Dienstag, 3. Oktober 2017

Stilvoll Nein sagen

Die meisten Frauen, die ich kenne, haben grosse Mühe damit, Nein zu sagen. Diese Fähigkeit ist aber elementar für jeden Menschen. Wer nicht Nein sagen kann, verliert früher oder später die Balance. Und den Respekt der andern. Leute, die nicht nein sagen können, werden häufig ausgenutzt oder landen in Situationen, in die sie sich nie hätten begeben müssen. Beruflich enden sie häufig in der Sackgasse.

Warum können Frauen oft so schlecht nein sagen?



Meiner Meinung nach hat es damit zu tun, dass wir in unserer Kindheit mit Liebesentzug oder anderen Strafen konfrontiert wurden, wenn wir es wagten, uns zu verwehren. Anstatt den Willen der Kinder zu respektieren und ihren Entscheidungen freundliche Konsequenzen folgen zu lassen (Buchtipp Integrative Erziehung), brachen unsere Eltern unseren Willen und zwangen uns zu unserem "Glück". Das führt einerseits dazu, dass wir "altmodisch" erzogene Kinder Ausweichstrategien entwickelten (mangelnde Konfliktfähigkeit), gänzlich resignierten (Ja-Sager) oder aggressiv / verhaltensauffällig wurden. Wobei letzteres noch die langfristig beste Variante ist, wie ich persönlich finde.

Ausweichstrategien führen im Erwachsenenleben dazu, dass man sich notwendigen Konflikten nicht stellt. Auch denen mit sich selbst. Ja-Sager werden häufiger depressiv, denn sie haben sich irgendwo auf dem Weg selber verloren. Ihnen kann auch kaum jemand helfen. Andere entscheiden zwar nur zu gern für Ja-Sager, wissen aber nicht wirklich, was diese brauchen oder wollen. Das weiss nur jeder selbst.


“I knew that if I allowed fear to overtake me, my journey was doomed. Fear, to a great extent, is born of a story we tell ourselves, and so I chose to tell myself a different story from the one women are told. I decided I was safe. I was strong. I was brave. Nothing could vanquish me.” 

Frauen können speziell schlecht nein sagen, weil sie zu braven, angepassten, harmoniesüchtigen Wesen erzogen werden. Ihnen wird dann auch ein Leben lang gepredigt, dass ihnen Protest und Widerworte arg schlecht stehen. Anders als Männer fühlen sich Frauen um ein vielfaches schlechter (und schuldiger!) wenn sie nein sagen, wenn sie sich für ihre Sache einsetzen, wenn sie Freiraum und Selbstverwirklichung fordern. Sie werden extreeeem schnell als egoistisch, arrogant oder narzisstisch betitelt und ausgegrenzt - auch von andern Frauen!

Rein rational gesehen verlangt die Frau im Einzelnen nicht mehr, als der Mann.

Nicht klein beigeben, stark bleiben

Die meisten Frauen lenken dadurch - vor allem in jungen Jahren - häufig eher einmal ein, anstatt einen Konflikt durchzustehen. Ihnen schlägt einfach so viel Hass und Intoleranz entgegen - viel mehr als männlichen Kollegen in derselben Situation - dass sie halt aufgeben und die Faust im Sack machen. Was sie dann aber noch nicht wissen: Einlenken macht es auch nicht besser.

Wer es versäumt, sich im entscheidenden Moment abzugrenzen, verschiebt den Konflikt nur auf später - oder frisst ihn so lange in sich hinein, bis er implodiert oder depressiv wird. Symptome von unausgetragenen Konflikten und damit einhergehender konstanter Unzufriedenheit sind:
  • Schlaflosigkeit
  • Unruhe
  • Appetitlosigkeit (bei Depression)
  • Übermässiger Appetit (bei Wut)
  • Unsicherheit
  • Konzentrationsstörungen
  • Antriebslosigkeit (bei Depression)

Das Leben, meine Lieben, ist doch verdammt noch mal zu kurz dafür, oder?

Die eigene Kindheit kann man nicht mehr ändern, die Taktik von heute aber schon.


Es ist so - wenn die "Lehre" aus der Kindheit sehr tief sitzt, wenn man es trotz grosser Mühe nicht schafft, offen Nein zu sagen, dann sollte man lernen, stilvoll nein zu sagen. So stilvoll, dass es der andere im ersten Moment gar nicht bemerkt, zumindest aber es nicht als Steilvorlage für einen Streit ansehen kann. Viele schwierige - vor allem all zu emotionale - Konflikte lassen sich so vermeiden.

Nein sagen wie die Engländer

Die Engländer haben das stilvolle Neinsagen wahrlich kultiviert. Ein Volk, das seine Kinder auch ausserordentlich streng erzieht, scheint auch "Coping Strategien" hervorgebracht zu haben. In England gilt das Zeigen von Emotionen - sei es Trauer, Wut oder Aufregung - als Schwäche. Das hilft denjenigen, die Mühe haben mit offenen Konflikten. Denn selbst wenn sich das Gegenüber wahnsinnig aufregt; es darf es, wenn es Haltung wahren will, niemals offen zeigen! Wunderbar! Keine Szenen mehr im Restaurant!

Welche Englischen Floskeln wir zum Neinsagen verwenden können

"Ich höre, was du sagst." Oder "Ich verstehe, was du meinst." Diese Floskel (I hear what you say) bedeutet in England, dass man den Standpunkt des andern zwar akzeptiert, aber seine eigene, abweichende Meinung beibehalten wird. Ein Mittel- oder Südeuropäer, sagst du jetzt vielleicht, versteht den Wink nicht, das ist wahr. Aber dann kannst du ja noch deutlicher werden, ohne ihn zu provozieren:

"Ich werde darüber nachdenken." Das bedeutet: "Ich nehme deinen Wunsch zur Kenntnis, werde dir aber später mitteilen, dass ich ihm nicht nachkommen werde." (Oder nicht.) Damit vermeidet man eine Diskussion zum jetzigen Zeitpunkt, bestenfalls auch später. Wenn man sich entschieden hat, und seine Meinung nicht mehr ändern wird, aber weiss, dass das Gegenüber nicht locker lassen wird (die Diskussion könnte noch Stunden dauern), dann kann man mit diesem Satz manchmal das Thema wechseln und später aus der Distanz absagen.

"Das sollten wir unbedingt irgendwann einmal." (Yes, we definitively must...) Heisst in Wahrheit: Auf keinen Fall möchte ich / habe ich Lust das irgendwann einmal zu tun. Meiner Meinung nach verstehen diesen Wink heutzutage auch Zentraleuropäer. Manchmal wird dieser Satz mit: "So schön, machst du mir einen Terminvorschlag?" gekontert. Dann kannst du leider davon ausgehen, dass du nicht in deinem Sinne verstanden wurdest. Nicht dein Fehler. Sag einfach: "Sehr gern" und wechsle das Thema. Die Person wird es dir vielleicht übel nehmen, wenn du dich nicht mehr deswegen meldest, aber entweder bedeutet sie dir eh nicht so viel und ihr geht getrennte Wege, oder du machst ihr bald einen Vorschlag, der dir besser gefällt. Beides valable Optionen.


Viel Höflichkeit wirkt viel

Was die Engländer auch gemeistert haben: Die überschwängliche, blumige Höflichkeit. Die meisten automatischen Antwort-E-Mails beginnen mit "Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, unseren Kundendienst zu kontaktieren. Wir schätzen Ihre Geduld und Ihr Vertrauen blablabla und werden und schnellstmöglichst blablabla". Wie höflich!

Als Schweizerin habe ich heute noch Mühe mit solchen Sätzen, ob am Telefon oder in E-Mails. Ich fühle mich meistens um meine Zeit betrogen, die es braucht, den Scheiss zu lesen, bis ich zur essentiellen Information komme. ABER: Studien haben ergeben, dass diese Sätze effektiv besänftigend wirken.

Bevor wir also nein sagen - natürlich stilvoll - bedanken wir uns immer und sehr höflich!

Und dann bringen wir die Höflichkeitslüge (auch "Notlüge", aber eben höflich). Selber hab ich die Lüge extrem oft angewandt, in bestimmten Bereichen aber irgendwann einmal gemerkt, dass sie nicht ans Ziel führt. Zum Beispiel bei Verehrern. Von ihren Hormonen benebelt entgeht ihnen auch der deutlichste Wink mit dem Zaunpfahl. Bei ihnen helfen allerdings auch Floskeln nicht, sondern die "Not my cup of tea" Taktik (siehe weiter unten) oder die Hardcore-Variante des Neinsagens-und-Schweigens (ganz unten).

Die Höflichkeitslüge eignet sich aber gut bei den Eltern des Partners (die die andern Floskeln ignorieren), bei Arbeitskolleginnen, die etwas schwer von Begriff sind, oder bei Nachbarn. Allgemein: Bei allen Leuten, mit denen es man sich nicht verscherzen, die man aber nicht so häufig treffen will, wie sie einen selbst.

Statt also ehrlich zu sagen, dass man den andern nicht treffen möchte (mit oder ohne Begründung), sagt man einfach, man hätte - leider - schon etwas vor. Respektvollerweise sollte man sich an die Lüge erinnern, falls der Belogene später nachfragt.

Not my cup of tea Taktik

Diese Taktik ist im Prinzip nicht wirklich Taktik, sondern ein "Nein" verharmlost mit der eigenen (vorgegaukelten) Indifferenz. "Tut mir leid, aber davon verstehe ich leider wirklich überhaupt nichts" oder "Entschuldige, aber da musst du glaube ich mit jemand anderem darüber reden, ich hab keine Ahnung."



Man begründet einfach, dass man sich für die vorgeschlagene Tätigkeit / die vom andern geäusserte Meinung / dem Vorschlag xy nicht interessiere respektive sich noch nie damit auseinander gesetzt habe und es im Moment auch nicht vorhat.

