Sonntag, 23. Oktober 2016

Wenn LGBTI anderen Menschen schaden

Kurz-Post aus Verwirrung: Die SBB hat Anfang Oktober verlauten lassen, dass sie ein internes "LGBTI-Netzwerk" lanciert hätten. Grund: Schwule, Bisexuelle, Transmenschen und Intersexuelle (LGBTI) könnten auch in der heutigen Zeit noch nicht offen und selbstbewusst mit ihrer sexuellen Orientierung bzw. Geschlechtsidentität umgehen - am Arbeitsplatz.

Was ist das Problem? Ich verstehe es nicht. Kann mir jemand weiterhelfen? Was interessiert denn Deine Arbeitskollegen und -Kolleginnen Deine sexuelle Orientierung? Oder Deine Geschlechtsidentität? Muss es sie denn interessieren? Geht denn heute jede/r einfach mal so davon aus, dass es andere wirklich kratzt, worauf man steht oder als was man sich fühlt? Gehört das nicht möglicherweise ins Privatleben? Nicht ins Büro? Wo ziehen wir denn da heute die Grenze?

Ich bin hetero und ich wünsche mir seit Beginn meiner Karriere, man würde im Büro meiner Geschlechtsidentität weniger Beachtung schenken, als beispielsweise meiner Fachkompetenz. Dass man mich - vor allem am Arbeitsplatz - primär als Mensch behandeln und respektieren würde, anstatt als Frau. Ich gebe mir - mittlerweile automatisch - viel Mühe, im Büro meine weiblichen Reize nicht zu betonen, um möglichst wenig Anlass zu Oberflächlichkeit und Sexismus zu geben.

Ich wünsche mir ausserdem sehr, dass man sich an meiner Arbeitsstelle um Gottes Willen BITTE absolut gar nie Gedanken über mein Sexualleben macht. Noch weniger will ich mit irgendeinem Arbeitskollegen darüber sprechen. Dankeschön.

Ein Hetero-Intranet im Büro - betrieben von meinem Arbeitgeber - in dem sich Heteros über ihre sexuelle Identität austauschen könnten, empfände ich als krassen Rückschritt. Für uns alle, nicht nur die Frauen.

Also manchmal hab ich einfach schon den Eindruck, LGBTIs brauchen verdammt viel Aufmerksamkeit... und ihr Kampf darum, wahrgenommen zu werden, schade hin und wieder anderen (hart erkämpften) Entwicklungen.

Montag, 26. September 2016

Marketing Automation für Startups

Startups müssen meistens etwas sparen. Marketing Automation / Automatisation - sofern die Gründer denn wissen, was es ist - wird deshalb häufig von vornherein als "zu teuer" abgeschrieben. Aaaaber es gibt Marketing Automatisation (denke z.B. Inbound Marketing) auch als günstiges DYI.


In meinem Blog hab ichs nie erwähnt, aber im "echten Leben" verdiene ich meine Brötchen (noch) mit Marketing. Marketing - in all seinen Formen - ist auch eins meiner Hobbies geworden. Mehr als nur Arbeit. Darum heute ein Post über Marketing Automatisation für Startups (oder Mompreneurs oder Arbeitssuchende oder andere Machertypen). :-)

Kampagnen-Tool

Campaign Monitor ist seit 2016 mein Lieblings Kampagnen-Tool. Vorher nutzte ich Mailchimp, aber Campaign Monitor kann so viel mehr (und macht so viel schönere E-Mails). Innert zwei Minuten hat man einen Account erstellt und kann eine Verteilerliste vorbereiten. Man beachte: Singular.

Verteilerlisten und Segmente

Mein wichtigster Tipp gleich zu Beginn ist nämlich: Viele Segmente statt viele Listen. Why? Es wird so kommen, dass ein Kunde / Kontakt in mehrere Segmente passt. Es wäre doof, diesen einen Kontakt dann in mehreren Listen zu führen. Die Auswertung leidet auch drunter.

Felder

Zu Beginn schaffen wir gleich folgende spezielle (custom) Felder:

  • Anrede (was auch gleich das Geschlecht angibt)
  • Vorname
  • Nachname und 
  • Aktionsdatum (dazu ganz unten mehr)
Da Campaign Monitor ein amerikanisches Tool ist, führt es standardmässig Vor- und Nachname in ein Feld "Fullname" zusammen. Bei formeller Anrede wird das unpraktisch (die Amis kennen das halt nicht). Darum müssen diese Felder als "custom fields" angelegt werden (und in allen Formularen auch korrekt angesteuert werden).

Da Segmente anhand von Feldern gebildet werden, ergeben mehr Felder mehr Möglichkeiten. Pflegst Du zum Beispiel von Anfang an Geburtdaten ein, kannst Du später eine automatisierte Geburtstags-Gratulations-Kampagne laufen lassen (set up once, runs fine forever).
Beispiel: Felder einer Verteilerliste in Campaign Monitor
Um Segmente nutzen zu können, müssen sie erst eingerichtet weden. Dazu auf Lists & Subscribers > entsprechende Liste > Segments gehen.

Segment anhand von Kriterien = Feldern bilden

Ein simples Segment wäre zum Beispiel "Alle Frauen" und sähe so aus:


Wie man sieht, kann man auch komplexere Segmente bilden, z.B. "Alle Frauen im Umkreis von 50km um Zürich":



Die Location ermittelt Campaign Monitor anhand der IP Adresse, die bei einem Klick auf einen Link in einer (vergangenen) Kampagne mitgegeben wurde. Ist nicht sehr präzis (auch Leute unterwegs im Zug öffnen Kampagnen), aber ziemlich. Hat man noch nie eine Kampagne verschickt, wird dieses Segment aber demzufolge auch niemanden einschliessen.

Wann macht so ein (geo-) Segment Sinn? Zum Beispiel, wenn man kurzfristig einen Anlass / Auftritt kommunizieren möchte, der nur für Leute im engeren Umkreis interessant ist.

Man kann auch Empfänger ausschliessen, was auch praktisch sein kann, z.B. wenn man eine Kampagne zum Thema Altersvorsorge verschickt und nur Leute ab 40 adressieren möchte (dazu braucht man dann eben die Geburtsdaten).

Automatisation

Wann will ich eine automatisierte Kampagne abfeuern?

