zu einem angemessenen Lohn - dann ist man zu Kompromissen bereit.

In diesem wie auch in den meisten andern Ländern ist Teilzeitarbeit und Karriere leider ein Widerspruch. Ebenso für Männer wie für Frauen. Dass Frauen sich - einmal mehr - dennoch opfern und Kompromisse eingehen, ist ihnen hoch anzurechnen. Zusätzlich zu den Strapazen während und nach der Schwangerschaft sowie den körperlichen (auch permanenten) Veränderungen kommt auch die berufliche Umstellung hinzu. Manch eine erfährt erst jetzt, wie es ist, auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr als erste Wahl sondern eher "damaged goods" zu gelten. Man schreibt so viele Bewerbungen und kriegt Absagen am Laufmeter.

So. Aber wie geht frau am besten damit um? :)

1.) Überlege Dir gut, was Du wirklich willst.


Ja, es wird vermutlich ein Kompromiss sein. Deine Traumstelle gibt es mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht im Teilzeitpensum oder Jobsharing. Aber versuch trotzdem, zwei, drei Muss-Kriterien zu definieren und halte an ihnen fest. Warum? Weil es genug schwer sein wird, den Kompromiss in der Qualität / intellektuellen Herausforderung zu ertragen, wenn man beim Lohn auch klein beigegeben hat, einen langen Arbeitsweg in Kauf genommen hat und / oder nun ein Team voller Deutscher Grossmäuler ertragen muss.

2.) Bewirb Dich nur auf die Stellen, die Dich auch interessieren.


Alles andere ist einfach Zeitverschwendung. Wenn das RAV Dir 12 oder mehr Bewerbungen (AUF TEILZEITSTELLEN!? Die gibt es ja wie Sand am Meer!) aufgebrummt hat, lach drüber und mach, was alle Mütter in der Situation machen sollten: Investiere Deine wertvolle Zeit in gute Bewerbungen auf Stellen, die Dich a) interessieren (siehe 1.) und b) bei denen Du Dir realistischerweise Chancen ausrechnen kannst. 

Für die restlichen Bewerbungen rufst Du auf Stelleninserate an, die kein Pensum angegeben haben, und fragst, ob sie in Teilzeit verfügbar seien. Die Antwort ist praktisch immer Nein, aber es gilt als telefonische Bewerbung.

3.) Bewirb Dich spontan


Die Chancen sind zwar recht klein, aber je nachdem könntest Du damit mehr Erfolg haben, als mit Stellen, die ausgeschrieben sind. Warum? Gerade bei (Schweizer) KMUs, die wachsen, werden ab und zu (und zwar recht häufig) Stellen neu geschaffen. Der Vorteil einer neu geschaffenen Stelle ist, dass sie noch keine "Altlasten" trägt. Ein Rolle, die aus der Zusammenstreichung von drei andern Positionen und aus "Optimierungen" aus drei Reorganisationen entstanden ist, sollte man sich echt nicht antun - viel zu viel Arbeit, schlechte Stimmung, kein Entwicklungspotenzial.

Hör Dich also etwas rum, welche Firmen wachsen: Indizien sind viele ausgeschriebene Stellen oder dass sie regelmässig an Messen auftauchen oder ihre Leute an Kurse / Events schicken (Social Media monitoren). Muss eine Firma sparen, erlässt sie normalerweise als erstes einen Anstellungsstopp (= keine Stellen ausgeschrieben), reduziert Werbemassnahmen und streicht Kurse und Eventteilnahmen für die Mitarbeitenden. Sie verstummt.

4.) Wenn Du eine Stelle hast, die Dir nicht so gefällt, such unbedingt weiter!


Beim RAV wird einem gesagt, dass man bessere Chancen hat, eine Stelle zu finden, wenn man schon eine hat. Tendenziell stimmt das. Ich hatte aber schon mehrmals die Situation, dass ich eine Stelle nicht gekriegt hab, weil ich drei Monate Kündigungsfrist gehabt hätte - sie wollten nicht so lange warten. Sie stellten lieber jemand sofort verfügbares ein, auch wenn das bedeutete, dass die Person gerade arbeitslos war. Interessant, oder? Zweimal war übrigens ich diese Person, die sofort verfügbar war, und deshalb den Job kriegte.

Nun ist es so, dass im ersten Jahr in einer neuen Stelle meistens nur einen Monat Kündigungsfrist gilt, danach drei (oder im Kader sogar mehr). Merkst Du also im ersten Jahr, dass Du nicht so happy bist mit dem Job, dann such intensiv weiter. Ein Monat Kündigungsfrist ist ein echter Vorteil!