Das Gegenüber kann darauf wenig entgegnen. Was will es schon machen? Es könnte das Thema noch stärker propagieren, würde aber bald merken, dass das nichts an deiner Einstellung ändert. In Wahrheit hast du ja eine Meinung dazu, du willst sie einfach nicht diskutieren. Das Resultat seinerseits dürfte Resignation oder Langeweile sein. Beides recht, solange wir das Thema nicht vertiefen müssen. Indifferenz wird einem so gut wie nie vorgeworfen, denn keine Meinung zu haben ist ein Zustand, keine Meinung an sich. Die Angriffsfläche ist zu klein. Hingegen favorisiert man die "falsche" Fussballmannschaft / Partei, ist eine unschöne Unterhaltung oft vorprogrammiert.

Nein sagen durch Themawechsel


Auch das beobachte ich relativ selten, ist aber unter Umständen auch effizient. Statt sich mit Floskeln rauszuwinden, legt man einen mehr oder weniger eleganten Themawechsel hin. Ein eleganter Wechsel wäre etwa, bei einem verwandten Thema weiterzumachen, ein abrupter Wechsel tut es zur Not aber auch. In letzterem Fall merkt das Gegenüber unter Umständen einfach, dass man das Thema nicht weiter vertiefen möchte, und ist ggf. etwas gekränkt.

Hier darum fünf Arten, subtil das Thema zu wechseln:


  1. Sich kurz auf die Toilette entschuldigen, beim Zurückkommen sofort eine Frage (zu einem anderen Thema) stellen.
     
  2. Kompliment in Frageform machen: "Wie kommt es, dass du so viel über dieses Thema weisst?" Leute lieben Komplimente und sie lieben es, über sich selber zu reden. Komplimente in Frageform lenken zuverlässig vom eigentlichen Thema ab.
     
  3. Andere Leute ins Gespräch integrieren: Wenn du auf eine Frage nicht antworten möchtest, beantworte eine andere (vielleicht vorangegangene (nochmal)) und frage die umstehenden Leute, wie das bei ihnen aussieht. Etwas offensichtlich, vielleicht, aber effektiv. Sobald die anderen sich in die Konversation einklinken, wird es schwer für den (Aus-)frager, wieder auf die eigentliche Frage zurück zu kommen.
     
  4. Wenn dir das Thema gerade nicht passt, picke ein einzelnes Wort aus dem Satz und leite zu einem Thema über, das dir mehr zusagt. ("Gestern habe ich Gisela mit Henriette beim Golf gesehen, sie haben über dich gelästert." "Ich wollte auch schon lange wieder einmal Golf spielen, was für eine wunderbare Sportart. Da fällt mir ein, meine Ausrüstung blablabla...")
     
  5. Eine Brücke machen. Beispiel: Auf eine kritische Frage ("Hast du viel zu tun? Hättest du gerade noch etwas Kapazität?") zunächst unverfänglich antworten ("Ja, die Arbeit geht einem hier nie aus, oder?") und dann gleich zu einem anderen, verwandten Thema wechseln ("Verwendest du auch den Outlook Kalender, um die Arbeit möglichst gut zu planen?").

Natürlich können die einzelnen Methoden auch kombiniert werden.

Wenn es hart auf hart kommt

Es wird die Situation kommen, in der dich dein Gegenüber mit nichts vom Haken lassen wird. Er wird dir ins Gesicht sagen, dass du das Thema gewechselt hast, oder ihm ("jetzt") seine Frage aber noch nicht beantwortet hast. Vielleicht wird er eine künstliche Pause einbauen - falls er erst die Umstehenden loswerden will - und hartnäckig bleiben.

In diesem Falle musst du meistern, was wir alle im Leben unbedingt meistern müssen: Bestimmt Nein sagen. Mein Rat an alle, die das noch nicht können, ist, in dieser Reihenfolge: "Fristerstreckungs"-Taktik, Mentales Training, praktische Übung.

Fristerstreckungs-Taktik


Bei mir war es oft so, dass mich Leute mit ihren Fragen oder Wünschen überraschten. Schlecht vorbereitet ist es noch schwieriger, stilvoll Nein zu sagen, als wenn man die Frage / den Wunsch kommen sieht. Darum in solchen Situationen den folgenden Satz parat haben:
"Ich bin gerade mitten in einer komplizierten Aufgabe, kann ich in zehn Minuten auf dich zurückkommen?" Oder "Ich muss dringend kurz austreten, komme nachher gleich zu dir."



Zehn Minuten schlägt einem keiner ab. In zehn Minuten kann man sich zwanzig Sätze zurechtlegen, in denen man stilvoll Nein sagt. Zehn Minuten können entscheidend sein, man sollte sie sich immer herausschlagen und sich nie überrumpeln lassen.

Mentales Training


Wiederholen sich gewisse Situationen (eine Arbeitskollegin bittet einen immer um dieselben Gefallen, die man eigentlich nicht leisten möchte, ein Chef will einen micromanagen, aber man will das nicht zulassen), kann man sich mental auch vorbereiten und sich Argumente zurechtlegen. Man kann Gespräche mit Leuten, die man schon gut kennt, auch mental führen - in verschiedenen Varianten. Mentales Training hilft, sich in heiklen Gesprächen nicht ganz aufgeschmissen zu fühlen.


Praktische Übung


Ans Neinsagen kann (und muss) man sich gewöhnen. Je öfter man es macht, desto schneller wird einem bewusst, dass es gar nicht so schlimm ist. Üben kann man das zum Beispiel am Telefon, wenn einem ein ausgebildeter Verkäufer ein Zeitschriften-Abonnement verkaufen will. Diese Verkäufer beherrschen die so genannte "Einwandbehandlung". Sie wenden alles an, was sie können, um einen zu überreden. Da es hier nicht drauf ankommt, kannst du verschiedene Arten, nein zu sagen, ausprobieren - von freundlich bis fies.

Neinsagen-und-Schweigen




Auch schlage ich vor, das unbegründete Neinsagen zu üben. Man begründet (ab einem gewissen Punkt) nicht mehr, warum man etwas nicht will. Man sagt einfach "nein" und schweigt. Schweigen und sich anstarren lassen ist verdammt schwer, aber kann auch sehr spannend sein. 

Schlussendlich geht es hier um Abgrenzung. Etwas nicht wollen ist ein Grundrecht. Dein Grundrecht. Nutze es.

Viel Erfolg!








Donnerstag, 28. September 2017

Tipps für einen ergonomischen, gesunden Arbeitsplatz

Wie viele Leute kennst du, die über Kreuzschmerzen, Bandscheibenvorfälle oder andere Rückenprobleme klagen? Wie viele davon sind unter 40? Und wie viele von denen arbeiten in Büros? Der Mensch ist weder für stundenlanges Sitzen noch Stehen gemacht. Heute meine Tipps, wie man seiner Gesundheit Sorge tragen kann.


Wenn du, wie viele, die meiste wache Zeit der Woche sitzend an deinem Büroarbeitsplatz verbringst, hast du dir vielleicht auch schon Gedanken über Ergonomie gemacht. Falls nicht: Solltest du aber. Du hast nur den einen Körper. Trage ihm sorge. Solange es den meisten Büroarbeitern noch nicht frei steht, wo, wie oder wann sie arbeiten, müssen wir uns wenigstens punkto Ergonomie durchsetzen.

Einen kaputten Rücken reparieren ist beinah unmöglich. Hier also die essentiellen Tipps, wie man mit der richtigen Arbeitsplatz-Einrichtung und vor allem der richtigen Einstellung seiner Gesundheit einen grossen Dienst erweisen kann.

Optimale Einstellung des Arbeitsplatzes:


Klicken zum Vergrössern

Schlechte Einstellung (blaue Kreise markieren die Problemstellen):




Bestehe auf einen guten Stuhl

Ein guter Bürostuhl ist einer, der auf deine Grösse, dein Gewicht und deine anderweitigen Präferenzen eingestellt werden kann. Folgende Eigenschaften bringt ein guter Bürostuhl mit:

  • Die Sitzhöhe kann so eingestellt werden, dass du deine Füsse flach auf den Boden stellen kannst.
     
  • Die Sitztiefe kann so eingestellt werden, dass dein Rücken bequem von der Rückenlehne gestützt wird, ohne dass dein Kreuz "durchhängt". Die falsche Sitztiefe und damit falsche Haltung führt bei vielen Leuten zu Kreuzschmerzen!
     
  • Der Widerstand der Lehne / Wippe kann auf dein Gewicht eingestellt werden. Dies ist wichtig, denn wenn der Widerstand zu hoch eingestellt ist, "kämpft" dein Rücken permanent gegen die Rückenlehne und verkrampft sich. Natürlich ist ein Wippmechanismus optional, wenn man die Rückenlehne in der gewünschten Position arretieren kann.
     
  • Ob mit oder ohne einstellbare Lordosestütze, die Lehne soll dein Kreuz optimal stützen (sehr wichtig, wenn du ein hohles Kreuz hast).

Quizz-Frage: Kann dein aktueller Stuhl das? Wenn nicht, besorg dir einen besseren! Entweder fragst du im Büro nach, ob du einen andern kriegen kannst (begründe mit Rückenproblemen, auch wenn du noch keine hast), oder nimm halt einen eigenen mit. Wenn du deinen guten privaten Bürostuhl nicht hergeben willst, überlege dir einmal: Wo sitzt du länger und öfter auf deinem Stuhl, an deinem Heimarbeitsplatz oder im Büro? Oder kauf dir einfach je einen guten Stuhl. Bei deiner Gesundheit darfst du nicht sparen. Notfalls kannst du dir auch vom Hausarzt ein Rezept ausstellen lassen. In vielen Firmen kriegt man dann nicht nur einen besseren Stuhl, sondern auch ein Stehpult.

Wo kriege ich einen guten Stuhl?

Nach jahrelanger Recherche muss ich dir leider sagen: Nicht bei IKEA. Ein ganz übles Modell von IKEA, das ich hatte, ist SKRUVSTA. Er sieht fancy aus, lässt sich aber nur in der Höhe verstellen. Auch bei allen anderen IKEA Bürostuhl Modellen hat man mehr an Design als Ergonomie gedacht. Modelle wie LÅNGFJÄLL oder MARKUS - beide unter CHF 200.- zu haben - können nicht richtig eingestellt werden. Das heisst aber nicht, dass du über 1000.- für einen Steelcase ausgeben musst.