Sich dies überlegen steht natürlich am Anfang (und oft macht man später neue Segmente). Ich hab bis jetzt immer in Fällen auf Automatisation gesetzt, wo ich schlicht nicht selber E-Mails schreiben (oder jemand anderes armes damit betrauen) wollte. Zum Beispiel in folgenden Use Cases:
  • Jemand hat sich neu registriert (zB. für das Segment "Newsletter") und erhält eine Registrations-Bestätigung. Gab's in den zwei Monaten vor dieser Registrierung einen Newsletter, würde ich den als genug aktuell bewerten, um ihn auch gleich mitzuschicken. Geht alles.
  • Jemand hat sich für einen Anlass angemeldet (Segment "Anlass XY") und kriegt eine Bestätigung der Anmeldung und den Kontakt (nochmal), bei wem man sich bei Fragen melden darf.
  • Jemand hat eine Offertanfrage gestellt (Segment "Offerte", "Interesse XY") und kriegt eine Bestätigung des Eingangs der Anfrage mit einer Info, bis wann sich jemand meldet. Achtung: Für Sales-Prozesse gibt es bessere Lösungen, als das Gebastel hier (z.B. Pipedrive) aber dazu ein andermal mehr.
  • Jemand hat Geburtstag / ein Jubiläum und kriegt automatisch Glückwünsche.
  • Im E-Commerce gibt es noch haufenweise andere Trigger aber auch da gibt es dann auch bessere Lösungen, als das hier vorgestellte "Gebastel". :) (z.B. Odoo)

Positiver Trigger

Ein positiver Trigger kann jede Aktion sein - eine Event-Anmeldung bedeutet, dass ein Kontakt ins Segment "Zusagen Event XY" eintritt. Das kann dann für diverse (auch zeitversetzte Kampagnen) genutzt werden.

Negativer Trigger

Spannend sind auch negative Trigger - wenn der Empfänger etwas unterlassen hat. Klassisch: Die Person hat die letzte (oder die letzten zwei) Kampagnen nicht geöffnet. Ein solches Segment sähe etwa so aus:

Diese 183 Personen könnte man jetzt mit einer speziellen Kampagne noch einmal ansprechen (z.B. schickt man ihnen 20% Rabatt zusätzlich oder dergleichen).

Wie richte ich eine automatisierte Kampagne ein?

Nehmen wir mal den Fall "Newsletter-Registration". Unter Automation auf "Create a new journey" klicken. In dieser (praktisch selbst erklärenden) Ansicht definiert man, für welche Verteilerliste (hoffentlich hast Du nur eine), bei welcher Aktion (z.B. "Subscriber enters a segment" - "Newsletter") was passieren soll ("E-Mail schicken").


That's it! So einfach. So kann man verschiedene automatisierte Kampagnen einrichten und spart sich jede Menge Arbeit. :-)

Noch ein Wort zum Aktionsdatum

In Campaign Monitor kann man mit Hilfe eines custom date fields (Datumsfeld) verzögerte Kampagnen einrichten. Dazu erstellt man eben ein "custom feld" im Datumsformat (als nicht zwingend). Wann macht das Sinn? Nehmen wir an, wir bieten ein Whitepaper zum Download an, aber nur, wenn die Person, die es möchte, uns ihre E-Mail und Personalien angibt (sich registriert).

Ich verwende für solche Formulare Typeform (jeweils natlos in die Website integriert). Die Informationen aus Typeform schicke ich mit einem "Zap" (Zapier) an Campaign Monitor - inklusive dem hidden field "Aktionsdatum". Das ist einfach das Datum, an welchem sich die Person für das Whitepaper registriert hat. Warum nehme ich als Trigger nicht einfach das "Subscription date"? Weil es sein kann, dass wir diesen Kontakt bereits in der Verteilerliste haben, einfach noch nicht in diesem Segment. Ihr "Subscription Date" wäre demnach nicht der Zeitpunkt, an dem sie nach dem Whitepaper verlangt hat.

In Campaign Monitor hinterlege ich dann einen Automated Workflow, der sofort den Link aufs Whitepaper per E-Mail an die interessierte Person schickt.

Das "Aktionsdatum" Feld braucht es also, damit nach einer Verzögerung von 10 Tagen ein automatisches Nachfass-E-Mail geschickt werden kann. Das sieht so aus (hier verschickten wir den Link zu einem YouTube Tutorial):


Übrigens, eine nette Option ist noch, dass man den Absender jedes E-Mails individuell definieren kann. So habe ich es so eingerichtet, dass die Nachfass-E-Mails immer von meinem Kollegen im Verkauf kommen (Rückfragen gelangen so direkt an ihn). Bei Anlässen ist der Absender immer die Person, die den Anlass bei uns organisiert und so weiter.

So. Und damit schliesse ich den Beitrag heute und wünsche viele kreative Stunden beim auto-campaignen!

Montag, 22. August 2016

Essentielle iPhone Apps 2016

Es ist schon drei Jahre her, da hab ich das erste Mal die "Top Apps für Frauen" zusammen gestellt. Es gibt aber auch "gender-neutrale" Apps, die jede und jeder mal für sich ausprobieren sollte. Ich schätze sie sehr, darum hier meine Top Apps des Jahres 2016.

Todoist - To Do App


Gratis, praktisch, übersichtlich. Aufgaben erfassen, Projekten zuteilen, terminieren, priorisieren, sich erinnern lassen und sogar andern Leuten zuweisen. Was will man mehr?




Dropbox - Dokumente scannen und als PDF speichern


Eine Funktion, auf die ich laaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaange gewartet hab: Dropbox kann jetzt mittels iPhone Kamera Dokumente "scannen" - das Foto wird als PDF oder PNG gespeichert und kann direkt im gewünschten Ordner abgelegt werden. Grösster Vorteil? Nie wieder Belege einordnen!!!
By the way: Spätestens jetzt einen Aktenvernichter anschaffen. Gibt's auch in klein für zuhause. :)

Wallet - Apple Pay


Genau genommen ist das keine App, sondern eine (erweiterte) Basisfunktion des iPhones. Hinterlegt man in "Wallet" eine Kreditkarte, kann man überall, wo kontaktloses Zahlen möglich ist (Symbol auf Kartenterminal), mit dem iPhone zahlen. Möglich macht das NFC - near field communication - ein integrierter Chip ab iPhone 6. Im Moment funktioniert Apple Pay erst mit Kredit- und nicht mit Debitkarten, weshalb ich an der Stelle nochmal meinen Artikel "Schmerzloses Sparen - oder wie man sein Geld nicht zum Fenster rauswirft" empfehle. Wallet kann übrigens auch Flugtickets und (in den USA) Kundenkarten verwalten. Für Kundenkarten gibt es in der Schweiz aber auch eine Lösung: Stocard (siehe unten). 


Maps.Me - Karten / Navigation


Klar, normalerweise schwöre ich auf Google Maps, aber was, wenn man keine Internetverbindung hat? Maps.Me. speichert die gewünschten Karten auf dem Gerät (IM VORAUS MACHEN!). Gerade für Auslandsreisen (hohe Roaming-Gebühren) ideal. Ausserhalb von Städten ist die Detaildichte der Karten allerdings nicht gut.


LEO - Wörterbuch in zig Sprachen


Eine der meist genutzten Apps auf meinem Handy überhaupt. Nicht mehr weg zu denken. Zum Glück gratis. I love.