5.) Wenn Du eine Stelle hast, die Dir grundsätzlich gefällt, verhalt Dich ruhig! :)


Warum ich das betone? Weil ich (leider) mehrmals gesehen habe, dass sich die Frauen viel länger in einer Firma halten, die nicht meckern.
Es ist traurig und macht mich wütend, aber es ist halt ein Fakt... der faulste Kompromiss überhaupt, wahrscheinlich, aber so ist es nunmal. Darum rate ich Dir: Sag ja nichts, was Deine/n Chef/in sauer machen könnte. Widersprich ihm/ihr nicht, schon gar nicht vor andern, und sei so diplomatisch wie Du irgend kannst.

Ich hab in einer Firma gearbeitet, da laberte die Geschäftsleitung dauernd davon, dass sie Offenheit von den Leuten wollten. Dass man sich über Hierarchiestufen wegsetzen könne, wenn man Verbesserungsvorschläge hätte. Man organisierte auch dauernd Apéros (natürlich erst nach 17 Uhr damit ja die Freizeit drauf geht, nicht die Arbeitszeit) um eine "cozy" Atmosphäre zu schaffen. Leistung wurde weniger geschätzt, als labern. Wer mit allen "grün" war, konnte auch jedes Projekt verspätet erledigen, eine unterdurchschnittliche Verrechenbarkeit haben und für jeden Scheiss einstündige Meetings einberaumen.

Also: Wenn Du, liebe Mutter (lieber Vater), eine Teilzeitarbeitstelle gefunden hast, die wenigstens zwei, drei Musskriterien erfüllt, dann verhalte Dich ruhig. Sei dankbar. Sag Dir, dass Du Deine Verwirklichung (vorläufig) in der Familie gefunden hast und nimm es nicht so ernst, wenn irgendein Verlierer im Büro befördert wird, während man Deine Leistung übersieht. Lächle. Wirke ja nie zickig oder unzufrieden. Und wenn Du an zu viele Apéros (mit diesen Losern) musst (ja, musst...), dann kompensiere diese gestohlene Zeit einfach mit dem einen oder andern Krankheitstag. Denn ehrlich sagen, dass Du keine Lust auf Apéros hast, und auch nicht verpflichtet sein solltest, an ihnen teil zu nehmen, rächt sich. Glaub mir. Sie werden sagen, Du identifizierst Dich zu wenig mit der Firma. Ihrer Firma. Nicht Deiner. Also: Ehrlichkeit wird total überwertet.

Viel Glück auf der Suche und denk immer dran:






Sonntag, 23. Oktober 2016

Wenn LGBTI anderen Menschen schaden

Kurz-Post aus Verwirrung: Die SBB hat Anfang Oktober verlauten lassen, dass sie ein internes "LGBTI-Netzwerk" lanciert hätten. Grund: Schwule, Bisexuelle, Transmenschen und Intersexuelle (LGBTI) könnten auch in der heutigen Zeit noch nicht offen und selbstbewusst mit ihrer sexuellen Orientierung bzw. Geschlechtsidentität umgehen - am Arbeitsplatz.

Was ist das Problem? Ich verstehe es nicht. Kann mir jemand weiterhelfen? Was interessiert denn Deine Arbeitskollegen und -Kolleginnen Deine sexuelle Orientierung? Oder Deine Geschlechtsidentität? Muss es sie denn interessieren? Geht denn heute jede/r einfach mal so davon aus, dass es andere wirklich kratzt, worauf man steht oder als was man sich fühlt? Gehört das nicht möglicherweise ins Privatleben? Nicht ins Büro? Wo ziehen wir denn da heute die Grenze?

Ich bin hetero und ich wünsche mir seit Beginn meiner Karriere, man würde im Büro meiner Geschlechtsidentität weniger Beachtung schenken, als beispielsweise meiner Fachkompetenz. Dass man mich - vor allem am Arbeitsplatz - primär als Mensch behandeln und respektieren würde, anstatt als Frau. Ich gebe mir - mittlerweile automatisch - viel Mühe, im Büro meine weiblichen Reize nicht zu betonen, um möglichst wenig Anlass zu Oberflächlichkeit und Sexismus zu geben.

Ich wünsche mir ausserdem sehr, dass man sich an meiner Arbeitsstelle um Gottes Willen BITTE absolut gar nie Gedanken über mein Sexualleben macht. Noch weniger will ich mit irgendeinem Arbeitskollegen darüber sprechen. Dankeschön.

Ein Hetero-Intranet im Büro - betrieben von meinem Arbeitgeber - in dem sich Heteros über ihre sexuelle Identität austauschen könnten, empfände ich als krassen Rückschritt. Für uns alle, nicht nur die Frauen.

Also manchmal hab ich einfach schon den Eindruck, LGBTIs brauchen verdammt viel Aufmerksamkeit... und ihr Kampf darum, wahrgenommen zu werden, schade hin und wieder anderen (hart erkämpften) Entwicklungen.