Giroflex 434

Der Giroflex 434 für ca. 400.- ein ergonomisches, qualitativ hochwertiges Modell, das sich optimal einstellen lässt. Ein neues Giroflex Stuhl kommt auch immer mit fünf Jahren Garantie. Ein bisschen teurer aber mit noch mehr Einstellmöglichkeiten und einer Kopfstütze ist der Giroflex 353 für ca. 729.- (Ich persönlich brauche aber keine Kopfstütze...)

So oder so empfiehlt es sich, den Stuhl ausgiebig probezusitzen, bevor du ihn kaufst. Du wirst darauf schliesslich fast genau so viel Zeit verbringen, wie auf deiner Matratze.

Stelle deinen Stuhl gut ein

No-brainer: Es bringt nichts, auf einem guten Stuhl zu sitzen, aber ihn nicht richtig einzustellen. :) Trotzdem scheinen viele gar nicht zu wissen, wie sie ihren Stuhl einstellen können oder nehmen sich nicht die Zeit dazu. Grosser Fehler. Mache dich mit deinem Modell vertraut und spiele damit herum, bis es passt. Wo verschiedene Leute denselben Arbeitsplatz benutzen, ist das halt eine wiederkehrende Aufgabe, aber mit der Zeit wirst du schneller damit. Es lohnt sich!

Sitze weniger! Motto: So lange wie nötig, so kurz wie möglich

Niemand erwartet von dir, dass du den ganzen Tag mäuschenstill an deinem Arbeitsplatz sitzt. Dein Kopf funktioniert in jeder Körperstellung. Falls du doch das Gefühl haben solltest, dass man von dir Stillsitzen erwartet (ja, es gibt solche Firmen / Chefs immernoch), wie in der Schule früher, lass dir eines gesagt sein: Deine Gesundheit ist wichtiger, als Pflichtgefühl.

Deine Gesundheit ist auch wichtiger, als die Meinung deines Chefs oder die allgemeine Firmenkultur. Klingt etwas unbequem? Könntest dich unbeliebt machen? Mit fünfzig wird dir ein gesunder Rücken sicher mehr wert sein, als dass du vor zwanzig Jahren beliebt fürs Stillsitzen warst.

Bewege dich - mach Sitzungen zu Stehungen
 

Die gesündesten Kollegen (= keine Rückenschmerzen, kein Übergewicht, weniger Verspannungen) sind die, die am häufigsten in den Gängen anzutreffen sind. Im Schnitt, schätze ich, stehen die alle 20 Minuten auf und wenn es nur ist, um kurz ein Glas Wasser zu holen. Bevor du also das nächste Mal ein E-Mail an einen Kollegen schreibst / zum Hörer greifst, steh auf und frag ihn persönlich. Oder geht gleich zusammen einen Kaffee trinken. Wenn du ein Meeting planst, plane es nicht im nächstgelegenen Sitzungszimmer, nimm eins am andern Ende des Gebäudes.


Auch ausprobieren solltest du, gewisse Besprechungen als Spaziergang zu konzipieren. In vielen Meetings muss man etwas auf dem Bildschirm zusammen anschauen, oder Notizen machen, aber in vielen hält sich das stark in Grenzen. So stark, dass man auch ein Tablet und einen Notizblock auf einen Spaziergang mitnehmen könnte. Probiere es einfach aus und schau, wie die Reaktion deiner Arbeitskollegen darauf ist. Ihr könnt auch mit einem Spaziergang durch das Firmengebäude beginnen, dann sieht es mehr nach dem aus, was es ist: Arbeit.

Stell dir deinen Körper wie einen jungen Hund vor, der geduldig unter deinem Schreibtisch darauf wartet, endlich wieder raus zu können.

Mach Pausen

Obwohl verpönt, gibt es in vielen Schweizer Firmen eine "Znünipause" und eine "Nachmittagspause" um ca. 15 Uhr. Je nach Betrieb dauert die bis zu einer halben Stunde. Wenn das bei dir nicht möglich ist, etwa dank eines Micromanager Chefs, setze dir wiederkehrende, fixe Kurzpausen-Alarme auf deinem Telefon oder Computer. Wenn du mitten in einer schwierigen Aufgabe bist, snooze den Alarm, schalte ihn aber nicht komplett ab. Sobald du fertig bist mit dem aktuellen Task, hol die Pause nach. Und wenn es nur zwei Minuten vors Gebäude treten und frische Luft schnappen ist.


Schreibtisch / Stehpult


Abwechselnd stehend oder sitzend arbeiten erachtet man heute als optimal für den Körper von Büroarbeitskräften. Regelmässige Bewegung wäre natürlich besser, denn herumstehen ist auch nicht eben gut, wie Verkaufspersonal in Läden weiss. Wer im Büro kein Stehpult hat, sollte zunächst einmal seinen Schreibtisch auf die perfekte Höhe für sich einstellen. Das geht nicht mit allen, aber mit vielen Schreibtischen - mit hilfe eines Schraubenziehers / Imbus-Schlüssels. Frag einfach den Hausmeister oder nimm die Werkzeugkiste mit. Selbst ist die Frau.

Dann kann man sich auch nach "öffentlichen" Theken oder frei stehenden, tiefen Gestellen umsehen. Man kann seinen Laptop meistens kurz dorthin mitnehmen und zehn, zwanzig Minuten stehend arbeiten. Auch das ist reine Gewöhnungssache, aber mit positivem Effekt auf deine Gesundheit.

Wenn dir dein Arbeitgeber übrigens kein Stehpult zur Verfügung stellen will oder kann, dann solltest du prüfen, ob du nicht selber eins kaufen willst. Bei IKEA gibt es in der Tat gute, aber wähle das elektrisch verstellbare. Das mit der Kurbel wird dir schnell zu mühsam sein. Ausserdem lässt sich letzteres nicht auf eine tiefere Sitzhöhe einstellen - gerade für kleinere Personen mit niedriger Sitzhöhe wichtig, um verspannte Schultern und Nacken zu vermeiden. Die meisten nicht verstellbaren Schreibtische scheinen für Männer gebaut worden zu sein und haben eine Tischhöhe von 75cm (was zu hoch ist für Personen bis 1.75m).

Zum Abschluss - mach es bitte nicht wie die Engländer

In England herrscht eine Arbeitskultur vor, die ich absolut nicht empfehlen kann. Wahrscheinlich auch in Japan, aber England ist näher. :) Die Arbeiter tauchen morgens zwischen acht und neun im Büro auf, sitzen dann den ganzen Tag - auch Mittags! - an ihren Schreibtischen und verlassen das Büro erst nach 18 Uhr. Ein trauriger Zeuge dieser Arbeitskultur ist der Bilderblog saddesklunch.com mit Fotos der Mittagsmahlzeiten dieser bemitleidenswerten Wesen.



Ich hab keine Ahnung, warum die sich das antun, ob sie denken, dass das noch produktiv ist. Oder ihnen im Alter irgendjemand dafür dankt. Aber bitte, bitte, werde nicht wie die Engländer.

Mittwoch, 27. September 2017

Wohlfühl-Tipps für den Herbst

Wenn die Tage kühler, kürzer und dunkler werden, verspüre ich den Drang, das Zuhause etwas umzugestalten. Nach der gähnenden Leere im Sommer sind in den Möbelläden jetzt die neuen Kollektionen aufgebaut. Aber nicht nur Möbel und Accessoires schaffen Gemütlichkeit! Hier meine Herbst-Tipps fürs rundum Wohlfühlen.

Musik


Nichts wirkt so schnell, wie gemütliche Musik. Ich empfehle ein bisschen Funk, Soul und RnB zum Beispiel die Sammlung Soul Breakout'60.


Kuschel-Klamotten


Jaaaa, eins meiner Lieblingsthemen. Aber es ist nunmal so - am nächsten ist einem die eigene Haut, respektive gleich danach die Kleider am Leib. Zuhause geht es nicht darum, möglichst stylish auszusehen, sondern sich wohl zu fühlen. Darum empfehle ich folgende Lieblingsstücke für diesen Herbst:




Kerzen und Raumdüfte


Ich hab eine sehr sensible Nase und mag insbesondere penetrante, süsse und künstliche Düfte überhaupt nicht. Eins meiner Hobbies ist darum, auserlesene Raumdüfte zu finden. Hier meine Empfehlungen:

oOumm, Paris - Duftnoten "Tauri", "Mu virginis" oder "Cor Caroli". Die Duftkerzen nennen sich bei oOumm "Capsules" und kosten mit ca. € 60.- eher viel. Die Düfte sind aber der Hammer.

Millefiori via brera Kollektion, die Düfte "cristal" oder "earl grey" sind sehr angenehm. Als Raumduft oder Duftkerzen erhältlich.


Cheminée


Die wenigsten haben das Glück, ein echtes Cheminée zu besitzen. Feuerstellen werden denn aber auch seltener benutzt, weil schmutzig und aufwändig.

Eine coole Alternative stellen so genannte Bioethanolkamine oder "Tischkamine" dar. Sie sind hübsch, geruchlos und russfrei, brennen je nach Ausführung eine bis mehrere Stunden und verlöschen irgendwann von selbst.

Auch gibt es mittlerweile TV-Möbel mit eingebautem Tisch-Cheminée, z.B. hier. Feuerstellen eignen sich natürlich am besten für Haushalte ohne Haustiere und Kleinkinder. Wem es zu "heiss" ist, der kann sich auch ein YouTube Video mit Cheminée-Feuer am TV laufen lassen.

Wohlfühl-Essen

Entrée - Crevetten-Spiess auf Salat

Zutaten / Zubereitung
  • 1-2 Crevettenspiess (bio) mit Salz, Pfeffer und Chilli würzen, in wenig Öl beidseitig ca. 1min braten. Mit Zitronensaft beträufeln.
  • Bruno's Sauce Italienisch (Coop) mit 1/2 gepressten Knoblauch mischen, mit Misch-Salat und Spiess anrichten.
Dazu passt ein Weisswein, z.B. Rueda DO Marqués Riscal (Coop) oder der Champagner Colligny Père & Fils demi-sec (Denner).