Bring! - Kollaborative Einkaufslisten


Einkaufen leicht gemacht. Lohnt sich vor allem bei Mehrpersonen-Haushalten, denn die Einkaufsliste(n) können von verschiedenen Leuten (gleichzeitig) ergänzt oder "abgehakt" werden. So weiss jeder immer, was noch fehlt.

Stocard - Kundenkarten digitalisieren


Vorbei die Zeiten fetter Portemonnaies mit zig Kundenkarten. Mit Stocard lassen sie sich einfach scannen und bei Bedarf im Geschäft aufrufen. Funktioniert leider (noch) nicht für Kundenkarten mit Bezahlfunktion (z.B. Globus Card), aber es ist schon einmal ein Anfang.



Spotify - Musik hören


Punkto Musik bin ich ein late-adopter, aber Spotify hat doch einige Vorzüge: Musik muss sich mehr aktiv gemanaged werden (suchen, kaufen, Playlists erstellen, repeat). Ist man faul / hat keine Zeit, gibt es vorgefertigte Playlists. Plant man, eine Weile offline zu sein (Outback...), lädt man die Musik einfach aufs iPhone. Mühe hab ich damit, dass mir kein einziger Titel "gehört" wie z.B. bei iTunes. Sobald ich kein Spotify Kunde mehr bin, hab ich keine Musik mehr. Auf der andern Seite höre ich mir die alten Songs je länger je weniger an (aber sie verbrauchen trotzdem SEHR viel Speicherplatz). Tipp: Family Account lösen lohnt sich (auch wenn die "Familie" eher "Friends" sind ;-))

Feedly RSS Reader - News lesen


Anstatt sich von einer News-App zur andern zu hangeln, lohnt sich der initiale Aufwand, die RSS Feeds zentral in diese App zu ziehen. Hat man eine gewisse Reihenfolge, News zu konsumieren, lässt sich die mittels Kategorien (z.B. "Allgemeine Headlines", "Finanz", "Politik", "Sport", "Jobs") abbilden.



Blinkist - Bücher in Kurzform lesen


Keine Zeit, Fachbücher zu lesen? Blinkist ist die Lösung. Die Kernaussagen werden schön zusammen gefasst und übersichtlich dargestellt. Je "Buch", das man hier liest, respektive "scannt", gibt es auch gleich eine Zeitschätzung (selten mehr als 10 Minuten Lesezeit). Viel besser, als Sudoku zu spielen.



Have fun!

Mittwoch, 9. März 2016

10 Dinge, die man gerne schon mit 20 weiss


1.) Du kannst keinen netten Korb verteilen

Und sollst und musst es auch nicht versuchen! Ja, klar, Du fühlst Dich geschmeichelt, jemand hat was für Dich übrig. Aber nein, Du kannst das halt einfach nicht erwidern. Musst Du Dich dafür jetzt wirklich schlecht fühlen? NEIN! Nein, nein und nochmals nein! Sei einfach DIREKT und sag klipp und klar, dass Du nicht interessiert bist.


2.) Vergiss platonische Freundschaften mit Männern


Verschwende nicht Deine Jugend, Zeit und Müh an so genannte "Freunde", die eigentlich "der" Freund sein möchten (siehe 1.). Es endet immer in für Euch beide sehr unangenehmen Situationen, in denen er sich enttäuscht und Du Dich missverstanden fühlen wirst. Lenke Deine platonische Liebe auf Menschen, die auch nur solche erwidern können. Wenn es Männer sein müssen, dann homosexuelle.


3.) Vermeide gemischte Saunas

Es ist für eine Frau selten erholsam, in eine gemischte Sauna zu gehen. Bestenfalls wirst Du von lüsternen Männern mit Halbglatze oder vollbehaartem Rücken angestarrt, schlimmstenfalls triffst Du nackt auf einen (Ex-)Arbeitskollegen oder gar Stalker. Glaub mir, es gibt kaum etwas Unangenehmeres.

4.) Pflege Freundinnen, aber nur die richtigen

Welches sind die richtigen? Das herauszufinden, ist verdammt schwer. Männerfreundschaften überstehen die Jahrzehnte, Frauenfreundschaften zerfallen hingegen leicht an veränderten Interessen (neuer Freund, neuer Job, neues Hobby), Familie (sie hat ein Kind, Du nicht), Neid (...), Mobilität (Ausland) oder - und das ist wohl des Pudels Kern - Intoleranz.

Die richtige Freundin liebt Dich unabhängig Deiner finanziellen Verhältnisse, Deiner aktuellen geographischen Lage, Deines aktuellen Partners oder des Vorhandenseins (oder Alters) Deiner Kinder. Sie geht ihren eigenen Weg und vertraut darauf, dass Du sie auch so akzeptierst, wie sie ist.


5.) Nimm Unterstützung an

Ich weiss nicht, ob es an meiner Prägung liegt, aber ich hatte (und habe) grosse Mühe, andere Leute um Hilfe zu bitten. Sei es ein Darlehen, ein Gefallen, ein Ratschlag... Ich will niemandem zur Last fallen, aber manche Dinge sind einfach viel zu schwer, um sie allein zu bewältigen. Lerne, andere um Hilfe zu bitten. Wenn Dir das auch schwer fällt, denk darüber nach, wie oft Du selber andern hilfst und frag Dich, wieso Du das tust. Es gibt einem ein gutes Gefühl, oder? Also gib das doch einfach zurück. Das Leben ist ein geben und nehmen und das ist total in Ordnung so. Wir sind keine Inseln.

6.) Investiere in Deine Karriere

Investiere in Deinen Zwanzigern Zeit in (berufsbegleitende) Weiterbildungen. Wenn Du erst Kinder hast, wird es viel, viel schwieriger, alles unter einen Hut zu bringen. Ausserdem wird die Berufserfahrung, die Du Anfangs 20 sammelst, von späteren Arbeitgebern ohnehin nicht sonderlich hoch gewichtet. Arbeite jetzt Teilzeit und fokussiere Dich auf eine Weiterbildung.

Investiere auch in Dein Netzwerk: Geh an Fachveranstaltungen, Tagungen oder trete Branchenklubs bei, die regelmässig Treffen organisieren. Dein berufliches Netzwerk wird sich garantiert auszahlen, früher oder später!

Es gibt für Frauen auch immer noch die Möglichkeit, Hausfrau zu werden. Tu es nicht. Erstens ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass Du früher oder später trotzdem wieder ins Arbeitsleben zurück musst. Zweitens werden auch Deine Kinder irgendwann ausfliegen, und was dann? Deine Karriere beginnt erst ab 30. Erst dann kommen interessante Job-Angebote, Lohnerhöhungen, Beförderungen etc. Vertrau darauf und lass Dich nicht von den antiquierten Vorstellungen Deines Umfelds leiten.