Hauptgang - Kürbis auf Vollkorn-Spaghettini



Zutaten (für eine Person):

  • 200g Kürbis (fertig gewürfelt im Kühlregal oder tiefgefroren erhältlich!)
  • 150g Bio Vollkorn-Spaghettini (meine Lieblingssorte im Migros)
  • 1 kleine Zwiebel
  • 2 Knoblauchzehen
  • 1 kleine Chilli oder Chillipulver
  • 1/3 Bund Petersilie
  • Öl zum braten
  • 1.5dl Bio Kräuter-Bouillon
  • Kürbiskernöl
  • Salz, Pfeffer


Zubereitung:

  • Kürbis in ca. 2cm breite Würfel schneiden
  • Zwiebel, Knoblauch und Chilli in Streifen schneiden und in wenig Brat-Öl 1 Minute dünsten. Kürbiswürfel dazu geben und drei Minuten weiter dünsten. Mit Bouillon ablöschen, auf kleiner Hitze ca. 6 Minuten zugedeckt köcheln lassen. Dann mit Salz und Pfeffer (und Chillipulver) abschmecken.
  • Spaghettini in reichlich Salzwasser al Dente kochen.
  • Petersilie waschen, hacken und unter den Kürbis mischen.
  • Alles in eine Schüssel geben und mit wenig Kürbiskernöl vollenden.


Dessert - Mini Windi's au chocolat

Tja, was gibt es besseres, als ein Dessert, das man nur noch aus dem Tiefkühlfach nehmen muss (20 Minuten vor Genuss)? Hehe. Aber Achtung, sind ziemlich kalorienreich. ;-) Im Migros erhältlich









Herbst-Mobiliar und Dekoration


Mit Herbst-Putz meine ich auch weniger das Putzen als das Umdekorieren der Wohnung. Jetzt finden bei mir coole Kürbisse den Weg auf den Esstisch. Ich kaufe sie direkt beim Bauernhof, gibt's aber auch in allen Supermärkten. Auch schön sehen Nüsse (Walnüsse, Kastanien) und natürlich (heimische) Blumen dazu aus.

Weitere Ideen:


Auf einen kuscheligen Herbst!

Montag, 21. August 2017

Die perfekte Bewerbung schreiben - oder wie man HR-Bots bedient

Kurz nach meinem letzten Post übers Decodieren von Stelleninseraten las ich kürzlich einen Artikel über die Art, wie man heutzutage Bewerbungen formulieren soll, respektive eben nicht. Die Vorschläge fände ich an sich gut, jedoch weiss ich aus guter Quelle (Kollegin arbeitet als HR Fachfrau), dass das Bewerbungsschreiben nur etwa zu 5% beeinflusst, ob man eingeladen wird. Also was macht heute die perfekte Bewerbung aus?

Ganz nach meinen Grundwerten Pragmatismus und Effizienz, gebe ich den einzelnen Bestandteilen einer Bewerbung Punkte, die man damit beim HR-Menschen maximal holen kann. Dementsprechend sollte man in diese Bestandteilen mehr oder weniger Zeit investieren.


  1. Relevante Berufserfahrung (hervorgehoben) aka Übereinstimmung mit Stichworten (Bot-Match) - 50%
  2. Verfügbarkeit - 15%
  3. Kostenfaktor - 10%
  4. Allgemeine Risikofaktoren (identifiziert oder vermutet) - 10%
  5. Foto - 5%-10%
  6. Form (korrekte Schreibweise, Strukturierter Aufbau, Design) - 5%
  7. Bonus: Zeugnisse - 5%


Im Detail nach absteigender Wichtigkeit:

Relevante Berufserfahrung aka Bot-Match - 50%


HR muss unter den vielen, vielen Bewerbungen die maximal zehn passendsten Dossiers herauslesen und der Linie präsentieren. Primär entscheidet die für die Stelle relevante Berufserfahrung, ob man in die Selektion kommt. Entweder bewirbst du dich also nur für Stellen, für die deine Erfahrung perfekt passt, oder du spekulierst darauf, dass deine Persönlichkeit die mangelnde Erfahrung ausgleichen wird, und machst deinen CV passend. So oder so müssen sämtliche im Inserat erwähnte geforderte Erfahrungen und Skills abgedeckt sein und EXAKT so heissen, wie im Stelleninserat. Heutzutage lesen die HR Leute die Bewerbungen nämlich nicht mehr selber, sondern lassen sie von einem Bot scannen. Dieser spuckt dann genau die Dossiers aus, die am meisten Worte enthalten, die im Inserat vorkommen. Allenfalls gibt der HR-Mensch noch zusätzliche Worte ein (semantische Suche), ich würde aber nicht darauf wetten. Personaler finden nämlich immer, sie hätten zu viel zu tun, und überlassen die Arbeit gern andern.

Mit 50% Chance fällst du bei dieser ersten Selektion auch durch, wenn alle Stichworte passen. Also vergib dir diese Möglichkeit nicht, wenn du den Job unbedingt willst. Denke auch daran, dass die meisten Bewerber heute flunkern, was das Zeug hält, weil der Arbeitsmarkt so angespannt ist.

Verfügbarkeit - 15%


Wird immer als erstes abgeklärt und dazu gehört natürlich auch eine gültige Arbeitserlaubnis im Land.

Die Wichtigkeit der Verfügbarkeit zeigt sich auch daran, dass selbst wenn die Information bereits deutlich im Dossier stand, es der HRler beim Telefonscreening noch einmal verifiziert. Er hat die Stelle so schnell wie möglich zu besetzen. Immer. Je eher ein neuer Kandidat anfangen kann, desto besser. Da es so viele Kandidaten hat, die - leider - oft austauschbar sind, macht die Verfügbarkeit einen entscheidenden Unterschied.

DARUM: Behaupte immer, einen Monat Kündigungsfrist zu haben. Selbst wenn es nicht stimmt. Solltest du die Stelle bekommen, stelle deinen alten Arbeitgeber vor die Wahl. Sag ihm, wenn er dich nicht früher aus dem Arbeitsvertrag entlässt, wirst du keinen Finger mehr krümmen und dich immer wieder tageweise krank schreiben lassen (das geht!). Wenn du Angst vor einem schlechten Zeugnis hast, weise ich dich an der Stelle darauf hin, dass Arbeitszeugnisse irrelevant sind. Niemand schaut sie an. Und ich möchte dich auch daran erinnern, dass du deinem Arbeitgeber keine Dankbarkeit schuldest. Spätestens wenn du das erste mal aufgrund von "schlechtem Geschäftsgang" gefeuert wurdest, wirst du alle Skrupel von Bord werfen. Wichtiger als Zeugnisse (die leicht gefälscht werden können!) sind dem HRler persönliche Referenzen. Die kann man aber auch faken.


Kostenfaktor - 10%


Kompromisslos, wie ich bin, schreibe ich meine Gehaltsvorstellungen jeweils ins Dossier. Man liest zwar überall, dass man das nicht tun sollte, aber wenn man seinen Marktwert kennt, soll man ihn auch gleich festhalten. Damit reduziert man das Risiko, für Interviews vorgeladen zu werden, nur um im Anschluss zu erfahren, dass man mit seinen Gehaltsvorstellungen weit daneben liegt.

Das ist vor allem dann der Fall, wenn eine Firma kein Telefonscreening macht, aber selbst dann ist es mir schon passiert, dass man mich erst nach der dritten Gesprächsrunde runterhandeln wollte. Schon mehrfach. Scheint eine Strategie der Firmen zu sein im Stil von "Jetzt hat sie so viel Zeit investiert, jetzt will sie den Job sicher auch für weniger Geld."

Wenn man sich über das Gehalt nicht einigen kann, dann hat der ganze Zirkus keinen Wert. Zeitverschwendung. Falls beim Telefonscreening das Gehalt NICHT erfragt werden sollte, erfrage du es. Spare Zeit und Nerven. Es ist eine total legitime Frage. Du gehst ja nicht für Komplimente arbeiten.

Wenn man die Vorstellung ins Dossier schreibt, heisst das übrigens nicht, dass der Arbeitgeber nicht noch etwas nachverhandeln kann. Du allerdings nicht mehr (nach oben). Darum schlag eine Verhandlungsreserve drauf.

Allgemeine Risikofaktoren - 10%


Was ist damit gemeint? Verschiedenes. Üblicherweise möchten die Firmen gesunde, belastbare, ausgeglichene, kostengünstige Leute einstellen. Eine Frau zwischen 25 und 35 ist eine Risikokandidatin, denn sie könnte schwanger werden. Statistisch gesehen haben die meisten Frauen zwischen 25 und 35 irgendwann einmal ein Kind (nicht nur aber vor allem darum sind Frauen nicht so beliebte Arbeitskräfte wie Männer).

Risikofaktor höheres Alter. Leute über 50 kosten den Arbeitgeber nicht nur mehr Sozialabgaben, sondern bergen auch das Risiko, aus gesundheitlichen Gründen auszufallen. Sie gelten als weniger anpassungswillig und weniger belastbar. Oder anders: Von einem 25jährigen kann man eher Abend- und Wochenendarbeit einfordern, als von einem 55jährigen. Ist so. Dafür weiss der 55jährige eher, wie man etwas (richtig) macht und verursacht weniger Leerläufe.

Wie entgeht man der Risikofaktor-Falle?

Als Frau in gebärfähigem Alter

Dass man als Frau diskriminiert werden kann - legal - ist ungerecht. In vielen Ländern ist es daher gesetzlich verboten, demografische Daten der Bewerber/innen abzufragen. In der Schweiz ist es leider erlaubt und ermöglicht so Diskriminierung, lange vor dem ersten Telefonscreening. Was tun? Ganz einfach - die Wahrheit verschleiern oder schlicht lügen.

Sein eigenes Geschlecht verschleiern ist keine erfolgversprechende Lösung, da spätestens beim persönlichen Gespräch die Wahrheit ans Licht kommt. Aber wenn frau konsequent und kompromisslos ist, kann sie behaupten, lesbisch zu sein. Man kann den Punkt bereits im Dossier "abhaken", indem man eine eingetragene Partnerschaft und / die Partnerin erwähnt. Um der "Schwangerschafts-"Diskriminierung zu entgehen, sollten Frauen meiner Meinung nach zur Lesbenlüge greifen dürfen. Und wenn man nicht eingeladen wird, weil man Lesbe ist, ist es eh der falsche Betrieb. (Und wenn du nachher trotzdem schwanger wirst - niemals rechtfertigen!!! Auch Lesben werden schwanger! :))

Als Person über 50

Alter nicht erwähnen oder "Schreibfehler" machen. Auch hier ermöglicht der Gesetzgeber noch Diskriminierung im grossen Stil. Um sich wenigstens eine Chance auf ein Vorstellungsgespräch zu bewahren, sollten sich ältere Arbeitnehmer meiner Meinung nach einen Schreibfehler beim Geburtsjahr erlauben: Statt 1961 halt 1991. Damit wird aus einem 56jährigen ein 26jähriger. Wenn das HR nicht darüber lachen kann, dann hoffentlich du. Bestenfalls hast du dir damit Chancen auf eine Stelle wahrgenommen, die du sonst nicht gehabt hättest. Dass die Firma das Gespräch abbricht, wenn du bereits dort bist, ist übrigens unwahrscheinlich. Eher werden sie es durchziehen und du kannst sie vielleicht trotz deines Alters von dir überzeugen.

Als Person mit physischen Gebrechen (z.B. Rollstuhl, Übergewicht, Allergien etc.)

Wird üblicherweise nicht abgefragt. Für Bürojobs ist man ja recht lange noch gleichwertig wie Leute ohne Handicaps. Ich würde es also nicht erwähnen und nur darauf eingehen, wenn es vom Gegenüber adressiert wird.



Foto - 5%-10%

Man könnte darüber streiten, wie ausschlaggebend das Foto wirklich ist. Kommt drauf an, wann im Prozess. Bei der ersten Selektion durch die HR-Leute ist es von untergeordneter Bedeutung. Spätestens wenn HR aber der Linie die zehn, fünfzehn Dossiers vorlegt, wird das Foto wichtiger.

Die Linie schaut meiner Erfahrung nach zu 50% aufs Foto und nur noch zu 20% auf die Qualifikationen.

Es ist wissenschaftlich belegt, dass gutes Aussehen der Karriere hilft. Doch selbst wer findet, er gelte nicht als gemeinhin "attraktiv" - oder gerade dann - sollte ein sehr gutes Foto von sich verwenden. Bei meiner Kollegin im HR habe ich zig mal schreckliche Bewerbungsfotos gesehen und mich immer gefragt, was diese Kandidatinnen (vor allem Frauen) sich nur dabei gedacht haben. Tiefe Ausschnitte, viel zu stark geschminkt, Ferienfotos - alles Üble!

Analysieren wir einmal dieses, an sich valable Foto. Ist der spätere Chef ein Mann, funktioniert dieses sicher perfekt, wegen der offenen Haare, der leicht glitzernden vollen Lippen und dem angedeuteten Busen. Ist die zukünftige Chefin weiblich, gäben ein Blazer, hochgestecktes Haar und eine Brille Pluspunkte. Auch Lipgloss ist bei emanzipierten Frauen (im Büro) eher verpönt. Wie auch roter Lippenstift und auffällig farbige Fingernägel.

Ich persönlich mag auch keine Fotos, auf denen die Kandidaten die Arme verschränken. Wirkt so pseudo-selbstbewusst. Ein zu breites Grinsen wirkt auch doof. Konkrete Tipps findet man hier. Wenn man als Arbeitnehmer nicht wegen seiner Etnizität diskriminiert werden will, muss man unter Umständen ein falsches Foto einsetzen. Ansonsten erhält man gar keinen Vorstellungstermin und somit überhaupt keine Chance.

Man kann gute Fotos übrigens auch ohne Profifotograf mithilfe eines Freundes und eines neueren iPhones schiessen. Das A und O sind ein gutes Outfit und ein bewölkter Tag in den Mittagsstunden. Das kommt einer Studiobeleuchtung am nächsten. In die Sonne stehen sollte man allerdings nicht (Schatten, blenden) und der Hintergrund sollte möglichst neutral und unscharf sein. Hat man Hautunreinheiten und Augenringe empfehle ich eine gute Feuchtigkeitscreme, ein stark deckendes Makeup und Puder. So wie Bella in Twilight.

Form - 5%


Die Form des Dossiers ist nicht so wichtig, wie allgemein angenommen. Kreativität sollte man keinesfalls demonstrieren. Eher Geschmack. Ich empfehle, sich hier eine Vorlage von einem Bekannten aus der HR Branche geben zu lassen oder dann im Internet zu suchen. Oder, aber das ist etwas fies, eine Stelle per Chiffre ausschreiben und schauen, was alles so reinkommt. Zum Beispiel auf kleinanzeigen.ch Dann hat man gleich haufenweise Vorlagen (und auch schlechte Beispiele).

Auf jeden Fall müssen Dossiers als PDFs abgespeichert werden, nie als Grafiken. Sonst kann sie der Bot nicht auslesen!

Zur Form gehört auch das Bewerbungsschreiben. Selbst HR-Leute sehen das Bewerbungsschreiben nur als höfliches Blabla. Wie im Artikel erwähnt, sind die meisten Informationen, die Bewerber heutzutage in den Brief schreiben, bereits im Lebenslauf enthalten und somit überflüssig. Man sollte daher nur hervorheben, was für die Stelle wirklich wichtig ist, und das konzise begründen. Sind sieben Anforderungen gelistet, sollte man sich auf die ersten zwei oder drei beschränken. Sonst wird der Brief zu lang.

Vor allem beim Satz, wieso man bei der besagten Firma arbeiten möchte, sollte man sich etwas gutes überlegen. Die Frage wird auch beim Interview kommen und Antworten wie "Ich brauche einen Job", "Der Arbeitsweg ist kürzer" oder "Mein Freund arbeitet hier" sind nicht zu empfehlen. Arbeitet ein Bekannter dort und hat gut über die Unternehmenskultur berichtet, ist dies aber sehr wohl eine Begründung.

Bonus - Zeugnisse - 5%


Man kann eine Bewerbung ohne Zeugnisse einreichen. Viele HR-Fachleute haben dafür Verständnis, dass man sie nicht von Anfang an mitschickt. Es sind meistens grosse Files (weil Scans) und sie enthalten üblicherweise wenig verwertbare Information. Reicht man sie trotzdem von Anfang an ein, kann die HR Person die Berufserfahrung anhand der Zeugnisse verifizieren und muss nicht mehr danach fragen. Vielleicht werden sie auch gelesen, aber wahrscheinlich erst später im Prozess. Relevanter wird zum Schluss eine persönliche Referenz, aber die gibt man nicht schon in der Bewerbung an und in diesem Artikel gings ja um die perfekte Bewerbung. ;-) Es lohnt sich aber, sämtliche Arbeitszeugnisse auf Codierungen zu prüfen und allenfalls nachbessern zu lassen. Wenn das nicht mehr geht, weil zu lange her: selber nachbessern. Niemals nur eine Arbeitsbestätigung beilegen, denn das macht zu recht stutzig.

Kleiner Tipp zum Abschluss: Die Bewerbung ist nur die halbe Miete. Üblicherweise werden drei bis fünf Kandidaten für die erste Interview-Runde eingeladen. Man sollte sich also nicht zu früh freuen. Immerhin kann man sich selber loben, wenn man eingeladen wird. Wahrscheinlich hat man 100 bis 200 Konkurrenten hinter sich gelassen.

Viel Erfolg!

Montag, 7. August 2017

Stelleninserate decodieren - Was steht zwischen den Zeilen?

In einer zunehmend dynamischeren Wirtschaft (hire & fire je nach Cash Flow) wird ein Skill für Arbeitnehmende immer wichtiger: Stellensuche. Wir alle hassen es, unsere Zeit dafür einzusetzen. Der Frust ist gross, wenn wir dann erst am Vorstellungsgespräch merken, dass es nicht passt. Den heutigen Post widme ich der klugen Vorselektion durch Decodierung der Stelleninserate.

Die Arbeitgeber möchten möglichst viele Skills und viel Leistung für möglichst wenig Geld. Die Arbeitnehmenden möchten möglichst viel Geld für möglichst stressfreie, interessante Arbeit. Früher, so vor zwanzig, dreissig Jahren, bevor die Frauen die Arbeitswelt nachhaltig stürmten, bevor billige ausländische Arbeitskräfte die Schweiz überfluteten und bevor die Globalisierung und Marktöffnung dazu führte, dass Inder und Osteuropäer unsere Jobs machten, DAMALS muss die Schweiz für Arbeitnehmende das Paradies gewesen sein.

Aber genug der Nostalgie. Was früher "Jobhopping" genannt wurde, ist heute die Kehrseite der Medaille der hohen, durch Reorganisationen sprich den Arbeitgeber induzierten Fluktuation. Man hat meist gar keine Wahl, als alle paar Jahre zu wechseln. Nur schon, um sich zu entwickeln, denn Mitarbeiterförderung und -entwicklung ist nicht mehr en vogue.

Ob man nun mit Headhuntern zusammenarbeitet oder selber Bewerbungen schreibt, man sollte die Anforderungen schon ganz zu Beginn genau prüfen.

Analyse eines Stelleninserats - Beispiel


Anhand folgenden Beispiels einer Digital Marketing Agentur illustriere ich die Diskrepanz zwischen Inserate-Text und eigentlicher Aussage.

Zum Vergrössern klicken

1: Der Job-Titel


Marketing ist etwas anderes, als (Unternehmens-)
Kommunikation. Der eine "Manager" vermarktet ein Angebot, der andere ist für die Marke, PR und allenfalls Investor Relations zuständig. Wenn man aus irgendeinem Grund beides in eine Rolle packt, bleibt zwangsläufig eins von beidem auf der Strecke. Mühsam, wenn man sich dann dafür rechtfertigen muss. Wenn man sich weiter unten dann noch reinzieht, was diese eierlegende Wollmilchsau sonst noch alles für Zuständigkeiten hat, wirkt das 80% Pensum wie reiner Hohn.

Die 80% sind hier entweder als Hinweis auf ein knappes Budget zu verstehen, oder ein Trick, um die Reichweite des Inserats / die Bewerberzahl zu erhöhen.

2: Stratege und Umsetzer


Mit der Formulierung "Strategischer Sparringpartner" wird angedeutet, dass die Geschäftsleitung die (Marketing- und Kommunikations-)Strategie vorgibt, jedoch von dieser Rolle gechallenged werden möchte. Gewichtiger ist hier aber das Wort "Umsetzer" sowie der ziemlich krasse Hinweis, dass die Person die "Marketing Agenda" gegenüber Management, Consulting und - oh weh - Fachspezialisten vertreten werden muss.