7.) Hab auch mal Spass und sei locker

Gerade wir Eidgenossen haben manchmal einen Stock im Arsch: Piekfeines Auto, klinisch saubere Wohnung, gebügelte Pullover, niemals einen Frisörtermin auslassen, sein Gewicht optimieren und ja nicht mit den Nachbarn reden, sie könnten sich in mein Leben einmischen. :-) Fakt ist: Perfektion macht einsam. Dabei müssen einige von uns wirklich lernen, die Dinge zu tun, die uns wirklich glücklich machen.

Lass mich dazu etwas ausführlicher werden...

  • Wenn Dich ein Hobby interessiert, probiere es aus. Egal ob jemand in Deinem Umfeld dagegen ist. Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass Du dort neue Freunde findest, die besser zu Dir passen!
  • Messe Dich nicht und vergleiche Dich nicht mit andern. Du musst nicht Golf spielen,r einen Hipster Bart wachsen lassen, Skinny Jeans tragen oder in Marbella in die Ferien. Versuch nicht, cool zu sein. Sei wie Du sein willst und lass die andern nach Anerkennung hecheln.
  • Hab keine Angst, Dich privat gehen zu lassen. Du arbeitest hart - es steht Dir zu, Dich in Deiner Freizeit zu erholen. Du hast das Recht, zu trinken, zu tanzen, zu rauchen, dummes Zeug zu reden oder eine politische Diskussion vom Zaun zu reissen. Klar geht das nicht im Büro, aber darum heisst es ja Freizeit.

8.) Vermeide Firmenreisen

Und damit meine ich nicht Geschäftsreisen, sondern "Schuelereisli". In Grossfirmen gibt es die ohnehin nicht, aber in KMUs manchmal schon. Die ganze Firma reist dann für zwei oder drei Tage irgendwohin. Das Problem dabei: Du musst Dich mit Deinen Arbeitskollegen auf einer privaten Ebene austauschen, obwohl Du mit ihnen unter Umständen überhaupt nichts anfangen kannst. Die Chance, dabei ein ansonsten funktionierendes Arbeitsverhältnis zu beschädigen, ist gross.

9.) Fang nie etwas mit einem liierten Mann an

Schon gar nicht mit einem verheirateten Familienvater. Eigentlich logisch, dennoch muss es auf diese Liste, denn kaum etwas macht eine Frau schneller und nachhaltiger kaputt, als eine aussichtslose Liaison. Lass es bleiben. Lohnt sich nicht. Auch wenn er attraktiv, nett, erfolgreich und super charmant ist - er soll sich erst von seiner Herzdame trennen, bevor ihr auch nur ein weiteres Wort austauscht. Brich den Kontakt ab, bis er das getan hat. Sieh auch Nr. 2.)

10.) Spare nicht an Deiner Gesundheit

Klingt jetzt funny, oder? Wieso solltest Du? Ha. Ich weiss aus Erfahrung, dass die meisten jungen Menschen a) ihre Krankenkassenprämien "optimieren" und b) dann so gut wie nie zu Kontrolluntersuchungen gehen, weil ihnen die Franchise zu hoch ist. Die Wahrscheinlichkeit ist ja auch klein, mit zwanzig krank zu werden, wozu also zum Arzt? Möglicherweise hast Du Glück, und Dir passiert nie was. Lass mich Dir aber einige Beispiele geben, die Deine Meinung ändern könnten:

1.) Du gehst gern an die Sonne und hast auch öfter einen Sonnenbrand. Bösartige Hauttumore (Melanome) treten viel häufiger auf, als Dir bewusst ist, und diese Krebsart tötet Dich innerhalb von zwei Jahren, wenn das Muttermal nicht entdeckt wird. Den jährlichen Vorsorgetermin beim Dermatologen solltest Du Dir leisten.

2.) Du gehst Skifahren und brichst Dir den Unterschenkel. Durch die (Berufs-)Unfallversicherung bist Du in der Regel nur allgemein versichert. Das heisst, dass bei Dir jetzt der Assistenzarzt ran darf. Die Naht wird eine hässliche Narbe hinterlassen, weil der nicht nähen kann und die Wahrscheinlichkeit, dass der Bruch unschön verheilt, ist recht gross. Mit einer halbprivaten Versicherung operiert Dich der Oberarzt oder Chefarzt. Bestehe darauf.

3.) Du wirst schwanger und entscheidest Dich für das Kind. Als allgemein versicherte unter 35 wird die Grundversicherung nur die üblichen Untersuchungen zahlen, jedoch z.B. keine pränatale Voruntersuchung. Entscheidest Du Dich für einen Wunschkaiserschnitt, fällt zudem die volle Franchise an, da nicht durch die Grundversicherung gedeckt. Zudem wirst Du im Wochenbett in einem Mehrbettzimmer liegen müssen, wo die ganze Zeit Besuch der anderen Wöchnerinnen reinschneien. Und das in einer Zeit, in der Du eigentlich Deine Ruhe mit Deinem Säugling brauchst. Versichere Dich darum vor einer Schwangerschaft privat oder halbprivat, um Kosten für ein Zimmer-Upgrade zu sparen.

4.) Du führst ein aktives Leben (bist ja auch noch jung...) und solltest daher mindestens einmal im Jahr zur Gynäkologin. Harnwegsinfekte können zu Unfruchtbarkeit führen. Geh lieber früher als später zur Kontrolle und lass Dich gegen HPV impfen

5.) Dentalhygiene: Geh einmal im Jahr hin und lass Deine Zähne auf Löcher prüfen. Je früher diese erkannt werden, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass man noch "sanft" entgegenwirken kann. (Zum Beispiel mit elmex gelee.)









Und nun viel Glück und Erfolg allen, die das gelesen haben! :-)

Samstag, 21. November 2015

Zehn elementare Fähigkeiten im Geschäftsalltag

Sie sind schwer zu lernen und erfordern Disziplin - an jedem Arbeitstag und an manchen ganz besonders - aber wer es schafft, diese zehn Fähigkeiten zu meistern, hat sich auch gleich zehn Stolpersteine in seiner Karriere aus dem Weg geräumt.


Bildquelle: livescience.com
1.) Schlaf



Wer schon einmal Probleme mit Schlaf hatte, weiss, wie schnell das zu einem wirklichen Hindernis im Alltag wird. Konzentrationsschwäche, Antriebslosigkeit, Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Gereiztheit etc. - alles unwillkommene Folgen des Schlafmangels.

Schlafprobleme sind leider vielfältig und müssen auch auf ganz unterschiedlichen Ebenen angegangen werden - sind es Nervosität oder innere Unruhe, die einen am ein- und durchschlafen hindern? Oder externe Faktoren wie Lärm oder Licht? So oder so lohnt es sich, seinen Schlaf zu "meistern". Probiere es mit mehr Sport, weniger Alkohol, leichterem Essen, einem Abendritual, Meditation oder einem eigenen Schlafzimmer. Es hilft auch sehr, jeden Abend um dieselbe Zeit zu Bett zu gehen.

2.) Zeitmanagement



Bildquelle: Wikipedia
Von gutem Zeitmanagement habe ich schon geschrieben. Was einem privat hilft, Freizeit und Erholung in Einklang mit den (lästigen) Verpflichtungen zu bringen, verschafft einem bei der Arbeit die Möglichkeit, sich auf das zu konzentrieren, was es fürs Weiterkommen braucht: Aussergewöhnliche Leistung.

Verzettelt man sich hingegen mit Kleinigkeiten und Unwichtigem oder lässt sich dauernd für die Arbeit anderer einspannen, kommt man nicht voran. Die Königsdisziplin ist und bleibt also Planung (und auch Abgrenzung). Mein wichtigster Tipp beim Zeitmanagement ist übrigens immer noch die Priorisierung der Aufgaben - was unwichtig und nicht dringend ist wird zuletzt (wenn überhaupt) angepackt.

3.) Empathie



Bildquelle www.edgarsnyder.com
Du kannst die disziplinierteste, brillianteste und sogar reichste Person der Welt sein, aber wenn Du dich nicht um andere scherst, bist Du nichts weiter als ein Soziopath. Empathie - die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen - ist fundamental. Man kann andere viel besser motivieren, bei einer Sache mitzumachen, wenn man sie versteht - versteht was sie antreibt, wovon sie träumen, wovor sie Angst haben. Nur dann kann man die richtigen Worte finden. Übrigens bedeutet Empathie nicht, dass man sich nicht von andern abgrenzen soll oder kann; es geht nur darum, sie zu verstehen.

4.) Positivies Denken




Im Endeffekt spielt es keine Rolle, was die andern über Dich denken - was zählt ist, was Du über Dich selber denkst. Vor allem Frauen haben Mühe damit, zu sich selber positiv und aufbauend zu denken. Sie trauen sich kaum etwas zu, vergeuden ihre Energie mit Reue oder Neid und vergleichen sich ständig mit andern, anstatt sich selbst für ihre positiven Eigenschaften zu loben. Tatsächlich fällt es den meisten Frauen viel leichter, ihrer besten Freundin Komplimente zu machen, als sich selbst.

Wenn Du merkst, dass du dich selber runterredest (oder -denkst), lenke Deine Gedanken bewusst auf etwas Positives. Wenn Du negativ denkst, dann wirst Du viel weniger Energie und Motivation haben, die Dinge anzupacken, die Dir wichtig sind. Wenn Du Deine eigene beste Freundin bist, Dich aufbaust und an Dich glaubst, wirst Du Erfolg haben. Versuch es einfach! :)

5.) Ausdauer & Fokus



Seit vielen Jahren beobachte ich die Ausdauer und den Ehrgeiz verschiedener Leute - sei das bei ihren Hobbies oder im Job. Ich finde dieses Thema enorm faszinierend. Bei Hobbies ist mir zum Beispiel aufgefallen, dass Frauen gern etwas Neues ausprobieren, jedoch selten versuchen, darin dann gut zu werden. Männer hingegen scheinen sogar bei ihren Hobbies alle andern schlagen zu wollen. Es geht ihnen - anders als uns Frauen - nicht primär darum, sich zu entspannen, Spass zu haben oder Freunde zu finden, nein, sie wollen andere überflügeln.
Quelle: flickr

Im Geschäftsalltag beobachte ich Ähnliches, wenn auch nicht so deutlich. Frauen sind zufrieden, wenn sie ihre Arbeit gut machen, Lob bekommen, beliebt sind, weil sie zum Beispiel andern helfen. Männern ist vor allem wichtig, dass sie ihre Erfolge präsentieren können - auch wenn UNS ihre Leistungen oft total lächerlich vorkommen. Wir Frauen kämen gar nicht auf die Idee, uns für so einen Scheiss feiern zu lassen. Und das ist genau der Punkt: Auch der Mann weiss, dass seine Leistung nicht so toll ist, aber er weiss auch, wenn er sich nicht in Szene setzt, wird er niemals beachtet und damit auch nicht befördert. Also verkauft er sich eben besser, als er ist.

Frauen lassen sich von diesem Verhalten dummerweise schnell demotovieren. Sie finden dann, ihre Arbeit, die viel besser ist, als die dieses Kollegen, wird gar nicht gewürdigt. "Wieso soll ich mir überhaupt noch Mühe geben?" Häufig geht ihre Leistung dann zurück, sie suchen sich ein Aufgabengebiet, das weniger mühsam ist, wechseln die Stelle oder wählen die Familie.

Das ist echt schade. Das richtige Verhalten wäre, seine Leistung - die gut ist - auch angemessen ins Licht zu rücken. Keine Frau sollte einfach klein beigeben. Auch wenn es schwer ist: Erkenne und ANerkenne, wie gut Deine eigene Leistung ist. Dann nimm ein Stück weit Abschied vom Beliebtseinwollen und wage es, Dich zu profilieren. Such Deine Freundinnen privat, nicht im Büro. Das befreit. Sobald Du Dir erlaubst, besser zu sein, als andere, wirst Du zwar mit Neid und Missungst konfrontiert, aber ziemlich sicher auch befördert.

6.) Nach Hilfe fragen



Viele Aufgaben kann man nicht allein bewältigen. Das wird einem bereits klar, wenn man die Stelleninserate anschaut, die heutzutage publiziert werden. Oft muss ich (leider) lachen, denn ich frage mich, wie viele Stellen zusammen gestrichen worden sind, um so ein Eierlegendes-Wollmilchsau-Stellenprofil zu kriegen. Aber ich schweife ab... ;) Im Geschäftsalltag weht heute schlicht ein rauerer Wind als noch vor zwanzig Jahren. Ich arbeite seit knapp zwanzig Jahren, darum kann ich mitreden. Wo es früher Geld für fünf Leute gab, erledigt das heute eine einzige, meist überlastete, Person. Nach zig Reorganisationen nennt man das dann Kosteneffizienz.

Dass es aber schlicht unrealistisch ist, so viel Arbeit (noch dazu vielleicht in einem Teilzeitpensum) zu bewältigen, ist Deinem Chef / Deiner Chefin übrigens selbst klar. Du kannst davon ausgehen, dass für die Stelle, die Du hast, auch einige seiner / ihrer Aufgaben klammheimlich delegiert worden sind, und nicht die coolen, oder neue Aufgaben hinzugefügt wurden, für die leider kein zusätzlicher Headcount bewilligt worden ist. (Das merkst Du übrigens schon bei den Vorstellungsgesprächen, indem Du einfach fragst, wie die Stelle und die Aufgaben zustande gekommen sind und wer bei den Aufgaben unterstützt...)