Heisst, die Strategie kann sie kaum beeinflussen, für die Umsetzung ist sie weitgehend alleine zuständig aber es werden ihr so gut wie alle reinreden. Mit Eigenverantwortung und Gestaltungsmöglichkeit (siehe Nr. 8) hat das nichts zu tun.

3: Die Aufgaben von fünf verschiedenen Rollen in einer




Rolle 1 - Employer Branding. Das ist etwas, das Grossfirmen betreiben. Dort ist in der Regel ein Gremium von HR- und Kommunikationsleuten gemeinsam zuständig. Ein KMU (wie dieses mit 45 Angestellten), betreibt normalerweise kein systematisches Employer Branding. Wahrscheinlich haben sie dermassen Mühe, Fachkräfte zu finden, oder bereits einen so beschissenen Ruf, dass sie sich systematisch anstrengen müssen.

Rolle 2 - Event Manager. Traurig, aber offenbar wahr - hier ist der Marketingmensch auch fürs Ausrichten von Apéros und Firmenfeiern zuständig. Da Employer Branding auch zu seinen/ihren Tasks gehört, kommen wohl auch die Organisation von Graduates-Auftritten an Unis und externe Fachvorträge dazu. Definitiv nichts, womit sich ein Marketing- oder Kommunikationsspezialist normalerweise beschäftigt.

Rolle 3 - Marketeer. Immerhin, Marketing Aufgaben wie E-Mail Marketing (Newsletters), Content Marketing (Blog) und Social Media gehören doch auch noch zum Profil. Von klassischen Marketingmassnahmen (Print) wird hier allerdings nichts geschrieben. Auch ein Hinweis auf knappes Budget.

Rolle 4 - Networker. Dieses eine Wörtchen würde mich doch eher stutzig machen. Networking gehört eigentlich zu den Aufgaben der GL oder der Sales, weniger zum Marketing. So deplatziert dieses Wort hier in der Gegend rumsteht, steckt bestimmt etwas Unerfreuliches dahinter. Jemand wollte dieses Wort unbedingt noch drin haben. Es war ihm / ihr verdammt wichtig. Möglicherweise war der bisherige Stelleninhaber ein schlechter Netzwerker oder Eigenbrötler.

Rolle 5 - Kommunikations / PR Verantwortlicher.


5: Zwei Jahre Erfahrung genügen


Wenn wir zusammen zählen, kommen wir auf fünf Tätigkeitsprofile in einer (80%) Rolle. Jedenfalls, wenn wir die Funktionsprofile von Grossfirmen als Massstab nehmen. Bei KMUs ist es ja normal, Profile zu kombinieren. Jedenfalls bei den Rollen, die "nur kosten" und keine verrechenbaren Leistungen generieren.

Krass ist dann, zu lesen, dass der erfolgreiche Kandidat nebst einem Studienabschluss lediglich zwei bis drei Jahre Erfahrung mitbringen muss. Man muss sich das mal vorstellen - da kommt die Person von der Uni und schafft es in 24 Monaten, zu lernen, wie man Events organisiert, wie Marketing Automation funktioniert, wie man ansprechende Newsletters gestaltet und versendet, wie man Social Media Marketing betreibt (womöglich auf 6 oder 7 Kanälen parallel), wie Digital Advertising sprich Google AdWords funktionieren, wie man Employer Branding macht, wie man eine Pressemitteilung textet, wie man den Verkauf (und das Consulting?) unterstützt und auch, wie man netzwerkt. Ahja, und man ist dann mit schätzungsweise 25 auch strategischer Sparringpartner der Geschäftsleitung. Klingt für mich recht unrealistisch.

Ist es auch. Was mit "2-3 Jahre Erfahrung" vielmehr gesagt werden will: Wir können dir kein marktübliches Gehalt zahlen. Wir erwarten, dass du das Wissen und die Persönlichkeit eines mittleren Kadermitarbeiters mitbringst, zahlen dir aber nur einen Uni-Abgänger Lohn.

6: Wo der Hund des Vorgängers begraben liegt


In vielen Inserate-Texten werden die Mankos der / des Vorgängers augenscheinlich. Aufgrund des hohen Mitspracherechts der Kollegen und der GL (siehe oben) müsste diese Person vor allem ausgeglichen, belastbar und geduldig sein. Stattdessen steht da "präsentationssicher und argumentationsstark". Mit einer guten Präsentation und starken Argumenten hat man offenbar in diesem KMU mehr zu gewinnen, als mit Sozialkompetenz. Jedenfalls wenn man dem Text glaubt.


Ergebnisorientiert, Eigeninitiative und Organisationstalent deuten darauf hin, dass wer immer diese Rolle vorher wahrgenommen hat, als dies missen liess. Vermutlich jemand, der sich im "Sparringpartnersein", "Schnittstellenabgleich" oder "Networking" verloren hat und vergass, dass er auch noch alles selber umsetzen müsste.

7: Die Standard-Floskeln aka die blanke Lüge


Erfinder von Nonsens und Lügen
In fast jedem Stelleninserat erscheint mindestens ein Standard-Absatz. Diese Floskeln wiederholen sich wie das Logo in jedem Job-Ad der Firma. Kolportiert werden soll die so genannte FIRMENKULTUR. Man soll hier noch etwas vom Spirit der Firma spüren und sich irgendwie angesprochen fühlen. Der Inhalt ist barer Nonsens.

Flache Hierarchien sind kein Garant für zeitnahe, verbindliche Entscheidungen. Im Gegenteil. Flache Hierarchien hat diese Firma hier bestimmt, da ganz offensichtlich alle bei Marketing, Kommunikation, Events und Employer Branding mitreden dürfen und sollen. Je mehr Köche, desto beschissener der Brei (und desto mühsamer die Umsetzung). Die Gestaltungsmöglichkeiten dieser Rolle tendieren eher gegen null.

Nach der obigen Analyse ist klar, dass diese Rolle höchstwahrscheinlich null "systematischen Entwicklungsmöglichkeiten", null Eigenverantwortung und null Gestaltungsmöglichkeit haben wird. Wer so irre ist, sich hier zu bewerben, kann ja mündlich erfragen, wie die Entwicklungsmöglichkeiten genau aussehen - und ab der Antwort laut lachen! :-) Stabsstellen in KMUs haben nie systematische Entwicklungsmöglichkeiten. Und dies hier ist eine Stabsstelle.

8: Sehr gute Sozialleistungen


Als Unternehmer würde ich so etwas niemals in ein Stelleninserat schreiben. Wenn schon, formuliert man das aus. Fünf Wochen Ferien sind in der Schweiz eher der Standard, da das gesetzliche Minimum bereits vier Wochen beträgt. Büroangestellte erwarten heute einfach fünf Wochen Ferien. Dann Vaterschaftsurlaub erwähnen, ohne zu sagen, wie lange der genau wäre... lächerlich.

9: Wir sind lustig und besaufen uns gern



Für mich gehört die Erwähnung einer Bier-Zapfanlage und einer Whisky-Bar unter keinen Umständen in ein Stelleninserat. Auch beim Wort "Firmenreise" läuten schrille Alarmglocken. Wer bei diesem Betrieb einsteigt, gibt sein Privatleben ab.

Was im Stelleninserat fehlt


Echte Entwicklungsmöglichkeiten / Förderung

Wenn ich Stelleninserate lese, hoffe ich immer, irgendwo einen Hinweis darauf zu finden, dass die Firma auch mich weiterbringen möchte, nicht nur ich sie. Mich dünkt, früher war das eher der Fall. Man ging davon aus, dass ein Arbeitsverhältnis ein Geben und Nehmen war. Heute scheint der Markt mit Arbeitnehmenden gesättigt und es ist nur noch ein Nehmen seitens Arbeitgeber.


Teamwork & Unterstützung


Zwar steht "mithilfe interner Unterstützung und externen Partnern", jedoch fehlt im ganzen nachgehenden Text eine Erwähnung dieser internen oder externen Unterstützung. Stattdessen werden nur andere Gremien und Rollen erwähnt, die auf diese hier Einfluss nehmen dürfen. Implizit heisst das, diese Rolle hat kaum echte Unterstützung und lässt sich exakt sagen, was sie wie und wann zu tun hat. Da das Budget allem Anschein nach sehr limitiert ist, wird sich wohl auch die externe Unterstützung im Rahmen halten. Ein Einzelkämpfer also, der rein gar nichts zu melden hat.


Echte Benefits

Flexible Arbeitszeiten, Homeoffice (!), Vergütung ans ÖV-Abo, Finanzierung von Weiterbildungen, Regelmässige Besuche an Fachmessen- und Vorträgen, Reka-Schecks, Möglichkeit, zusätzliche Ferientage einzukaufen oder unbezahlten Urlaub zu nehmen - all das wären echte Benefits für junge Erwachsene. Stattdessen scheint sich alles um das Bürogebäude zu drehen, sprich um die Firma selbst. Auch hier.


Wer sich hier bewerben sollte (wenn überhaupt)



  • Jemand, der direkt von der Uni kommt und noch gar keine Berufserfahrung vorzuweisen hat. In dieser Stelle lernt so jemand in "no time", wie man Anlässe durchführt, Newsletters verschickt, PR Meldungen textet, Employer Branding und Social Media Marketing macht und vermutlich kann man als wissbegieriger junger Mensch auch von den Consultants und Fachspezialisten profitieren. Nach zwei Jahren solltest du aber wieder gehen und irgendwo hin wechseln, wo du dich wirklich entwickeln kannst.

  • Jemand, der keine Freunde hat, z.B. neu in die Schweiz kommt. In dieser Firma wirst du sicher Freunde finden, vorausgesetzt, du gehst an all die Apéros, Firmenreislis und Events. Ob du deinen Job gut machst, ist für dich dann eher zweitrangig.

  • Jemand, dem es grundsätzlich am Allerwertesten vorbeigeht, wenn er IMMER jemanden in der Firma enttäuscht. Weil, mit so vielen, so umfangreichen und komplexen Aufgaben lässt sich das einfach nicht vermeiden.