Wie dem auch sei: Frage so früh wie möglich nach Hilfe. Kommuniziere frühzeitig, wenn Du siehst, dass Du mit einer Aufgabe allein nicht zurechtkommst. Vielleicht hast Du Angst, dass man Dich dann als inkompetent hinstellt oder Dich sogar entlässt - die Chancen stehen aber gut, dass Dein Chef es versteht, denn irgendwann ist einfach Ende Fahnenstange mit noch mehr Arbeit. Wenn er uneinsichtig ist, solltest Du hingegen halt auch einfach konsequent sein, und gehen. Soll er versuchen, jemand anderen zu finden, der mehr leistet, als Du. Deine Gesundheit - physisch wie psychisch - sollte Dir mehr Wert sein.

7.) Wissen, wann Du den Mund halten musst



Es gibt die Jammeris - die einfach immer jammern (statt zu arbeiten), es gibt die Lästerer - die einfach über JEDEN schlecht reden - und es gibt die Choleriker, die einfach immer stilsicher in die Luft gehen, ohne dass man selbst einen Grund dafür sieht. Dann gibt es auch noch die Heulsusen, die alles viel zu persönlich nehmen.

Kurz gesagt: Du bist zum Arbeiten im Büro. Gefühlsausbrüche sind unprofessionell, Jammern unkonstruktiv und meckern sowieso. Hör auf damit. Wenn Dir etwas WIRKLICH, wirklich nicht passt, dann begründe sachlich, schlage eine Lösung vor und biete Deine Hilfe bei der Umsetzung der Lösung an. Und vor allem: Lass Deinen Worten Taten folgen. Ansonsten lerne, den Mund zu halten.


8.) Zuhören



Die Schwester des Mundhaltens. Ich wage auch hier zu behaupten, dass Zuhören vor zwanzig Jahren leichter war. Was heute auf uns einhagelt, wenn man den Flugmodus deaktivieren, ist eigentlich komplett inakzeptabel. Wehren können wir uns nur, indem wir selber filtern und einschränken. Gerade im Büro.

Wichtig ist da nämlich nicht, was die Tagespresse gebracht hat, was auf Twitter läuft oder wie das Wetter wird, sondern, dass ich verstehe, was das Gegenüber von mir will. Grundsätzlich gilt bei Besprechungen daher (für mich): Laptop zu, Telefon aus, Agenda klar kommuniziert und ich kann am Ende des Gesprächs sinngemäss zusammen fassen, was wir besprochen und entschieden haben. Alles andere wäre Kaffeekränzchen.

9.) Dich auf Deine Angelegenheiten konzentrieren



Wenn Dich eine Sache nichts angeht, dann kommentiere sie auch nicht. Wenn man Dich nicht nach Deiner Meinung fragt, gib sie nicht zum Besten. Und for fucks sake wiederhole Dich nicht.

Mache Leute scheinen Jahrzehnte zu benötigen, um dies zu lernen. Sie kommentieren einfach alles - die Präsenzzeiten der Kollegen, das Auto des Chefs, wie verschwenderisch jemand mit den Zuckertütchen umgeht... Es wäre allen geholfen, wenn solche Leute ein eigenes Leben hätten. Mit Zivilcourage hat der Scheiss übrigens nichts zu tun, das ist einfach nur Kleingeistigkeit.

10.) Deine Gedanken beherrschen



Um zu tun, was Du tun willst, und zu erreichen, was Du Dir vorgenommen hast, bedarf es kontinuierlicher Steuerung deiner Gedanken. Die Herausforderung ist, dass unser Denken das Ergebnis unserer gesammelten Erfahrungen darstellt. Unser Denken ist abhängig von unseren Erfahrungen, aber die Erfahrungen - die Vergangenheit - muss mit der Gegenwart und der Zukunft funktionieren. Je nachdem, wie jung Du bist, hast Du den Löwenanteil Deines Lebens noch vor Dir.

Heisst, Du musst versuchen, das Nützliche aus den Erfahrungen vom unnützen Ballast zu trennen. Je älter wir werden, desto schwieriger wird das. Innovative, kluge Menschen haben sich aber zeitlebens einen Sport daraus gemacht, Situationen neutral anzuschauen und neue Lösungen zu finden. Lernen kann man hier übrigens viel von Kindern - sie haben gar keine andere Wahl, als neutral auf Situationen zuzugehen und zeigen uns in der Folge oft ganz überraschende neue Ansätze.

Viel Erfolg!

Mittwoch, 30. September 2015

Was wir vom Fliegen von Wasserflugzeugen lernen

Die meisten Menschen haben mehr auf dem Kasten, als sie denken. Ich prüfe diese Theorie jetzt schon mein ganzes Leben und staune immer wieder, zu was ich fähig bin, wenn ich es nur versuche. Was ein Mensch körperlich und geistig leisten kann, zeigt sich erst, wenn er an die eigenen Grenzen gegangen ist. 


"Do one thing every day that scares you." Ich versuche es zumindest ein oder zweimal pro Jahr.


Piloten wissen, dass vor dem Flugtraining fürs Wasserflugzeug erstmal die Grundausbildung auf normalen Kleinflugzeugen absolviert werden muss. Dabei lernt man einiges fürs (Über-)Leben, aber niemals soviel, wie mit einem fliegenden Boot!

Hier die vier Grundregeln aus dem Kanadischen Pilotenhandbuch und was sie für Dich als Lektion fürs echte Leben hergeben.

Regel 1: Gesunder Menschenverstand und angemessenes Urteilen


Piloten von Wasserflugzeugen sind auf sich allein gestellt: Sie müssen für jede Landung ihre eigenen Landestellen finden und beurteilen, ob diese sicher sind. Hat es auf dem Wasser schwimmende Teile? Baumstämme oder anderes? Sind da Felsen knapp unter der Wasseroberfläche? Ist das Wasser tief genug, zu rauh oder spiegelglatt? Wie ist die Strömung? Was ist mit anderem Flugverkehr? Woher kommt der Wind? Ist er böig?  Kann ich das Flugzeug wenden? Wo ist das Dock? Alles was Du in dieser Situation tun kannst, ist, Dein bestes Urteil anwenden, basierend auf der Situation, Deiner Erfahrung und Deinem Training.

Was lerne ich fürs Leben: Hab ich mein Flugzeug - mein Projekt - erst crasht, bringt es mir definitiv nichts mehr, anderen die Schuld dafür zu geben. Chefs, Kollegen oder Anwälte können dann auch nur noch das Beste aus der Situation machen und garantiert sind sie darüber "not amused". Auch Mami und Papi sind irgendwann nicht mehr imstande, meine Suppe auszulöffeln. Selbst wenn Du also ein echter "Teamplayer" bist - übernimm in jeder Situation so viel Verantwortung, wie nötig und möglich. Verantwortung macht Dich stark und gibt Dir Kontrolle.