  • Jemand, der sich niemals aufregt und der über allem steht. Wobei, dann solltest du Polizist/in werden, die verdienen besser, haben bessere Sozialleistungen und echte Entwicklungsmöglichkeiten. :)

Wenn du nicht sicher bist, nutze das Telefon-Screening



Ein von Rekrutierern gern genutztes Instrument ist heutzutage das Telefon-Screening. Die wenigstens HR-Leute haben Lust auf überflüssige Interviews, darum vereinbaren sie zunächst ein Telefonat. Darin klären sie u.a. die Verfügbarkeit des Kandidaten und seine Gehaltsvorstellungen ab. Dieses Telefonat solltest du aber deinerseits auch nutzen, um Unklarheiten zu beseitigen. Beim obigen Inserat würde ich persönlich ganz klar fragen, wo der Schwerpunkt der Aufgaben liegt. Oder ob Homeoffice möglich ist. Alles, was dir sehr wichtig ist in deiner nächsten Stelle, solltest du bereits im Telefonscreening ansprechen. Ansonsten verschwendest du nur deine Zeit, schlimmstenfalls die nächsten zwei Jahre!

Übrigens, wer Mühe hat, Stelleninserate wie dieses hier zu decodieren, der kann auch auf kununu nachlesen, wie andere diesen Arbeitgeber bewertet haben. Oft sind die Feedbacks ein wenig zu barsch - man hinterlässt eher negative Feedbacks als positive - aber auch sehr ehrlich.

Demnächst werde ich einen Blog Post zum Thema Selbständigkeit verfassen. Ich glaube, in der Schweiz sollten sich mehr Leute selbständig machen. Vor allem, weil wir als Angestellte sonst am leidenden Ende der Globalisierung stehen.

Bis bald und danke fürs Lesen! :-)

Mittwoch, 2. August 2017

Was tun mit einem Micromanager-Chef und seinem Aktivismus?

Es gibt den Typ Chef, der ist Micromanager. Meistens sind Micromanager Perfektionisten und tendieren zum Aktivismus. Immer aber sind sie unsichere Persönlichkeiten, die Angst vor dem Unkontrollierbaren haben. Wie man mit Micromanagern am besten umgeht, beschreibe ich im heutigen Post. Eine Tasse Tee passt übrigens gut jetzt. ;-)



Definition Micromanager

Ein Mikromanager ist eine Führungskraft, die sich sehr viel mit Einzelheiten eines von seinen Mitarbeitern oder Kollegen zu lösenden Problems beschäftigt. (Wikipedia)

Besonders stark betroffen vom Micromanager sind natürlich seine Direktunterstellten. Die können sich schlechter abgrenzen, als etwa ein gleichrangiger Kollege. Trotzdem sind Micromanager in alle Richtungen schwierig: Der Chef des Micromanagers schlägt sich mit übermässig vielen Rückfragen und "Save-my-Ass" E-Mails herum. Die gleichrangigen Kollegen ecken beim andersartigen Arbeitsrhythmus und Kommunikationsstil an. Die Stabsfunktionen schliesslich, wie z.B. Human Resources, leiden mit dem Micromanager unter komplizierteren Abläufen und oft markant höherer Fluktuation. Denn auf Dauer halten es nicht viele mit Micromanagern aus, vor allem nicht als Chef. Micromanager verursachen Mehrarbeit, Zeitverlust, "Ehrenrunden" und Frustration. Und dies, obwohl sie es in aller Regel einfach nur "richtig" machen wollen.

Definition Aktivismus

 
Damit ist nicht politischer Aktivismus gemeint, sondern die Tendenz, sinnlose Tätigkeiten auszuführen oder von seinen Mitarbeitenden ausführen zu lassen. Häufig treiben Micromanager ihre Leute zu Aktivismus. Ein Klassiker: Sie erinnern dich vor Ablauf einer Frist daran, dass die Frist bald abläuft. Damit macht sich niemand beliebt, aber dem Micromanager ist das egal. Hauptsache, man eliminiert das Risiko, die heilige Deadline zu verpassen.

Fast jeder Micromanager betreibt Aktivismus.

Was hat der Micromanager eigentlich für ein Problem? 

Werden sich viele fragen, die mit der Spezies zum ersten Mal in Kontakt kommen. Leider hat er nicht nur eins, seine Probleme sind vielfältig:

  • Fehlendes Vertrauen in die Fähigkeit anderer Leute. So grundsätzlich.
  • Kontrollsucht / Machthunger: Micromanager fühlen sich gerne unentbehrlich und wichtig. Wenn sie andere befähigen würden, könnten sie selbst überflüssig werden. So ihre Angst.
  • Narzissmus / Fehlerlosigkeit: Sie denken, sie können es besser. Sie denken, sie seien grundsätzlich überlegen und wollen am liebsten alles selbst erledigen.


Recherchiert man so im Netz, was man gegen Micromanager unternehmen kann, wird einem geraten, man soll behutsam auf sie eingehen. Zum Beispiel "overachieven". Heisst, ihnen keinen Grund geben, an einem zu zweifeln oder einen übermässig zu kontrollieren. Man soll dem Micromanager proaktiv alle Infos zuspielen, die er braucht, um sein Micromanagement-Bedürfnis zu befriedigen. Und man soll sich unbedingt penibel an die Regeln halten (auch wenn das NIEMAND anderes tut). Erst wenn es gaaaaaaaaaaaaaar nicht anders geht, soll man das Gespräch - oder vielleicht gleich einen neuen Job - suchen. Aauf gaaaar keinen Fall soll man den Micromanager Micromanager nennen. 

Ich denke, die meisten dieser Artikel wurden von einem Micromanagern verfasst. :-) Darum taucht auch häufig die Frage an den Leser auf: Kann es sein, dass du selber schuld bist, dass du gemicromanaged wirst? Machst du zu viele Fehler? Arbeitest du unselbständig?

Könnte natürlich sein. Meiner Erfahrung nach micromanagen Micromanager aber auch hoch performante, erfahrene, selbständige Leute, rauben ihnen dadurch den letzten Nerv und mobben sie schlimmstenfalls aus der Firma.

Was kann man also tun?

 

Die erwähnten Artikel zielen alle auf eine Verhaltensänderung der Betroffenen, nicht des Micromanagers. Ich finde das falsch. Das ist, wie wenn alle mit schusssicheren Westen herumlaufen würden, weil einem erlaubt ist, wahllos in der Gegend herum zu ballern. Wenn man es nicht schafft, sich anderweitig vom Micromanager abzugrenzen - sich befördern lassen wäre eine Möglichkeit, das Team wechseln eine andere - dann hätte ich hier ein paar Tipps:

1. Habe ein ehrliches Gespräch mit dem Micromanager


In einem ehrlichen Gespräch unter vier Augen musst du klar festhalten, dass du erkannt hast, dass dein Chef / deine Chefin ein Micromanager ist. Bringe drei Beispiele und halte weitere zehn bereit, falls er / sie die nicht gelten lässt. (Ja, zehn, drei wird er auf die leichte Schulter nehmen, zehn nicht.) Hoffe, dass er nicht alle hören will. Falls doch, erzähle sie ruhig und sachlich. Reg dich nicht auf.

Diese Aufzählung soll dazu führen, dass der Micromanager zugibt, dass er micromanaged. Mach ihm klar, dass du so nicht dein volles Potenzial ausschöpfen kannst und unter fortschreitender Demotivation leidest.


Versichere ihm aber, dass du hinter den Zielen der Abteilung und vor allem der Firma stehst. Betone wann immer es geht die Unternehmensziele, nicht die seiner Abteilung, denn ihm soll klar werden, dass du für die Firma arbeitest, nicht für seine Person. Betone, dass du dein Bestes gibst, die Ziele der Firma zu erreichen, er es dir aber mit seinem Micromanagement schwer macht.

Falls du bereits Jahresziele hast und einige Meilensteine erreicht hast, lege dies jetzt dar und frage konkret, ob dein Chef / deine Chefin in deiner bisherigen Leistungen irgendeinen Grund sieht, dich zu micromanagen.

Falls ja, behandle den Einwand. Halte dich dabei unbedingt an die Fakten! Jeder macht Fehler, steh z deinen. Zeige aber die Verhältnismässigkeit - respektive den Mangel daran - zu den positiven Ergebnissen auf.

Es kann sein, dass der Micromanager einsieht, dass er (tendenziell) falsch gehandelt hat, jeodoch jetzt behauptet, er könne gar nicht anders. In dem Falle sag ihm, dass ihr das gemeinsam versuchen werdet. Und bleib hart. Es zu versuchen oder nicht, ist jetzt nicht mehr allein seine Entscheidung. Dass er es bisher nicht versucht hat, ist Tatsache. Jetzt muss sich etwas ändern.

Fordere den Micromanager auf, dich in Zukunft nicht mehr zu micromanagen und operationalisiere diese Forderung. Etwa so: Ihr hattet bis jetzt jeden Montag ein einstündiges bilaterales Meeting und jeden Freitag musstest du eine halbe Seite Statusreport zu allen Tasks schicken. Neu wird es nur noch alle zwei Wochen eine halbe Stunde bilaterales Meeting geben, welches den Statusreport ersetzt. WENN NÖTIG. Sonst nicht. Und nötig heisst, es gibt etwas zu besprechen / entscheiden.

Wenn der Micromanager den Status eines bestimmten Tasks zwischenzeitlich dringend wissen muss, soll er / sie nachfragen. Es soll möglichst ein Holen seinerseits statt ein institutionalisiertes Bringen deinerseits werden. Denn so ist er immer in der Erklärungsnot, wenn er ab jetzt micromanaged / alles nachkontrolliert.

Behalte dir ausdrücklich das Recht vor, ihn in Zukunft sofort darauf hin zu weisen, wenn er wieder micromanaged. Ihr könnt dafür auch ein Handzeichen vereinbaren, falls ihm das lieber ist. Ziel bei all dem ist, dass bei ihm ein Bewusstsein für sein Fehlverhalten entsteht. Bislang war sein Verhalten für ihn der Goldstandard.

2. Setze deine Forderungen konsequent durch, hake notfalls beim HR nach

Weil, es ist so - langfristig willst du nicht für einen Micromanager arbeiten. Also entweder, er / sie ändert sich, oder du wechselst. Bevor du aber das Handtuch wirfst, gib der Person Zeit, sich zu ändern. Es kommt tatsächlich vor, dass Micromanager nicht merken, dass sie Micromanagen (hier im Artikel zu unterst ein Beispiel). Oft kriegen sie bei Mitarbeiterumfragen brutal schlechte Bewertungen und sind dann total überrascht.


Wenn sich drei, vier Monaten nach eurem Gespräch keine signifikante Besserung eingestellt hat, solltest du dich vertrauensvoll ans HR wenden. HR Abteilungen sind in aller Regel nutzlos, wenn es um persönliche Konflikte wie diesen geht. Sie hassen es, zu schlichten oder Lösungen zu finden. Deshalb erwarte keine Unterstützung von HR, sondern fahre die "Save my Ass" Taktik deinerseits. Beschränke dich darauf, HR korrekt über das Problem zu informieren. Auch darüber, was du bereits unternommen hast und was du und dein Chef eigentlich vereinbart habt. Sag ihnen dann freundlich aber klar, dass sich leider nichts verändert hat in den drei Monaten und dass du der Sache noch zwei weitere Monate gibst, bevor du deinerseits "weitere Optionen" prüfen musst. Die Rede ist von einem Wechsel deinerseits.

HR mag keine Wechsel, denn sie bedeuten Arbeit. HR muss wieder rekrutieren. Wenn es beim Micromanager schon viele Wechsel (aus bekanntem Grund) gegeben hat, schickt HR ihn eventuell in ein Management-Training.

Oft bringen solche Kurse übrigens tatsächlich was, denn dem Micromanager wird dort endlich klar, dass sein Fehlverhalten kein Kavaliersdelikt ist. Er trifft auch auf andere, die aufgrund dieser Probleme in die "Besserungsanstalt" geschickt wurden. 


3. Letzte Möglichkeit: Gehe zum Chef des Micromanagers

Auch möglich ist es, theoretisch, den Chef des Micromanagers in die Pflicht zu nehmen. Er hat diese Person schliesslich in eine Führungsrolle befördert und ist mit schuld daran, dass es jetzt nicht funktioniert. Diese Taktik ist allerdings heikel: Wenn der Chef des Micromanager Bosses dich weniger schätzt oder braucht, als den Micromanager, bist du deinen Job bald los. 

Es kann auch sein, dass der Boss deines Bosses gar nicht weiss, was du alles leistest, weil der Micromanager deine Erfolge als seine eigenen verkauft hat. Das tun sie oft, denn aufgrund ihrer Kontrollsucht schaffen sie es nicht, eigene Leistungen zu generieren, und müssen sich mit anderer Leute Federn schmücken. Sprich die ihres Teams.

Wichtig ist daher, dass du dafür sorgst, dass deine Leistung sichtbar ist, lange bevor du dich beschwerst. Wie man seine Leistung sichtbar macht, beschreibe ich in einem anderen Post. Das ist eine Wissenschaft für sich, und gerade für Frauen elementar, um im Beruf forwärts zu kommen.

Wenn du Konfronation grundsätzlich nicht magst, dann würde ich dir empfehlen, intern oder extern zu wechseln. Es ist nicht deine Pflicht, andere Menschen zu ändern und ich persönlich verstehe jeden sehr gut, der sich den Stress nicht antun will.

Keep calm and move on. Viel Glück!

Sonntag, 30. Juli 2017

Wie du dich am schnellsten unbeliebt machst

Doctor House hat sehr viele Vorlagen geliefert. Ebenso der Film "How to lose a guy in 10 days". Für Leute, die sich aus irgendwelchen Gründen schnell unbeliebt machen wollen, etwa, weil sie zuviele Freunde haben, hier ein paar Ideen.

Nimm Einladungen zu andern nachhause immer an, verzichte aber sowohl darauf, ein Geschenk mit zu bringen, als auch auf eine Gegeneinladung. Je öfter du das machst, desto unbeliebter wirst du.

Sprich als Erwachsener noch von deiner besten Freundin / deinem besten Freund. Damit implizierst du allen andern Freunden, dass sie höchstens zweitrangig sind.

Bau in deine Sätze möglichst oft "wie gesagt", "eben" oder "offensichtlich" ein. Damit unterstellst du deinem Gesprächspartner permanent, dass er entweder nicht zuhört oder schwer von Begriff ist.

Gratuliere keinem zum Geburtstag, achte aber darauf, deinen frühzeitig und oft zu erwähnen, damit ihn ja niemand vergessen kann.

Wenn du mit einem Freund auswärts essen gehst, und er anbietet, die Rechnung zu übernehmen, widersprich nie. Lade ihn aber auch nie selbst ein. Wenn er einmal nicht zahlt, bestehe auf getrennte Rechnung.

Sage es dem Gegenüber immer, wenn dir etwas an seiner / ihrer Erscheinung nicht gefällt (z.B. "Mit der Brille siehst du aus wie ein Lehrer." "Hast du in den Ferien zugenommen?" "Wann warst du zum letzten mal im Sport?" "Gab es das Hemd auch in deiner Grösse?" "Die Farbe steht dir nicht.")

Ganz effizient: Mach niiiiiemals Komplimente.

Kritisiere die Leute indirekt: "Früher hab ich auch noch Milch in den Kaffee getan, bevor ich es besser wusste" oder "Meine Nichte hält auch keine Diät durch" oder "Bei Michael Jackson wusste man auch nie sicher, ob er pädophil ist, zum Glück hatte er aber Geld".

Mach den Leuten ein schlechtes Gewissen. Das geht ganz subtil, etwa: "Bist du sicher, dass du eine normale Cola bestellen willst? Wäre Coke zero nicht besser für dich?" oder "Wow, ich könnte mir das diesen Monat nicht mehr leisten" oder "Ich lade mir nie kostenpflichtige Apps herunter, ich spare lieber auf ein Eigenheim."

Weise die Leute auf Fehler hin, die sie nicht mehr korrigieren können: "Das gab es zum halben Preis bei Ottos" oder "Ahja, wollte ich dir noch sagen, da ist Parkverbot" nachdem er eine Busse erhalten hat. Oder "Zum Glück hab ich die Aktie bei XY noch verkauft!"

Gib falsche Ratschläge: "Rotweinflecken bekommt man am besten mit Salzsäure raus" oder "Ein SBB Tageskarte von der Gemeinde kriegt man auch noch problemlos am Tag vor der Reise" oder "Wenn das Licht für die Entkalkung leuchtet, kannst du noch locker 300 Kaffees rauslassen."

Flirte mit ihrem Lebenspartner / seiner Lebenspartnerin.

Telefoniere regelmässig mit deinen Ex-Freunden, um ihre neuen Partnerinnen zu ärgern. Oder like alle ihre Facebook Posts oder poste alte Fotos von euch zwei auf seiner Timeline mit den Worten: "Weisst du noch? Was für ein geiler Tag!"

Wenn du zu Gast bist, füttere das Haustier vom Tisch.

Leihe dir immer wieder Geld aus. Zahle es erst zurück, wenn man dich daran erinnert. Wenn überhaupt.

Wenn du und dein Partner/ deine Partnerin ein gemeinsames Konto für gemeinsame Auslagen habt, begleiche ab und zu eine deiner persönlichen Rechnungen darüber. Etwa eine teure Arztrechnung. Darauf angesprochen, fragst du entrüstet, ob deine Gesundheit etwa nicht für beide wichtig sei.

Sag, dass du dich um etwas kümmerst (den Abwasch, die Schmutzwäsche, das Auto staubsaugen), tue es dann aber nicht. Wenn man dich daran erinnert, sag, dass du es gleich tust, vergiss es aber wieder.

Wenn deine Freundin / dein Freund einmal etwas neues ausprobieren will, und die Möbel umstellt, stelle sie sofort wieder so hin, wie sie vorher waren. Ohne Gerede.

Im Büro...

Wenn der Kollege nicht da ist, hänge sein Bild von der Wand und ersetze es durch eines, das dir gefällt.

Wenn der Kollege in den Ferien ist, beschwere dich beim Chef über etwas, das er versäumt hat / falsches gesagt hat / nicht informiert hat. Er kann sich nicht wehren und wenn er wieder da ist, ist die Meinung über ihn längst gemacht.

Unterstelle jemandem Mobbing oder sexuelle Belästigung. (Das macht einen extrem schnell unbeliebt, auch wenn es stimmt.)

Wenn jemand einen offensichtlichen Fehler gemacht hat, kritisiere ihn / sie hart und wiederkehrend und öffentlich dafür. Warne in Zukunft alle, ihm / ihr je wieder eine verantwortungsvolle Aufgabe an zu vertrauen.

Flirte mit der Praktikantin / dem Lehrling.

Flirte mit dem Chef des Chefs. Oder dem CEO. Sei hartnäckig.

Nimm dir regelmässig die Stifte des Kollegen und kaue darauf herum.

Lass die Post-It Blöcke der Kollegen verschwinden, damit sie im nötigen Moment sicher nie was zum notieren haben.

Stelle eine Schüssel voller Süssigkeiten an Orte, wo jede/r daran vorbeiläuft. Damit ruinierst du ihre schlanke Linie. Sehr beliebt bei Kollegen / Kolleginnen auf Diät.

Plane deine Ferientage frühzeitig so, dass sie möglichst vielen Kolleginnen / Kollegen mit Familie in die Quere kommen. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Klaue Toilettenpapier, Druckerpapier, allgemeines Büromaterial und Haushaltsartikel. Erwähne, wie viel Geld "man" damit für die Altersvorsorge sparen könnte. Darauf angesprochen, beschuldige eine Kollegin / einen Kollegen.

Downloade Filme übers Firmennetzwerk auf deinen privaten Laptop.

Höre während der Arbeit Musik. Auch wenn kaum einer reklamiert, die meisten kotzt es an.

Gestalte dir auf MOO.com gepimpte Visitenkarten und verteile stolz die statt die öden, die du bei Stellenantritt erhalten hast. Am besten so, dass es dein Chef / deine Chefin sieht. Schreibe ggf. eine bessere Funktion hin, als die, die du wirklich bekleidest.



Viel Spaaahaass! ;-)