Regel 2: Überstürze nichts


Du wirst in Situationen fliegen in denen es keinen Flugverkehrslotsen geben wird, der Dir Windrichtung, -Geschwindigkeit, Landebahnzustand oder Instruktionen zum Anflug geben wird. Es obliegt dem Piloten, sicherzustellen, dass die Landung gelingt. Es ist daher absolut in Ordnung, ein paar Mal über unbekanntes Terrain zu fliegen, bis Du sicher bist, dass eine Landung sicher durchführbar ist. Da sind viele Dinge auf die Du achten musst, speziell wenn Du das erste Mal in einem Gebiet landest.

Was ziehe ich davon fürs Leben: Im Geschäftsalltag kommt es immer häufiger vor, dass man Dir viel zu wenig Zeit für Deine Arbeit einräumt. Man probiert es einfach, bis es nicht mehr geht oder die Qualität unter aller Sau ist. Und das wird dann wem angekreidet? Dir. Ich hasse das! Es ist einfach respektlos. Zwei Dinge kannst Du dagegen tun - erstens halte Dich nicht ums Verrecken an Deadlines, besonders nicht an solche, zu denen Du Dich nie committed hast. Dass Aufgaben so schnell wie möglich bearbeitet werden, ist klar, aber noch wichtiger ist: Auch in der bestmöglichen Qualität. Was bringt es, eine Aufgabe dreimal zu machen, wenn man sie beim ersten Mal hätte richtig erledigen können? Die Generation meiner Eltern kannte noch keine E-Mails und Videokonferenzen, da war es einfach normal, anständig Zeit einzuplanen.
Zweitens: Wenn Du von jemandem etwas brauchst, gib ihr / ihm genügend Vorlaufzeit. Du kannst schlicht nicht davon ausgehen, dass die nichts anderes zu tun haben, als sich um Deinen Scheiss zu kümmern. :-) Lebe vor, wie Du selber gerne behandelt werden würdest.

Regel 3: Plane Deine Strategie


Die allerwichtigste Regel, die es beim Wasserflugzeugfliegen zu beachten gilt: Was wird als nächstes geschehen? Wenn Du Dein Flugzeug vom Dock losmachst und es loslässt, was passiert dann? Wenn Du landest und keine Bremsen hast (wie bei einem Landflugzeug), keinen Rückwärtsgang, eine vage Steuerung, böigen Wind und das Dock ist mit mit drei Meter hohen Frachtcontainern beladen, was machst Du als nächstes? Du landest stromabwärts auf einem schnell fliessenden Fluss, bist 'off the step' und möchtest ans Ufer taxien - was passiert als nächstes? Denke die Situation immer genau durch bevor Du auf sie reagieren musst!

Was lerne ich daraus: Je mehr Du um die Ohren hast, je weniger Zeit Dir bleibt, desto wichtiger ist Dein Plan. Nimm Dir regelmässig Zeit, die generelle Richtung privat und karriere-technisch zu setzen, und prüfe, ob Dein Kurs stimmt. Ansonsten landest Du im Irgendwo, einer Sackgasse, oder schlimmer - im Burnout. Kluge Manager/innen setzen sich jeden Morgen hin und priorisieren Ihre Aufgaben nach ihren ganz eigenen Prioritäten. Dabei planen sie auch Eventualitäten und Krisen ein.

Regel 4: Kenne Deine Grenzen


Es ist sehr wichtig, dass Du Deine eigenen Begrenzungen kennst. Pack Dein Piloten-Ego beiseite und flieg nur dorthin, wo Du weisst, dass Du zu fliegen vermagst. Ein kleiner, spiegelglatter Bergsee erfordert einen Haufen Erfahrung. In einem schnellen Fluss landen und andocken auch. Werde nicht Opfer des NO PROBLEM Syndroms und bring Dich nicht in eine Situation, die Du nicht mehr bewältigen kannst.

Was könnte das für meinen Alltag bedeuten: Lerne, zwischen einer Herausforderung und einer Überforderung zu unterscheiden. Das ist schwierig und am besten stellt man sich zur Unterstützung einen Coach, Mentor oder "Götti" zur Seite. Jemand, der Dich gut kennt, Deine Fähigkeiten und Dein Potential beurteilen kann und Dir hilft, voran zu kommen. :-) Hast Du niemanden solches, dann kannst Du versuchen, immer ein Hintertürchen zu schaffen, falls sich eine Herausforderung doch als Überforderung entpuppt. Siehe auch Regel 3.

Sonntag, 20. September 2015

Abgrenzung in einer Welt der Distanzlosigkeit

Die meisten von uns hatten vermutlich schon einmal einen Moment, in dem sie sich in ihrer Privat- oder gar Intimsphäre verletzt fühlten. Manchmal ist es die Schwiegermutter, die immer dann anruft, wenn man endlich frei und anderes zu tun hätte, oder - und das heute leider immer häufiger - der Chef schickt ein E-Mail nach Arbeitsschluss, das dringend beantwortet werden muss. Wie schafft man es, seinen Anspruch auf Freizeit durchzusetzen?


Als Single ohne Kind wird dies vermutlich weniger zum Thema, aber sobald die magische Grenze zur Elternschaft überschritten wird, ist Zeit plötzlich ein viel, viel, viiiiel wertvolleres Gut als je zuvor. Spätestens jetzt müssen wir lernen, mit ihr auch entsprechend zu haushalten. Dabei geht es um das in Einklang bringen eigener und fremder Erwartungshaltung.

Eigene Erwartungshaltung

Das Problem findet sich meist vor allem bei einem selbst: An sich selbst stellt man häufig die höchsten Erwartungen. Am einfachsten begegnet man diesen mit der Frage: "Wer hat eigentlich gesagt, dass...?" Hier ein paar Beispiele:
  • ...dass ich jedes Wochenende mit meiner Schwiegermutter telefonieren muss?"
  • ...dass ich nach Feierabend auf dem Handy meine E-Mails lesen und beantworten muss?"
  • ...dass ich bei jeder Sitzung des Vereins dabei sein muss?"

Das Problem dabei ist: Mit dem alten Verhalten hat man bei den andern über längere Zeit eine bestimmte Erwartungshaltung geschaffen. Ändert man sein Verhalten nun, muss man das den "Betroffenen" vorher irgendwie ankündigen. Sonst säht man Probleme. Aber man soll die Veränderung nicht diskutieren, sondern wirklich ankündigen. Ganz nach meiner "No Bullshit" Regel bedeutet das, die Konfrontation nicht scheuen und seinen Weg konsequent zu verfolgen, auch wenn der/die andere im ersten Moment nicht glücklich sein wird. Wie geht frau am besten vor?

Eltern, Geschwister etc.

Die Familie ist in aller Regel viel toleranter, als man denkt. Das liegt daran, dass sie keine andere Wahl haben, als zu akzeptieren; Sie können dich ja nicht aus der Familie ausschliessen, bloss weil du nicht so funktionierst, wie sie es gerne hätten. Und selbst wenn es zum Eklat kommt, ist er in der Regel von kurzer Dauer. Trotzdem sollte man bei der Familie immer mit Bedacht und Respekt vorgehen - sie ist auch umgekehrt nicht austauschbar und häufig viel wertvoller, als man es in der gegenwärtigen Lebensphase einzuschätzen vermag. Am einfachsten adressiert man das Thema unter vier Augen, z.B. mit der Schwiegermutter, und bleibt in der Ich-Form:
"(Vorname), ich würde unsere regelmässigen Telefonate gerne reduzieren. Unter der Woche bin ich nach der Arbeit zu müde und am Wochenende, nach der Hausarbeit, möchte ich mich entspannen und etwas Zeit für mich haben. Mir wäre es lieber, wenn wir unsere Gespräche auf den nächsten Besuch verschieben."
Damit hast du klipp und klar gesagt, was du warum ändern möchtest und auch einen Vorschlag für einen Kompromiss gebracht. Noch ein Tipp: Wenn sie jetzt trotzdem noch anruft, kannst du mit gutem Gewissen nicht rangehen. Das ist nur konsequent und die Schwiegermutter weiss, dass du es ernst meinst. Vermeide beim Gespräch auf jeden Fall Vorwürfe ("Du rufst immer zum falschen Moment an." "Du nimmst keine Rücksicht auf mich."). Man kann sowas ganz sachlich kommunizieren und du meinst es ja auch nicht als Vorwurf; Es geht ja in erster Linie um dich und dein Bedürfnis nach mehr Freizeit.

Arbeitgeber

Bei Vorgesetzten gestaltet es sich zwar heikler, sich abzugrenzen, aber eigentlich auch wieder nicht; Per Gesetz kann nicht von dir verlangt werden, dass du nach Erreichen der Soll-Arbeitszeit noch E-Mails oder Anrufe bearbeitest. Schon gar nicht, wenn du für dein Handy privat aufkommst. Die Erwartungen, die heute während der Arbeitszeit an einen gestellt werden, sind meiner Meinung nach ohnehin genug hoch. Darum schlage ich persönlich vor, auch hier das Gespräch mit dem Chef / der Chefin zu suchen und ein klares Statement abzugeben:
"(Vorname), ich schätze das Vertrauen sehr, das du mir schenkst, und freue mich über die Verantwortung, die du mir gibst. Ich hoffe, deinen Erwartungen als Mitarbeiterin zu entsprechen, möchte in Zukunft nach Feierabend jedoch keine E-Mails und Anrufe mehr bearbeiten, da ich festgestellt habe, dass mir ansonsten die Zeit zur Erholung fehlt. Wenn das bedeutet, dass du mir einzelne Verantwortungsbereiche wieder entziehen möchtest, kann ich das verstehen."
Damit hast du klar adressiert, dass du hinter ihm / dem Unternehmen stehst, dass du aber auf eine saubere Trennung von Arbeits- und Freizeit bestehst und dass du notfalls in Kauf nimmst, Verantwortung abzugeben. Jetzt können deine Vorgesetzten entscheiden, ob sie das wollen, oder ob sie sich selber am Riemen reissen und deine - absolut berechtigte - Bitte respektieren. Auf lange Sicht möchte ich dir sagen, dass es sich selten lohnt, als Angestellte/r Überstunden (ja, auch auf dem Handy) zu leisten. Meist wirst du nur ausgenutzt (nimm es als Hinweis, wenn du dein Handy privat bezahlst und trotzdem Firmenmails beantwortest). Wenn du wirklich so viel Energie und Zeit hast, dann investiere sie besser in ein eigenes Projekt oder eine Weiterbildung.

Vereine / Kirche / Freunde

Es gibt Menschen, die leben in Vereinen auf - Sport, Kirchgemeinde, Feuerwehr etc. Auch hier muss man darauf achten, nicht "in alten Zöpfen" hängen zu bleiben. Sobald man merkt, eine Aktivität verlangt einem mehr Energie ab, als man von ihr ziehen kann, sollte man sich distanzieren. Vielleicht ist einfach eine Pause angesagt. Manchmal ist die Lösung auch, sein Engagement zu reduzieren, z.B. nur an jede dritte Sitzung zu gehen. Je nachdem, welche Rolle man im Verein innehat, geht das.

Bei Freunden ist es schwieriger. Häufig klammern sie sich an einen und die gemeinsame Zeit - aus Gewohnheit meistens - und egal, wie nett man es formuliert, dass man sich seltener treffen will, es wird immer als Beleidigung und Zurückweisung empfunden. Stattdessen rate ich hier zu der Strategie, ein Jahr auf Reisen zu gehen. Auch wenn es nicht stimmt. In der (künstlichen) Abwesenheit haben beide Parteien Zeit, sich über den Wert der Freundschaft klar zu werden. Jeder Mensch ist anders, aber für mich persönlich sind die Freundschaften am wertvollsten, die auch dann noch bestehen, wenn man sich nicht regelmässig treffen kann. Wenn man sich nach einem Jahr - oder zwei - wiedersieht und es sich anfühlt, als wärs gestern gewesen.

Partner & Kind(er)

Am schwersten finde ich, ist es, beim Partner und bei / von den Kindern Zeit für sich selbst durchzusetzen. Man arbeitet, macht den Haushalt und hat oft ein schlechtes Gewissen, wenn man dann noch Zeit für sich ganz allein beanspruchen will. Aber wer es kennt, kennt es eben: Nach einer Weile ist man einfach nur noch genervt. Konstant. Man giftet sich gegenseitig an, ist zwar physisch anwesend, mental aber ganz woanders und emotional gesehen würde man am liebsten Reissaus nehmen. So weit sollte es gar nicht erst kommen.

Das bedeutet aber, dass man aktiv vorbeugen muss. In jedem Erziehungsratgeber steht, wie wichtig Zeit für sich selbst und für sich als Paar - d.h. ohne Kind - ist. Man muss diese Zeit genau so einplanen, wie Arzt- oder Geschäftstermine. Das OK vom Partner / der Partnerin ist dabei selten das Problem - er / sie will ja auch Zeit für sich haben. Das Überwinden der eigenen Zweifel ist der Kraftakt. Und auch die Erkenntnis, dass Freizeit plötzlich kostet - nämlich Organisationszeit und auch Geld (Babysitter). Ein Burnout ist aber teurer.